Frühdemenz mit 56: Wie Alzheimer Brittas Leben verändert

Leben mit dem Vergessen:Frühdemenz: "Ich werde meine Freunde und Kinder verlieren"

von Annette Heinrich

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Diagnose Frühdemenz mit 56: ein Schock für Britta und ihre Familie. Trotz Alzheimer feiert sie die guten Momente im Leben, wohlwissend: Ihr Weg ins Vergessen ist unaufhaltbar.

Auf dem Foto ist Britta zu sehen, eine Dame Ende 50, sie steht vor einem See.

Britta hat mit 56 Jahren die Diagnose Frühdemenz erhalten. Das verändert alles. Sie und ihre Familie kämpfen mit dem Weg ins Vergessen. Und versuchen die Zeit zu genießen, die ihnen noch bleibt.

22.09.2026 | 28:39 min

Britta gehört zu den rund 100.000 Menschen in Deutschland, die vor ihrem 65. Lebensjahr an einer sogenannten Frühdemenz erkrankt sind. Mit 50 hat sie bereits die ersten Symptome, wird immer vergesslicher. Eine Ärzte-Odyssee beginnt, doch erst sechs Jahre später bringt eine Hirnwasseruntersuchung die traurige Gewissheit: Alzheimer.

Ich bin mit dem Kopf auf den Tisch und fing erstmal echt an zu weinen.

Britta

Auch für Brittas Mann Stefan ist das ein "Schlag ins Kontor". "Das ist ja für uns beide 'ne Einbahnstraße - klar, wo es hingeht."

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Immer weniger Selbstständigkeit möglich

Und tatsächlich verliert die einst so unabhängige Frau mehr und mehr ihre Selbständigkeit. Alleine reisen oder Autofahren geht nicht mehr. "Ich bin nicht mehr die Große, die ich mal war." Besonders hart trifft es Britta, als sie ihren geliebten Beruf als Lehrerin aufgeben muss.

Das ist eine Lücke in mir.

Britta

Auch ihre Familie muss lernen, mit einer Wahrheit umzugehen, die kaum zu ertragen ist: Brittas Weg ins Vergessen ist nicht aufzuhalten. Denn es gibt derzeit noch kein Mittel gegen Demenz. Und die Medikamente, die den Verlauf etwas verzögern könnten, verträgt sie nicht. Sie machen sie apathisch und teilnahmslos.

Britta und ihre Tochter Marisa stehen in einer Boutique in Eckernförde vor Regalen mit Bekleidung. Beide schauen lächelnd nach vorne.

Ihre Tochter Marisa (r.) unterstützt Britta (l.), wo sie kann. Beim Shoppen genießen die beiden ihre Mutter-Tochter-Zeit.

Quelle: ZDF

Ihre vier Kinder unterstützen Britta, wo sie können. Dennoch fürchtet sich ihr 28-jähriger Sohn Peer davor, "dass irgendwann dieser Tag kommt, wo Mama vor mir steht und nicht mehr weiß, wer ich bin. Und das Schlimme ist einfach, dass man weiß, dass er kommt. Man weiß aber eben nicht, wann er kommt." Auch Tochter Marisa schaut mit Sorge in die Zukunft:

Wird Mama auf meiner Hochzeit sein? Wird Mama meine Kinder kennenlernen?

Marisa (22), jüngste Tochter von Britta

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Britta weiß, was auf sie zukommt und fürchtet sich davor. "Ich werde ja auch meine Freunde und meine Kinder verlieren. Da steht Demenz zwischen uns." Traurig macht sie auch, dass sie nicht "die Mama bis zum Schluss" für ihre Kinder sein könne, die sie gerne sein wolle.

Lebensmotto trotzdem: "Carpe diem"

Und doch will sie der Krankheit die Stirn bieten - mit Ergotherapie, Bewegung, Lebensfreude. Und sie will die Zeit, die ihr bleibt, so gut es geht genießen: "Carpe diem, das ist so wichtig für mich", sagt Britta und hält an ihrem Lebensmut fest.

Britta hält eine Lesung. Sie sitzt an einem Pult und liest. Vor ihr liegt ein Buch mit farbigen Textmarkierungen.

Britta hat das Kinderbuch "Mama Berta und das Vergessen" geschrieben. Mit ihren Lesungen will sie anderen von Demenz Betroffenen Mut machen.

Quelle: ZDF

Dazu gehört auch ihr Herzensprojekt: ein Bilderbuch für ihre Enkelkinder. Darin erzählt sie die Geschichte einer Schafsfamilie und der "Elfe Dementia", die Gedanken in Feenstaub verwandelt. Britta hat das Buch selbst geschrieben und illustriert. Sie hält Lesungen in Schulen, Büchereien und im Seniorenheim.

Für ihr außergewöhnliches Engagement wird sie von der Hertie-Stiftung ausgezeichnet. Brittas Ziel ist es, über Alzheimer aufzuklären und Ängste abzubauen.

Manchmal weiß ich gar nicht mehr, ob ich etwas gesagt oder nur gedacht habe.

Britta

Brittas Kurzzeitgedächtnis lässt mehr und mehr nach - typisch für Alzheimer. Die Krankheit schreitet weiter voran, die guten Tage werden seltener. Ihr Mann Stefan arbeitet nur noch in Teilzeit, Britta wird stundenweise von einer durch die Pflegeversicherung finanzierten Eingliederungshilfe betreut.

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Laut WHO könnten bis zu 45 Prozent des Demenzrisikos verhindert oder verzögert werden. Risikofaktoren sind unter anderem Tabak- und Alkoholkonsum sowie Bewegungsmangel.

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Zweisamkeit verändert sich

Im Alltag ist sie zunehmend auf Unterstützung angewiesen. Besonders schmerzt die beiden, dass Gespräche immer mühsamer werden und sich ihre Zweisamkeit verändert.

"Wahrscheinlich wird es so sein, dass ich Britta auch in einem Rollstuhl sitzend irgendwohin schieben werde, mit einer Windel um", sagt ihr Mann Stefan. Reden werde dann nicht mehr möglich sein. "Ich stelle mir das so schrecklich vor. Das mitzuerleben, wie du verfällst", drückt er seine Angst aus.

Ich nehme schon Abschied. Das ist so. Und ich merke, ich gehe in die andere Welt langsam über.

Britta

Britta bereitet sich vor. Sie hat bereits Lieder für ihre Beerdigung herausgesucht. Angst vor dem endgültigen Vergessen und dem Tod hat sie aber nicht. Bis zu diesem Tag will das Paar, das sich erst vor acht Jahren kennengelernt hat, an seiner Liebe festhalten.

Stefan wünscht sich, "dass wir noch viel voneinander haben und dass wir noch so lange miteinander rumdödeln können, wie wir das jetzt auch machen". Britta bestätigt: "Also das wünsche ich mir auch ganz doll, dass das ein langsamer Verlauf ist."

Ausgestreckter Finger mit einer Schleife zur Erinnerung daran.

Jedes Jahr erhalten weltweit etwa zehn Millionen Menschen die Diagnose Alzheimer. Die Krankheit ist nicht heilbar. Welche Möglichkeiten haben Ärzte und Patienten?

22.09.2025 | 27:56 min

Über dieses Thema berichtet 37 Grad in der Sendung "Mein Weg ins Vergessen - Leben mit Frühdemenz" im ZDF am 22.09.2026 ab 22:15 Uhr.
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