"SARAH TACKE" über Anschlag auf CSD:Aktivist Sarac: Brauchen eine Brandmauer zum Islamismus
von Torben Schröder
Queer-Aktivist Tugay Sarac fordert bei "SARAH TACKE" eine klare Abgrenzung der Gesellschaft vom Islamismus. Aktivistin Düzen Tekkal plädiert für ein schärferes Jugendstrafrecht.
Zu Gast bei „SARAH TACKE“ sind unter anderem NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU), Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal und der Extremismusforscher Ahmad Mansour.
30.07.2026 | 60:47 minHerbert Reuls letzte Antwort kommt spontan und voller Überzeugung. Was man jemandem raten sollte, der aus Furcht zögert, den nächsten Christopher Street Day (CSD) zu besuchen? "Hingehen!", entgegnet der Innenminister von Nordrhein-Westfalen. "Es wäre der größte Fehler, nicht hinzugehen." Man müsse, so Reul (CDU), vermitteln: "100 Prozent Sicherheit geht nicht. Aber wir tun mehr."
Tekkal: "Die islamistische Gefahr war nie weg"
"Der Feind im Innern - wie stoppen wir Islamisten?" lautet der Titel der ersten Sendung von "SARAH TACKE". "Die islamistische Gefahr war nie weg", stellt die jesidisch-kurdische Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal fest. Der Anschlag auf den Berliner CSD habe explizit queeren Menschen, Minderheiten gegolten. "Und wenn Minderheiten bedroht sind, dann sind alle bedroht."
Die Einzeltaten seien von ihrem Umfeld in den sozialen Medien nicht zu trennen. Die dort fallenden Begriffe würden zu Taten führen. Gefährderansprachen und Fußfesseln, Abhörung und Beschattung seien Möglichkeiten im Rechtsstaat, führt Reul aus. Eine große Baustelle ist in seinen Augen die vielfache Radikalisierung im digitalen Raum.
Wie kriegen wir die Information im Netz besser sortiert, ohne ein Überwachungsstaat zu werden?
Herbert Reul (CDU), NRW-Innenminister
"Queerfeindlichkeit ist kein Randphänomen im Islamismus, das Problem reicht bis tief in diese Gesellschaft hinein." - so Andre Lehmann, Bundesvorstand LSVD⁺.
27.07.2026 | 4:48 minMansour: Islamismus ist zu lange relativiert worden
Europa und Deutschland haben laut Tekkal auch deswegen ein Islamismusproblem, weil beim Benennen der Probleme zu schnell der Vorwurf des antimuslimischen Rassismus im Raum stehe: "Das Schweigen ist mittlerweile zum Bodyguard der Täter geworden."
Der Extremismusforscher und Psychologe Ahmad Mansour pflichtet bei: Islamismus sei viel zu lange relativiert worden, statt sich mit den Gefahren auseinanderzusetzen.
Gefahr gehe hierzulande von den durch den Islamischen Staat Radikalisierten aus, aber auch von den Mullahs in Iran, die permanent versuchen würden, Anschläge in Europa durchzuführen. Radikalisierung basiere immer - und nicht nur im Islamismus - auf Überforderung, sagt Mansour. Auf der Suche nach Entlastung und Neuanfang kämen die Islamisten, "die mittlerweile die besseren Sozialarbeiter sind".
Braucht es mehr Repression oder mehr Prävention? Beides, antwortet Mansour:
Wir brauchen eine Migrationswende, wir brauchen eine Integrationswende.
Ahmad Mansour, deutsch-israelischer Extremismusforscher und Psychologe
Genauso wie Wertevermittlung in der Schule und auch die Eltern, denn heimische Gewalterfahrung sei ein Indikator für Radikalisierung. Und: "Wir brauchen auch die muslimische Community."
In Berlin wird die Zahl der Verletzten nach oben korrigiert. Viele Fragen zur Tat sind noch offen. Politik und Behörden bemühen sich um Antworten.
28.07.2026 | 3:07 min"Ein versuchter Anschluss an eine Terrororganisation muss bestraft werden, und die Strafe muss abschreckend sein", fordert Mansour. Deradikalisierung funktioniere seiner Erfahrung nach am besten im Gefängnis. Für eine Verschärfung des Jugendstrafrechts spricht sich Tekkal aus.
Ex-Salafist: Gewalt fängt bei der Entmenschlichung an
"Wir sind queer, wir sind muslimisch" - das in der Öffentlichkeit zu zeigen sei gefährlich, wie der muslimische Queer-Aktivist und ehemalige Salafist Tugay Sarac aus eigener Erfahrung weiß. Es gelte gerade nach Ereignissen wie dem Anschlag auf den Berliner CSD, laut zu sein, zu demonstrieren, in die Schulen zu gehen.
Im Bundesinnenministerium gibt es einen neuen Beraterkreis zur Islamismusprävention. Daran gibt es bereits Kritik. "Forum am Freitag"-Moderatorin Dilek Üsük ist dem nachgegangen.
29.05.2026 | 15:27 minDort würden Gespräche darüber, zugleich Muslim und queer zu sein, aber immer wieder eskalieren - auch, wenn vorher vermeintlich noch ein Konsens über Toleranz geherrscht habe. Die Gewalt fange nicht beim Terroranschlag an, sondern bei der Entmenschlichung. Es brauche nicht nur eine Brandmauer zur AfD, sondern auch eine zum Islamismus. "Die haben wir aktuell nicht", betont Sarac.
"Wir müssen mehr als Fragen stellen", fordert Reul. "Wir müssen auch sagen, was wir tun können, und auch, wo die Grenzen sind." Die Bedrohung sei beständig groß. Doch sie werde, wenn länger kein Anschlag stattgefunden habe, vergessen, ehe dann wieder der Alarmismus ausbreche.
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