Update am Morgen: Pop-Diplomatie und Machtgesten

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Update am Morgen:Pop-Diplomatie und Machtgesten

von Stefanie Schoeneborn

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Stefanie Schöneborn


Guten Morgen,

der G7-Gipfel in Évian begann, wie solche Gipfel heute anscheinend beginnen müssen: nicht mit einer Erklärung, sondern mit einem Bild. Und mit einer Playlist. Emmanuel Macron hat seinen Gästen diesmal nicht nur die Hand gereicht, sondern gleich den passenden Soundtrack dazu geliefert. Jeder Auftritt ein Clip, jeder Clip ein Song, jede Songwahl ein Kommentar. Diplomatie, aber kuratiert wie ein Social-Media-Feed.

Donald Trump schreitet zu "Love Is a Long Road" über den blauen Teppich - ein Lied über zähe Beziehungen, Enttäuschungen und die Kunst, trotzdem weiterzugehen. Man kann das für eine freundliche Geste halten - oder für eine ziemlich präzise Beschreibung der transatlantischen Lage. Friedrich Merz bekommt "Hallo Lieblingsmensch", was irgendwo zwischen Charmeoffensive und ironischem Augenzwinkern pendelt. Giorgia Meloni läuft zu "Felicità" ein - Glück als politische Kategorie, zumindest für die Dauer eines Refrains. Macron inszeniert hier mehr als Begrüßungen, er liefert Deutungsangebote. Und das Publikum - sprich das Netz - nimmt sie dankbar an. Außenpolitik als Meme-Material.

Doch zurück zur analogen Welt, zur eigentlichen Königsdisziplin der Diplomatie: dem Händedruck. Politische Zeichen setzen, bevor sie ausgesprochen werden. Trump bleibt sich treu: lange, feste Griffe, gerne mit Nachdruck, gerne mit einem Tick zu viel. Auffällig: die demonstrative Länge seiner Begrüßung mit Brigitte Macron - eine Geste, die Nähe behauptet, vielleicht auch ein bisschen Besitz. Beim französischen Präsidenten selbst fällt der Moment deutlich kürzer aus: Funktional, kontrolliert.

Auch bei den anderen zeigte sich das feine Regelwerk der Machtgesten: doppelte Handgriffe, die wie Herzlichkeit aussehen und doch Kontrolle signalisieren; Schulterklopfer, die Kollegialität demonstrieren sollen und Hierarchie mitschwingen lassen. Das ist keine Folklore. Das ist politische Kommunikation in ihrer reinsten Form: wortlos und weltweit verständlich.

Merz setzt auf Stoff statt Symbolik: ein DFB-Trikot für Trump, Nummer 47. "Gleiches Team", die Botschaft. Trump lächelt, zeigt es herum, legt es ab. Auch das ist eine Antwort.

16.06.2026, Frankreich, Evian: Bundeskanzler Friedrich Merz (M, CDU) schenkt ein DFB Fußball Trikot an US-Präsident Donald Trump (r) mit der Rückennummer 47 vor der Arbeitssitzung zu den Themen Welthandel, Iran- und Ukraine-Krieg beim G7 Treffen in Evian während Keir Starmer, Premierminister von Großbritannien, daneben sitzt.

ZDFheute, 16.06.2026, 20:50 Uhr

16.06.2026 | 0:25 min

Und dann Versailles: Gold, Glanz, große Geste. "Das ist nicht Blattgold, das ist das Original", schwärmt Trump. Macron liefert ihm genau die Bühne, die er mag und hält ihn damit politisch im Spiel. Kalkül trifft Kronleuchter.

Inhaltlich zeichnet sich ab, worüber heute - am letzten Tag des G7-Gipfels - noch gesprochen wird: mehr Druck auf Russland, wohl auch über neue Energiesanktionen; engere Koordination im Nahen Osten; und eine Plattform für kritische Rohstoffe, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Selenskyj drängt parallel auf mehr Flugabwehr: sichtbar, präsent, fordernd.

Der Eindruck: Einigkeit wird inszeniert, Differenzen bleiben. Dieser Gipfel ist weniger ein Abschluss als ein Zwischenstand. Oder, um im Bild zu bleiben: Die Playlist steht - aber der Refrain wird erst noch geschrieben.

Kommen Sie gut durch den Tag - und falls Ihnen jemand die Hand reicht: Manchmal sagt ein Händedruck mehr als jede Erklärung.

Stefanie Schoeneborn, Leiterin der Redaktion "auslandsjournal"

Ausführlich informiert

Auf dem G7-Gipfel erklärte US-Präsident Donald Trump, Russland solle ein Abkommen mit der Ukraine schließen. Wie wahrscheinlich es ist, dass es dazu kommt, analysiert ZDFheute live.

US-Präsident Donald Trump sitzt vor einer US-Flagge beim G7-Treffen.

ZDFheute live, 16.06.2026, 19:01 Uhr

16.06.2026 | 15:19 min

Was im Nahen Osten passiert ist

G7: Iran-Deal bietet "historische Chance": Die G7-Staaten sehen in dem Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran eine "historische Chance", Teheran am Erwerb von Atomwaffen zu hindern. Der von Trump erzielte Deal, der am Freitag von beiden Kriegsparteien unterzeichnet werden soll, könne "Frieden und Sicherheit für alle in der Region bringen", heißt es in einer Erklärung der G7-Chefs.

