Konzernchef des Autobauers:VW-Chef Blume: Geschäftsmodell funktioniert so nicht mehr
Der Volkswagen-Gewinn ist 2025 fast um die Hälfte eingebrochen. Wie das kommt, wie Chef Oliver Blume seinen Konzern aus der Krise führen will und welche Rolle Rüstung dabei spielt.
VW-Chef Blume erklärt im Interview, warum das Geschäftsmodell seines Konzerns nicht mehr funktioniert. Und wie sein Unternehmen diese Krise überwinden will.
10.03.2026 | 7:25 minZDFheute: Gewinneinbruch bei Volkswagen, das schlechteste Ergebnis seit der Dieselkrise? Sie sagen, man soll das halb volle Glas sehen. Redet sich VW das schlechte Ergebnis schön?
Oliver Blume: Wenn wir auf 2025 schauen, sehen wir ein zweigeteiltes Bild. Auf der einen Seite mit rund 9 Milliarden Ergebnis ist dieses deutlich zurückgegangen. Es kommt aber nicht aus dem operativen Geschäft, sondern im Wesentlichen durch Sondereinflüsse und die US-Zölle. Das ist die eine Seite.
Auf der anderen Seite können wir sagen, dass wir gut vorankommen. Wir haben Umsatz und Absatz etwa auf dem Niveau des Vorjahres gehalten, und das trotz sehr anspruchsvoller Marktbedingungen. Wir haben viele der Gegenwinde kompensieren können und werden dort jetzt ehrgeizig dabeibleiben.
Hohe US-Zölle, teurer Konzernumbau, Probleme bei Porsche: Der Gewinn bei Volkswagen ist im vergangenen Jahr drastisch eingebrochen. Der Volkswagen-Konzern will seine Sparbemühungen erhöhen.
10.03.2026 | 1:46 minZDFheute: Stichwort Gegenwind: Das ist ein internationaler Sturm, die Märkte brechen ein in China für Sie, in den USA. Was wollen Sie tun, um den Wind zu drehen?
Blume: Wir sind zuerst mal in allen Märkten, die sich normal entwickelt haben, sehr gut unterwegs. Gewinnmarktanteile in den USA sind sehr stark betroffen, insbesondere von den Zöllen, die gegenüber Mexiko liegen, sodass wir nicht mehr in der Lage sind, Fahrzeuge Richtung USA auszuliefern.
In China entwickelt sich der elektrische Markt sehr stark. Zu Jahresbeginn sind wir als Marktführer in den Markt gestartet. Nichtsdestotrotz, wir verdienen kein Geld, der Markt ist extrem unter Preisdruck. Und wir haben deshalb unsere Strategie in China umgestellt, in China für China entwickeln.
Der VW-Konzern vermeldete Mitte Februar nach vorherigen Warnungen vor rückläufigen Zahlen überraschend ein Sechs-Milliarden-Plus in der Bilanz. Woher kommt der Geldregen und wer profitiert davon?
11.02.2026 | 1:27 minZDFheute: Das klingt alles sehr positiv, so müssen Sie auch reden am Tag der Bilanzpressekonferenz. Aber Porsche zum Beispiel verdient kein Geld, wenn wir nach hinten schauen. Welche Fehler hat Volkswagen gemacht?
Blume: Wir schauen schon sehr differenziert aufs Bild und haben sehr klar adressiert, wo unsere großen Handlungsbedarfe bestehen.
Wir müssen uns aber natürlich den veränderten Marktbedingungen stellen.
Wir können heute feststellen, dass das Geschäftsmodell, das über Jahrzehnte funktioniert hat für den Volkswagenkonzern, für die deutsche Automobilindustrie, aber auch für Deutschland heute so nicht mehr funktioniert, darauf passen wir uns an.
Volkswagen kann E-Autos nach eigenen Angaben nun vollständig in China entwickeln und bauen. Was die Strategie für die Zentrale in Deutschland bedeutet, erklärt Florian Neuhann.
25.11.2025 | 1:55 minZDFheute: Es gibt ja das massive Sparpaket, 35.000 Stellen sollen abgebaut werden bis 2030. Müssen die Beschäftigten lernen, dass das noch nicht genug ist, ist das Thema Werksschließung möglicherweise dann doch noch nicht vom Tisch?
Blume: Ein Teil davon sind die Zukunftspakete, die wir bei Volkswagen, bei Audi, bei Porsche, aber auch bei der Cariad abgeschlossen haben. In Summe sprechen wir von über 50.000 Stellen, die wir abbauen werden, bis 2030.
Das ist notwendig, um die Kapazitäten zu adaptieren. Auf der anderen Seite waren wir in der Lage, das sozial verträglich zu machen.
Wir können heute natürlich noch nicht absehen, was die Zukunft bringen wird. Wir haben immer wieder kurzfristige Ereignisse, wie wir sie im Moment auch gerade wieder geopolitisch sehen.
ZDFheute: Das heißt also, Sie müssen den Beschäftigten vermitteln, da ist noch etwas zu tun?
Blume: Wir sind jetzt zunächst erstmal gut unterwegs, allein wenn wir die Verbesserung bei den drei großen deutschen Werken bei Volkswagen sehen. Die Fabrikkosten, die haben wir gesenkt, also eine Performance-Steigerung von 20 Prozent und wir arbeiten Schritt für Schritt. Wir werden aber durchaus in Zukunft immer mal wieder adjustieren müssen, je nachdem, was das Umfeld bringt.
Die VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo zeigt sich offen für Aufträge aus der Rüstungsindustrie. Deutschland und Europa müssten bei der Verteidigung unabhängiger werden.
06.03.2026 | 0:26 minZDFheute: Rüstung ist ein boomender Industriesektor. Auch bei Volkswagen gibt es eine Menge Gerüchte.
Blume: Ja, wir unterstützen die Rüstungsaktivitäten der Bundesregierung. Und auch das, was in Europa aktuell vonstattengeht, für den Volkswagen-Konzern, werden wir unterstützen, wo unser Know-how gefragt ist. Das ist im Wesentlichen militärischer Transport. Dort sind wir im Kontakt mit einigen Rüstungsunternehmen. Auch wenn es darum geht, Kapazitäten des Volkswagen-Konzerns zu nutzen, stehen wir dazu zur Verfügung.
Was wir eindeutig nicht machen werden, ist, dass wir dort in Waffensysteme einsteigen, das ist nicht unsere Kompetenz.
Das Interview führte Peter Kunz, Leiter des ZDF-Studios in Niedersachsen.
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