Brasilien: VW wegen Zwangsarbeit zu Millionenstrafe verurteilt

Sklavenähnliche Bedingungen :Brasilien: VW zu Millionen-Zahlung verurteilt

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Hunderte sollen in den 1970er und 80er Jahren für VW in Brasilien unter sklavenähnlichen Bedingungen gearbeitet haben. Ein Gericht verurteilte VW zu hohen Schadensersatzzahlungen.

Das Logo des Autoherstellers Volkswagen ist vor der Fabrik in der brasilienischen Stadt Taubaté am 21.07.2021 zu sehen.

Volkswagen muss in Brasilien Schadensersatz in Millionenhöhe zahlen. Arbeiter hatten dort unter sklavenähnlichen Bedingungen geschuftet.

Quelle: Imago

Volkswagen ist in Brasilien wegen sklavenähnlicher Arbeitsbedingungen in den 70er- und 80er-Jahren zu einer millionenschweren Schadensersatzzahlung verurteilt worden. Ein Arbeitsgericht urteilte am Freitag (Ortszeit), dass die brasilianische Tochtergesellschaft des deutschen Autobauers 165 Millionen Reais, umgerechnet 30,44 Millionen Dollar, Schadenersatz zahlen muss, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Dem Urteil zufolge waren zwischen 1974 und 1986 Hunderte Arbeiter auf einer von VW betriebenen Farm entwürdigenden Arbeitsbedingungen, Schuldknechtschaft und bewaffneter Überwachung ausgesetzt.

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Priester liefert Beweise gegen VW – Ermittlungen führen zum Urteil

2019 leitete die Staatsanwaltschaft in Brasilien eine Untersuchung ein, nachdem sie umfangreiche Unterlagen von einem örtlichen Priester erhalten haben, der den Fall Jahrzehnte lang verfolgt hatte.

Ihm hätten von der Farm geflüchtete Arbeiter von falschen Versprechen und prekären Bedingungen berichtet. Nach weiteren Ermittlungen und Zeugenaussagen erhob die Staatsanwaltschaft 2024 offiziell Klage gegen VW.

Laut Gerichtsunterlagen wurden etwa 300 Arbeiter mit irregulären Verträgen eingestellt, um den Wald zu roden und Weideland anzulegen. Sie wurden von bewaffneten Wachen überwacht, lebten in prekären Unterkünften, erhielten unzureichende Verpflegung und medizinische Versorgung und wurden unter einem System der Schuldknechtschaft gezwungen, auf der Farm zu bleiben. Der Richter urteilte nun, dass die Bedingungen der rechtlichen Definition von Sklavenarbeit entsprachen.

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Volkswagen kündigt Berufung an

Während des Prozesses hatte VW argumentiert, die Arbeiter nicht formell angeheuert und keine formellen Beziehungen zu den Zwischenhändlern unterhalten zu haben. Für den Richter stand jedoch fest, dass das Fehlen einer formellen administrativen Zuständigkeit von VW den Konzern nicht von den Vorwürfen entbinde, zumal es sich um besonders schwere Taten handele.

VW hatte 2020 umgerechnet 5,7 Millionen Euro Entschädigungen für Menschenrechtsvergehen während der Diktaturzeit (1964-1985) gezahlt. Für den Konzern umfasst dies auch mögliche Vergehen auf der Rinderfarm. Das sieht die Justiz anders.

Volkswagen kündigte an, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen. Der Autobauer teilte mit, er wahre die Grundsätze der Menschenwürde und halte sich strikt an alle geltenden Arbeitsgesetze. Dem Urteil waren gescheiterte Vergleichsverhandlungen vorausgegangen.

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Quelle: Reuters, AP, KNA

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