Irans Präsident sieht Abkommen als diplomatischen Sieg: "Dementsprechend sollte man diese Chance, die das Land aus der aktuellen Lage herausführen könnte, nicht ungenutzt verstreichen lassen", sagte der iranische Präsident Massud Peseschkian laut der Nachrichtenagentur Isna. Solche Gelegenheiten seien begrenzt und würden sich nicht jederzeit erneut bieten, so der Präsident.

Weitere News-Updates zur Lage und zu Reaktionen erhalten Sie jederzeit auch in unserem Liveblog zum Angriff auf Iran. Alle Berichte rund um Iran finden Sie auf unserer Themenseite.

Was im Ukraine-Krieg passiert ist

Russische Luftangriffe auf Saporischschja setzen Wohnblock in Flammen: Bei russischen Luftangriffen auf die Stadt Saporischschja im Südosten der Ukraine hat es nach Behördenangaben mindestens ein Todesopfer und sieben Verletzte gegeben. Wegen russischer Drohnen im Luftraum galt am Morgen eine Warnung vor weiteren Einschlägen für die Bevölkerung. Vor allem zivile Infrastruktur sei beschädigt worden und ein mehrstöckiger Wohnblock in Flammen aufgegangen.

G7 wollen mit neuen Sanktionen Druck auf Russland verstärken: Die Staats- und Regierungschefs der G7 wollen laut einer gemeinsamen Erklärung den russischen Öl- und Gassektor stärker sanktionieren. Durch den zusätzlichen Druck auf Russland intensivieren sie die Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Krieges.

Kanzler Merz sieht Chancen für Diplomatie: Das Iran-Abkommen könnte Trumps Interesse am Ukraine-Krieg wieder wecken, Kanzler Merz sieht ein "Fenster der Diplomatie". Doch dafür braucht es laut Experte mehr als Sanktionen.

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Was heute noch wichtig ist

Ausblick heute journal update

Innenministerkonferenz in Hamburg / Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed / Jahresbericht über antisemitische Vorfälle in Deutschland

17.06.2026 | 0:45 min

Rias legt Zahlen zu Antisemitismus vor: Der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) legt seinen Jahresbericht mit den erfassten antisemitischen Vorfällen in Deutschland 2025 vor. Er erfasst nicht nur strafbare Taten wie Angriffe, Bedrohungen oder Beleidigungen, sondern auch verletzende oder einschüchternde Äußerungen und Vorfälle im Alltag und im Internet.

Putin lädt Asean-Staatschefs zu Gipfel ein: Kremlchef Wladimir Putin empfängt in der Millionenstadt Kasan an der Wolga Staats- und Regierungschefs aus Südostasien zum zweitägigen Russland-Asean-Gipfel. Für Russland geht es vor allem darum, die politischen und wirtschaftlichen Kontakte zu stärken.

Zinsentscheid der US-Notenbank: Die US-Notenbank Federal Reserve entscheidet erstmals mit Kevin Warsh an der Spitze über die weitere Geldpolitik. Angesichts einer erhöhten Inflation in den Vereinigten Staaten bei zugleich robustem Arbeitsmarkt rechnen Ökonomen damit, dass der Leitzins zum vierten Mal in diesem Jahr in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent bleibt.

Fußball-WM 2026

Lionel Messi ist immer noch eine Klasse für sich. Bei Argentiniens Turnierauftakt dreht der Routinier richtig auf - und stellt dank drei Treffern den WM-Torrekord von Miroslav Klose ein. Außerdem glänzen Kylian Mbappé und Erling Haaland mit guten Leistungen. Zusammenfassungen von allen Spielen und das, was sonst in der WM-Nacht passiert ist, finden Sie hier:

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sportstudio live: FIFA Fußball-WM 2026

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Ein Lichtblick

Vogelperspektive eines Badesees in Kassel.

ZDFheute Xpress, 16.06.2026, 18:25 Uhr

16.06.2026 | 0:24 min

Hohe Wasserqualität von Badeseen: Laut dem Bericht der europäischen Umweltagentur ist die Wasserqualität bei über 90 Prozent aller untersuchten Badeseen exzellent. Deutschland liegt auf Platz sieben in Europa.

Das sollten Sie sich mal ansehen

Die Kunstinstallation auf der Pariser Brücke sieht aus wie eine Felsenlandschaft.

heute, 16.06.2026, 19:00 Uhr

16.06.2026 | 1:24 min

Pariser Brücke als Felsenlandschaft verhüllt: Nachdem ein Unwetter das Kunstwerk fast zerstört hatte, dürfen Besucher nun die begehbare Höhle betreten. Die Installation des Künstlers JR soll den Blick auf die Stadt verändern.

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Kurznachrichten im ZDF - immer auf dem Laufenden

17.06.2026 | 1:35 min

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So wird das Wetter heute

Am Mittwoch zieht über den Nordosten Regen, im Südosten sind im Tagesverlauf Gewitter dabei. Die Luft erwärmt sich auf 17 bis 33 Grad.

Den aktuellen Wetterbericht der ZDF-Meteorologen finden Sie jederzeit auf unserer Übersichtsseite.

ZDFheute Wetter - Mittwoch - 17.06.2026

Quelle: ZDF

Zusammengestellt von David Metzmacher

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