'Ndrangheta-Mafia in Stuttgart: Anklage gegen acht Beschuldigte

Exklusiv

Kalabrische 'Ndrangheta:Anklage gegen Mafia-Mitglieder und Polizist in Stuttgart

von Dajana Kollig und Michael Haselrieder

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Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat nach Informationen von ZDF frontal im Verfahren gegen die kalabrische 'Ndrangheta Anklage gegen acht Beschuldigte erhoben.

Polizei nimmt ein mutmaßliches Mitglied der 'Ndrangheta in Hagen fest. (Mai 2023)

Die Polizei ging bereits mit mehreren Großrazzien gegen die 'Ndrangheta vor (Archivfoto).

Quelle: AFP

Im Verfahren gegen die kalabrische 'Ndrangheta hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart nach Informationen von ZDF frontal Anklage gegen acht Beschuldigte erhoben - darunter auch ein Polizist aus Aalen, der interne Informationen an die Mafia weitergegeben haben soll.

Dem deutschen Polizeibeamten werde zur Last gelegt, "zur Unterstützung und Förderung einer italienischen Mafia-Gruppierung in zwei Fällen im Januar 2022 in polizeilichen Systemen Abfragen getätigt und diese an einen anderen mutmaßlichen Unterstützer der Gruppierung weitergegeben zu haben", teilte Stefanie Ruben, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart auf Anfrage von ZDF frontal mit. Einmal soll er ein Autokennzeichen abgefragt haben, im zweiten Fall Personendaten.

Razzia in NRW und anderen deutschen Städten.

Unter anderem im Mai fanden europaweite Großrazzien gegen die italienische Organisation 'Ndrangheta statt. In Deutschland waren Einsatzkräfte unter anderem in Düsseldorf und München unterwegs.

03.05.2023 | 1:29 min

Anklage gegen Polizisten: Überfall beauftragt?

Außerdem soll der Polizist im April 2022 jemanden beauftragt haben, "einen Vorgesetzten, der ihm verhasst gewesen sein soll, durch italienische Landsleute körperlich überfallen zu lassen", teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Hierbei soll er zumindest billigend in Kauf genommen haben, dass der Vorgesetzte bei dem geplanten Übergriff tödlich verletzt werde. Zu der Tat sei es dann allerdings nicht gekommen.

Dem Polizisten, der seit April in Untersuchungshaft sitzt, werden in der Anklage folgende Delikte vorgeworfen: Verletzung des Dienstgeheimnisses, Unterstützung einer kriminellen Vereinigung im Ausland, versuchte Strafvereitelung durch Unterlassen sowie versuchte Anstiftung zum Totschlag. Ein Sprecher des Landgerichts Stuttgart teilte mit, dass über die Eröffnung des Verfahrens noch nicht entschieden worden sei. ZDF frontal konnte den beschuldigten Polizisten nicht für eine Stellungnahme erreichen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat außer dem Polizisten sieben weitere Männer angeklagt, die der kalabrischen Mafia 'Ndrangheta angehören oder sie unterstützt haben sollen - unter anderem wegen Drogen- und Gewaltdelikten.

Große Razzia gegen organisierte Kriminalität im April

Bei Razzien am 1. April 2025 im Rahmen von Ermittlungen gegen die organisierte Kriminalität hatten die Ermittler in vier Bundesländern und Italien 40 Objekte durchsucht und 34 Haftbefehle vollstreckt. Davon wurden 14 Personen in Deutschland festgenommen, 20 weitere in Italien. Bei den Razzien stellten die Ermittler außerdem Schusswaffen mit Munition, Betäubungsmittel, sowie digitale Speichermedien, Geschäftsunterlagen und Bargeldbeträge im mittleren fünfstelligen Bereich sicher.

Die Ermittler wurden durch illegale Geschäfte mit mediterranen Lebensmitteln sowie Küchenutensilien auf die Personen aufmerksam. Sie sollen Lebensmittel und Küchenmaschinen aus Ungarn und Italien im Namen von deutschen Firmen bestellt, diese nicht bezahlt und dann an Gastronomen im Raum Stuttgart geliefert haben. Die Gastronomen hatten die Waren zwar nicht bestellt, aber aus Angst vor Repressionen trotzdem bezahlt. Der Gesamtschaden beträgt laut Staatsanwaltschaft mehrere hunderttausend Euro.

Bildmontage: Verpixelter Staatsanwalt hinter Pult, links im Bild und Hände auf dem Rücken in Handschellen, die ein Smartphone halten, rechts im Bild

Ein Staatsanwalt, der für die Ermittlungen gegen eine Drogenbande zuständig war, soll diese vor Razzien gewarnt und dafür Geld kassiert haben. Doch er bestreitet die Vorwürfe.

04.03.2025 | 11:41 min

Schwerpunkt der Ermittlungen im Raum Stuttgart

Der Schwerpunkt der Aktion lag im Raum Stuttgart, im Rems-Murr-Kreis. Auch in Rheinland-Pfalz, in Nordrhein-Westfalen und im Saarland wurden Objekte durchsucht. 350 Polizisten sowie Spezialeinheiten aus ganz Deutschland waren an dem Tag im Einsatz. Seit Ende 2020 hatte die Polizei Aalen gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart in diesem Fall ermittelt. Seit 2021 besteht zudem ein sogenanntes "Joint Investigation Team" (Jit) mit Italien und der EU-Justizbehörde Eurojust.

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