Eine Woche nach Anschlag in Berlin:300.000 "für eine Zukunft ohne Angst" beim CSD in Hamburg
"Absolut friedlich" lief der CSD in Hamburg ab. 300.000 Menschen zeigten Haltung für die queere Community. Trotz des Anschlags in Berlin vor einer Woche wurde ausgelassen gefeiert.
Nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin gibt es eine Woche später beim Hamburger CSD mehr Sicherheitsvorkehrungen. Aber auch mehr Solidarität.
01.08.2026 | 2:12 minEine Woche nach dem Terroranschlag am Rande der Christopher-Street-Day-Feiern in Berlin haben in Hamburg Zehntausende für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt demonstriert und die queere Community gefeiert. Unter dem Motto "Solidarisch queer. Haltung zeigen - für eine Zukunft ohne Angst!" zog eine Parade von 60 Lastwagen als fahrende Bühnen von Firmen, Vereinen, Parteien und evangelischer Kirche durch die Innenstadt.
Rekord-Teilnehmerzahl beim CSD Hamburg
Rund 300.000 Menschen waren nach Angaben von Polizei und Veranstaltern auf den Straßen. Beide sprachen von einem sehr friedlichen Verlauf der Großveranstaltung. Im vergangenen Jahr waren etwa 260.000 Menschen gekommen. Bei der Zahl der diesjährigen Teilnehmenden handele es sich um einen neuen Rekord, sagte ein Sprecher der Veranstalter.
Unter den Teilnehmern waren etwa die prominente Dragqueen Olivia Jones und mehrere Politiker von SPD und Grünen, darunter SPD-Bundestagsfraktionschef Matthias Miersch.
Der CSD sei schon immer politisch gewesen, sagt Dragqueen Olivia Jones. ZDFheute live mit der Stimmung vor Ort. Wegen des Anschlags in Berlin ist es für viele ein besonders emotionaler CSD.
01.08.2026 | 9:57 minStimmung "absolut friedlich und ausgelassen"
Die Hamburger Polizei hatte ihr Sicherheitskonzept noch einmal überarbeitet. Es sollten doppelt so viele Beamte wie bei der Demonstration im vergangenen Jahr im Einsatz sein. Eine Polizeisprecherin beschrieb die Stimmung am Nachmittag als "absolut friedlich und ausgelassen". Über Zwischenfälle sei nichts bekannt. "Wir sind sehr zufrieden", betonte die Sprecherin. Auch die Veranstalter sprachen von einem sehr friedlichen Verlauf.
"Die Stimmung ist gut", sagte auch ein Sprecher der Veranstalter. Er zeigte sich beeindruckt, dass "die Stadtgesellschaft zusammenkommt und solidarisch an unserer Seite steht". Es seien auch "viele Menschen auf den Straßen, die nicht queer sind, auch Familien mit Kindern, Senioren und heterosexuelle Paare" - deutlich mehr als in früheren Jahren.
Der Schutz der queeren Community in Hamburg sollte nicht deren Sichtbarkeit überschatten, sagt Dirk Peglow vom Bund Deutscher Kriminalbeamter.
01.08.2026 | 15:06 minCSD-Teilnehmer aus Berlin in Hamburg dabei
Der Berliner CSD-Verein nahm mit einem eigenen Wagen an der Demonstration in Hamburg teil. Auch Berlins Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) war vor Ort. Nach dem Anschlag in Berlin "geht es jetzt darum, an der Seite der queeren Community zu stehen", erklärte sie. "Der Anschlag darf nicht dazu führen, dass sich queere Menschen aus Angst zurückziehen oder weniger sichtbar werden", betonte Kiziltepe.
Auch in weiteren, teils kleineren Städten gab es am Samstag CSD-Demonstrationen. In Naumburg in Sachsen-Anhalt beteiligten sich nach Angaben der Veranstalter etwa 1.000 Menschen.
Reinhard Lüschow hatte die erste eingetragene Lebenspartnerschaft in Deutschland. Seit Jahren kämpft er für die Rechte queerer Menschen - und macht sich Sorgen.
01.08.2026 | 1:06 minOuting-Aufruf in den Niederlanden
In Amsterdam rief der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten bei der farbenprächtigen Parade auf den Grachten junge LGBTIQ-Personen auf, sich offen zu bekennen. Ein Coming-out sei nicht einfach, "aber sobald man diesen Schritt gewagt hat, wird es nur noch besser", sagte er laut der Nachrichtenagentur ANP am Samstag zum Auftakt der traditionellen "Canal Parade". Der 39-Jährige ist der jüngste Regierungschef der Niederlande und der erste, der offen schwul lebt.
Der Christopher Street Day wird weltweit gefeiert. Die Bewegung geht auf Ereignisse im Juni 1969 in New York zurück. Nach einer Razzia der Polizei in der Szenebar "Stonewall Inn" kam es damals zum Aufstand von Schwulen, Lesben und Trans-Menschen. Hauptschauplatz von Straßenschlachten war die Christopher Street im Künstler-Viertel Greenwich Village in Manhattan.
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