Nach Anschlag auf CSD in Berlin: Hamburg verdoppelt Polizeikräfte

Sicherheitskonzept überarbeitet:Hamburg vor CSD: "Angst ist ein schlechter Ratgeber"

von Sven Rieken

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Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin hat Hamburg das Sicherheitskonzept für die Parade überarbeitet. Rund 250.000 Menschen werden beim CSD in Hamburg erwartet.

Roter Doppeldecker Bus bei Pride in Hamburg.

Nach dem Anschlag in Berlin am vergangenen Samstag, hat die Polizei das Sicherheitskonzept für den CSD in Hamburg deutlich erhöht. ZDFheute live schaut auf den Schutz und die Menschen vor Ort.

01.08.2026 | 28:08 min

Der rote SightSeeing Bus biegt in die Lange Reihe ein. "Hier beginnt Hamburgs Schwulen- und Lesbenviertel", ertönt die Stimme des Touristen-Guides aus dem offenen Dach des Cabrio-Busses. Tatsächlich ist mitten im Stadtteil St. Georg über Jahrzehnte eine große Regenbogen-Community gewachsen.

Das zeigt sich nicht zuletzt an der Markise vom Café Uhrlaub. Die leuchtet immer in den Farben des Regenbogens, nicht nur zur Hamburger Pride-Week. Die Fenster darüber und einige Tische sind auch in Regenbogenfarben bemalt.

ZDF-Reporterin Petra Meier interviewt Dragqueen Olivia Jones auf dem Hamburger CSD. Olivia Jones trägt ein Outfit in Regenbogenfarben.

Der CSD sei schon immer politisch gewesen, sagt Dragqueen Olivia Jones. ZDFheute live mit der Stimmung vor Ort. Wegen des Anschlags in Berlin ist es für viele ein besonders emotionaler CSD.

01.08.2026 | 9:57 min

Drohanrufe und offene Anfeindungen

Jens Weber hat sich für dieses dauerhafte Bekenntnis zur queeren Community schon viel anhören müssen. "Gerade in den vergangenen Jahren", erzählt der 47-Jährige, sinke die Akzeptanz der queeren Gemeinde immer mehr. Drohanrufe gebe es ständig, auch offene Anfeindungen im Café. Der Angriff auf die Pride-Parade in Berlin zeige ihm, dass sich "da eine Entwicklung zuspitzt".

Angst dürfe aber nicht ihr Leben bestimmen, fügt Weber noch hinzu. Daher sei die CSD-Parade in Hamburg so wichtig. "Liebe ist größer als der Hass", sagt er.

Dirk Peglow vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. Er trägt eine schwarze Brille und ein blaues Hemd.

Der Schutz der queeren Community in Hamburg soll beim diesjährigen CSD nicht deren Sichtbarkeit überschatten, sagt Dirk Peglow vom Bund Deutscher Kriminalbeamter.

01.08.2026 | 15:06 min

Hamburg zieht Lehre aus Berlin

Hamburgs Innenbehörde und die Polizei kennen die Schwierigkeiten der Szene. Nach dem Anschlag in Berlin hat Hamburg das Sicherheitskonzept angepasst. Allerdings wird Daniel Daniel, Sprecher der Innenbehörde, nicht konkret.

Das ist ja auch eine Lehre aus Berlin, dass wir dieses Umfeld verstärkt im Blick haben, mit uniformierten, aber auch mit zivilen Kräften und anderen Komponenten, beispielsweise aus der Luft.

Daniel Schaefer, Sprecher der Innenbehörde

Die Anzahl der Beamten wolle man "verdoppeln", so Innenbehörde und Polizei unisono. Allerdings benennen beide Behörden keine Zahl. "Einsatztaktik", wie es heißt.

Trauerstelle vom Anschlag auf den CSD Berlin mit vielen Blumen und Regenbögen.

Der Anschlag beim CSD in Berlin hat viele Fragen befeuert. Wir reagieren Veranstalter des CSD in Hamburg und Bonn darauf, wo am Wochenende gefeiert wird?

