Grippewelle und Winterwetter:Warum Blutkonserven knapp werden
von Anna Duda
Täglich werden 15.000 Blutspenden in Deutschland benötigt. Doch in den vergangenen Wochen wurde zu wenig gespendet. Warum jetzt jede Blutspende zählt.
Das Deutsche Rote Kreuz ruft dringend zur Blutspende auf, denn aufgrund des Wetters und der Grippewelle konnten viele nicht spenden. Die Vorräte schrumpfen.
20.01.2026 | 1:55 minIm Zentrum für Transfusionsmedizin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Bad Kreuznach wird die Lage zunehmend kritisch. Die Regale, in denen normalerweise Blutkonserven für mehrere Tage lagern, sind nahezu leer. Statt der üblichen Vorräte von rund fünf Tagen reicht der Bestand derzeit nur für maximal zwei Tage.
"An dieser Wand stünden jetzt normalerweise die Blutkonserven, gelagert für die kommenden Tage. Das ist jetzt nicht der Fall", sagt Benjamin Simeon Albrecht vom DRK-Blutspendedienst West.
Das, was hier jetzt steht, ist morgen schon im Krankenhaus.
Benjamin Simeon Albrecht, DRK-Blutspendedienst West
Winter, Grippewellen und Wetterchaos: Warum gerade diese Faktoren die Blutversorgung massiv belasten und welche Folgen der Mangel für Patient*innen hat, erklärt Dr. Christoph Specht.
21.01.2026 | 6:33 minGrippewelle und Eisglätte verhindern Spenden
Die Ursachen für die Engpässe sind vielfältig. "Die Grippewelle schlägt enorm zu - viele Menschen sind krank und können nicht spenden", erklärt Albrecht, und ergänzt:
Auch in der eigenen Belegschaft hatten wir krankheitsbedingte Ausfälle, weshalb Spendetermine nicht stattfinden konnten.
Benjamin Simeon Albrecht, DRK-Blutspendedienst West
Hinzu kommt das winterliche Wetter der vergangenen Wochen: Schnee und Eis hätten nicht nur Spenderinnen und Spender davon abgehalten, zu Terminen zu kommen, sondern auch die mobilen Teams des DRK beeinträchtigt. "Manche Teams kamen gar nicht vom Hof, Hallen waren nicht beheizt", so Albrecht.
Nur wenige junge Menschen spenden Blut. Doch Blut fehlt, weshalb das Deutsche Rote Kreuz auf Plattformen wie Instagram und TikTok und mit Blutspende-Pop-Up-Stores um neue Blutspender wirbt.
29.08.2025 | 1:50 minAuch Universitätskliniken spüren den Mangel
Am Universitätsklinikum Leipzig zeigt sich ein ähnliches Bild. "Wir können die Versorgung noch aufrechterhalten und müssen aktuell keine Operationen verschieben", betont Prof. Reinhard Henschler, Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin. "Aber wir müssen unbedingt die Bestände wieder auffüllen."
Besonders dringend benötigt würden rote Blutzellen - etwa bei Notfällen nach schweren Unfällen, für Massivtransfusionen, Stammzelltransplantationen oder im Rahmen von Chemotherapien.
Nur drei Prozent der Bevölkerung spenden Blut
In Deutschland spenden lediglich drei Prozent der Bevölkerung regelmäßig Blut. Gleichzeitig geht die Zahl der Spenderinnen und Spender langfristig zurück: von 4,14 Millionen im Jahr 2015 auf 3,59 Millionen im Jahr 2024. Ein Grund dafür ist der demographische Wandel. Die regelmäßigen Spenderinnen und Spender werden älter und scheiden irgendwann aus gesundheitlichen Gründen aus.
"Der größere Teil unserer Blutspender ist die ältere Generation, 50 plus", sagt Henschler, und appelliert: "Wir müssen den Jüngeren beibringen, zu spenden."
Das ganz Wichtige dabei ist die gute Tat, die soziale Verantwortung, der Dienst am Nächsten.
Prof. Reinhard Henschler, Universitätsklinikum Leipzig
Das weiterzugeben sei wichtig, so der Mediziner.
Blutspenden kann Leben retten, es hilft aber auch dem Spender, denn regelmäßiges Spenden kann bei Bluthochdruck helfen. Auf das Thema macht der jährliche Weltblutspendetag aufmerksam.
14.06.2025 | 1:38 minTausende Blutspenden täglich nötig
Fast jeder und jede ab 18 Jahren kann spenden - vorausgesetzt, man ist gesund und wiegt mindestens 50 Kilogramm. Kosmetische Eingriffe, Tattoos oder selbst kurze Auslandsaufenthalte können aber Gründe für Rückstellfristen bei der Blutspende sein.
Bundesweit benötigen Kliniken, Krankenhäuser und Arztpraxen pro Tag 15.000 Blutspenden, um die Patienten versorgen zu können. Die Transfusionsmediziner appellieren daher dringend an die Bevölkerung, Blut spenden zu gehen - gerade jetzt, in Zeiten von Krankheiten und winterlichen Ausfällen. Dazu gehört auch die bevorstehende Karnevals- und Fastnachtsaison.
Obwohl der Bedarf steigt, spenden immer weniger Menschen Blut - speziell zur Reisezeit. Wie kann man dem Mangel an Blutkonserven in Deutschland bestmöglich vorbeugen?
13.06.2025 | 5:10 minSorge vor sinkenden Spenden nach Karneval
"Die Karnevalszeit ist ja im Regelfall eine Zeit, die dann einer nächsten großen Erkältungswelle im Prinzip vorgesetzt ist", prognostiziert Benjamin Simeon Albrecht vom DRK-Blutspendedienst West.
Das bedeutet, wir wissen jetzt schon, dass nach Karneval die Spendemöglichkeit und Spendebereitschaft sinken wird.
Benjamin Simeon Albrecht, DRK-Blutspendedienst West
Deshalb müsse man es schaffen, die Konservenbestände so zu erhöhen, "dass wir in diese nächste Krankheitsphase, die dann nach Karneval droht, auf jeden Fall mit einem guten Konservenbestand hineingehen können."
Die Blutspendedienste des DRK versuchen, die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren. Denn Blutspenden rettet täglich Leben - und gibt den Spenderinnen und Spendern gleichzeitig ein gutes Gefühl.
Anna Duda berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Rheinland-Pfalz.
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