Südkoreanischer Technologiekonzern:Samsung-Mitarbeiter stimmen für Bonus-Deal - Streik vom Tisch
Höhere Löhne, Beteiligung am Unternehmensgewinn: Die Beschäftigten bei Samsung haben den Kompromissvorschlag des Managements akzeptiert - und so einen Generalstreik abgewendet.
In Südkorea haben Beschäftigte des Technologiekonzerns Samsung einem neuen Tarifabkommen zugestimmt. Der Deal beschert den Mitarbeitern in der Chipsparte Zahlungen in sechsstelliger Höhe.
27.05.2026 | 0:21 minSamsung Electronics hat sich mit seiner Gewerkschaft auf enorme Bonuszahlungen geeinigt und damit einen massiven Streik abgewendet. Nach Gewerkschaftsangaben sprachen sich mehr als 70 Prozent der Mitglieder dafür aus, das Angebot der Geschäftsführung anzunehmen.
Der Bonus-Deal betrifft nur die Beschäftigten in der Chipsparte. Sie machen mehr als die Hälfte der Mitarbeiter bei Samsung Electronics aus.
6,2 Prozent mehr Lohn - Beteiligung am Unternehmensgewinn
Die firmenweit gültige Einigung beinhaltet eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 6,2 Prozent und die Ausschüttung von 10,5 Prozent des Unternehmensgewinns an die Belegschaft. Es ist erst das zweite Mal, dass ein südkoreanischer Großkonzern zugesagt hat, einen Teil der Belegschaft mit einem festen Prozentsatz des Betriebsgewinns zu vergüten.
Zudem wurde eine Obergrenze für Sonderboni, die an die Leistung einer Sparte gekoppelt waren, abgeschafft. Laut Prognosen könnten allein die diesjährigen Boni pro Mitarbeiter im niedrigen sechsstelligen Euro-Bereich liegen.
Die Vereinbarung hat eine Laufzeit von mindestens zehn Jahren. Ohne den Deal hätten 48.000 Arbeiter für 18 Tage die Arbeit niedergelegt.
Tausende Angestellte des Technologiekonzerns Samsung hatten in Südkorea für bessere Löhne demonstriert.
23.04.2026 | 0:26 minSamsung fuhr zuletzt massive Gewinne im Zuge des Booms der Künstlichen Intelligenz (KI) ein. Das Unternehmen profitierte dabei von der stark gestiegenen Nachfrage nach Computerchips. Aktuell wird von einem Jahresgewinn von 331 Billionen Won ausgegangen (umgerechnet 189 Milliarden Euro). Der Konzern steht für 12,5 Prozent der Wirtschaftsleistung Südkoreas.
Experte: Einigung bei Samsung "könnte neues Feuer entfachen"
Mit der jetzigen Einigung könnte sich allerdings die Büchse der Pandora für die Unternehmenslandschaft in Südkorea öffnen - einem Land, das für seine kämpferischen Lohnverhandlungen bekannt ist.
"Dies könnte ein neues Feuer bei anderen Großunternehmen in Korea entfachen", kommentierte Kim Keechang, Rechtsprofessor an der Korea University.
Vielleicht ist dies erst der Anfang.
Kim Keechang, Korea University
Die getroffene Vereinbarung sei ein Tabubruch und stehe im Widerspruch zu langjährigen globalen Gepflogenheiten im Umgang mit Unternehmensgewinnen. Üblicherweise werden Bonuszahlungen nämlich erst nach Abzug der Steuern berechnet, die Chip-Mitarbeiter von Samsung haben sich nun jedoch de facto ihren Anteil am Unternehmensvermögen gesichert.
Die Wirtschaft in Südkorea ist in einer Krise, die Bevölkerung schrumpft und das Land ist tief gespalten. Kann der Präsident die Probleme lösen?
11.06.2025 | 6:59 minEinigung bei Samsung könnte Signalwirkung haben
Selbst der als gewerkschaftsfreundlich geltende südkoreanische Präsident Moon Jae-in äußerte vor dem Vertragsabschluss Bedenken. Moon sagte vergangene Woche im Rahmen einer Kabinettssitzung:
Einen bestimmten Anteil des operativen Gewinns - den man durchaus als gemeinsames Gut der Öffentlichkeit bezeichnen könnte - bereits vor Abzug der Steuern institutionell an die Belegschaft auszuschütten: Das ist etwas, das selbst Investoren nicht tun können.
Moon Jae-in, Südkoreas Präsident
Die Entscheidungen von Samsung dürften die Haltung anderer Gewerkschaften im Land verhärten. Beim Internetriesen Kakao diskutieren die Arbeitnehmer mit dem Management über eine Zuteilung von zehn Prozent des Betriebsgewinns für Boni.
Die Gewerkschaften des Telekommunikationsunternehmens LG Uplus und des Schiffbauers HD Hyundai Heavy Industries fordern mindestens 30 Prozent. Bei Samsung Biologics legten die Mitarbeiter bereits für fünf Tage die Arbeit nieder, um unter anderem eine Beteiligung von 20 Prozent am Betriebsgewinn zu erzwingen.
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