01.08.2026 | 4:32 min

Hamburg: Mehrere Gefährder im Fokus

Konkreter wird es bei der Zahl der in Hamburg als "Gefährder" geführten Personen. Fünf beobachte man, sagt Daniel Schäfer. Sie kämen aus dem Umfeld islamistischer Ideologie.

Für Terrorismusexperte Martin Kahl ist das aber nicht gleichbedeutend mit einer Gefahr für die Hamburger CSD-Parade. "In einer Studie haben wir 90 Fälle von Anschlägen und Anschlagsversuchen in Deutschland seit 2001 gezählt", erzählt Kahl. Weniger als zehn Prozent der Täter seien seiner Studie nach als Gefährder eingestuft gewesen.

Da sieht man also, wenn man nur auf die Gefährder guckt und nur den Fokus darauf richtet, dann entgeht einem ein ganz großer Bereich des Personenpotenzials, was infrage kommt.

Martin Kahl, Terrorismusexperte

Gedenkplatz für die Opfer des Berliner CSDs

In Berlin wird die Zahl der Verletzten nach oben korrigiert. Viele Fragen zur Tat sind noch offen. Politik und Behörden bemühen sich um Antworten.

28.07.2026 | 3:07 min

Islamische Gemeinde besucht Trauerveranstaltung in Hamburg

Der Blick richtet sich dabei schnell auf die islamische Gemeinde in Hamburg. Die zeigte Flagge und nahm am Sonntag an der Hamburger Gedenkveranstaltung für den Anschlag von Berlin teil.

Es seien Menschen gewesen, die dort waren, weil sie feiern und am CSD teilnehmen wollten und dann so eine Gewalterfahrung gemacht hätten, erklärt Fatih Yildiz vom Rat der Islamischen Gemeinschaften Hamburg. Das sei schrecklich, man habe signalisieren wollen, "dass wir das verstehen und auch mitfühlen".

Islamismusexperte Ahmad Mansour versucht eine Erklärung, warum radikalisierte Islamisten so reagieren. "Islamisten wollen die Sexualität kontrollieren und sie so ausleben, wie sie das für richtig und moralisch halten." So sei zu erklären, dass Terroristen dort zuschlagen wollten, wo aus ihrer Sicht viele "Feinde" zusammenkämen.

Islamwissenschaftler Guido Steinberg ist in einem Anzug zu sehen. Das Hintergrundbild ist von einem Autowrack.

Abdul B., der mutmaßliche Täter des Anschlags auf den CSD in Berlin, bewegte sich wohl in islamistischen Kreisen. Islamwissenschaftler Steinberg erklärt, wie der IS junge Menschen radikalisiert.

27.07.2026 | 27:23 min

Truck aus Berlin ist in Hamburg dabei

Terrorismusexperte Kahl blickt trotz seiner Analyse verhalten gelassen auf Samstag. Nachahmungstaten kurz nach einem Anschlag habe es bei Islamisten bislang nicht gegeben, eher würden Tatmittel kopiert als der Zeitpunkt. "Deshalb sehe ich das relativ entspannt", so Kahl.

Auch Jens Weber aus dem Regenbogen-Café Uhrlaub wird sich nicht einschüchtern lassen. "Angst ist natürlich ein ganz, ganz schlechter Ratgeber", sagt e.

Und wir dürfen uns von der Angst nicht überwältigen lassen.

Jens Weber, Café Uhrlaub

Auch die queere Gemeinde aus Berlin wird bei der CSD-Parade in Hamburg mit einem Truck dabei sein. So setzen beide Städte ein deutliches Zeichen, unter schwierigen Vorzeichen.

Nach Anschlag beim CSD
:Technoparade "Zug der Liebe" in Berlin abgesagt

Eigentlich sollte der Love-Parade-Nachfolger "Zug der Liebe" am 29. August durch Berlin ziehen. Nach der Attacke auf den CSD sagen die Veranstalter die Parade ab.
mit Video1:37
Archiv: "Zug der Liebe" in Berlin

Sven Rieken ist Korrespondent im ZDF-Studio in Hamburg.

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Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen unter anderem die heute Xpress am 01.08.2026 ab 12:41 Uhr.
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