Terrorismusexperte zu Anschlag auf CSD:Präventionsmaßnahmen bei Abdul B. "falsch eingesetzt"
Der mutmaßliche CSD-Attentäter war als Gefährder bekannt. Peter Neumann fordert eine Überprüfung des Strafrechts. Gleichzeitig betont er die Rolle von Präventionsmaßnahmen.
Der CSD-Attentäter hätte keine Bewährung bekommen sollen, sagt Terrorismusexperte Peter Neumann. Um solche Taten zu verhindern, brauche es harte Strafen, aber auch Prävention.
26.07.2026 | 5:08 minNach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin rückt eine Frage immer mehr in den Vordergrund: Warum war der Tatverdächtige auf freiem Fuß? Abdul B. war den Behörden als Gefährder bekannt - und verurteilt.
Im Gespräch mit dem heute journal erklärt Terrorismusexperte Peter Neumann, warum er das Strafrecht hier zu milde findet und warum Deradikalisierungsprogramme so wichtig sind.
Sehen Sie das Interview mit Neumann oben in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen.
"Unser Terrorstrafrecht ist zu milde"
Körperverletzung, räuberische Erpressung, Social-Media-Posts mit Waffen - der Tatverdächtige des Anschlags vom CSD habe eine lange Gewaltgeschichte gehabt, erklärt Terrorismusexperte Neumann. "Er hätte keine Bewährung bekommen sollen."
... ist Professor für Sicherheitsstudien am King's College London und Gründer des International Centre for the Study of Radicalisation, das zu den weltweit führenden Forschungsinstituten im Bereich der Terrorismusforschung zählt.
Peter Neumann gilt als Experte für islamistischen Terrorismus. Er ist Mitglied der CDU und beriet Armin Laschet während seiner Kanzlerkandidatur im Jahr 2021 als Teil des CDU-Zukunftsteams in Fragen der Inneren und Äußeren Sicherheit.
Bei einem vermutlich islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin wurde eine Frau getötet und 29 weitere Menschen verletzt. Der Tatverdächtige wurde bei einem Einsatz getötet.
27.07.2026 | 1:15 minObwohl Abdul B. zweimal versucht habe, auszureisen, um dem Islamischen Staat (IS) beizutreten, sei er freigelassen worden. "Ich glaube, insgesamt ist unser Terrorstrafrecht zu milde", so Neumann.
Die Strafen sind zu kurz, auch im europäischen Vergleich.
Peter Neumann, Terrorismusexperte
Zudem sei der mutmaßliche Attentäter nach Jugendstrafrecht verurteilt worden, "das den erzieherischen Gedanken voranstellt und oftmals nicht die Abwägungsentscheidung schafft mit dem Schutz der öffentlichen Gemeinschaft". Darüber müsse man noch einmal nachdenken, fordert der Experte.
Der Täter ist in der Vergangenheit bereits strafrechtlich auffällig geworden, er gilt als islamistischer Gefährder. Bundesinnenminister Dobrindt spricht über den Umgang mit solchen Tätern.
26.07.2026 | 3:30 minIm Islamismus "hat sich eine neue Szene gebildet"
Viele Terroranschläge in Deutschland würden auch verhindert, betont Neumann. Die Gefahr sei weniger groß als noch vor zehn Jahren. Der Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz im Dezember 2016 sei Teil einer riesigen Welle gewesen. Danach habe sich der IS zunächst zurückgezogen.
Doch seit dem 7. Oktober 2023 mit den Terrorattacken der radikal-islamistischen Hamas und dem eskalierten Gaza-Konflikt habe sich eine neue Szene gebildet.
Wir sehen seit 2023, dass der Islamismus wieder zunimmt und dass die Anschlagsversuche häufiger werden.
Peter Neumann, Terrorismusexperte
Viele Menschen stellen sich die Frage, wie eine solche Tat passieren konnte. ZDF-Rechtsexpertin Sarah Tacke gibt eine Einschätzung, welche Versäumnisse im Umgang mit Gefährdern gemacht wurden.
26.07.2026 | 2:37 minDiese Szene habe sich verändert, beobachtet Neumann. "Die ist stärker im Internet, wir haben viele junge, ganz junge Attentäter." Diese Entwicklung müsse man im Blick behalten.
Islamismus ist nach wie vor ein sehr, sehr aktuelles Thema.
Peter Neumann, Terrorismusexperte
Präventionsmaßnahmen "können wirksam sein"
Auch Prävention sei "ganz, ganz wichtig", so Neumann. "Wir brauchen natürlich harte Bekämpfung. Strafvollzug. Wir brauchen auch Prävention."
Deradikalisierungsprogramme können funktionieren, wenn sie richtig eingesetzt werden.
Peter Neumann, Terrorismusexperte
Im Fall Abdul B. seien diese falsch eingesetzt worden. "Aber sie können wirksam sein - besonders, wenn Leute sich noch auf dem Weg in die Radikalisierung befinden", sagt Neumann. Deshalb dürfe man auch daran nicht sparen.
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