Wegen angeblicher Zwangsarbeit:Trump verhängt neue Zölle gegen 60 Handelspartner
US-Präsident Donald Trump setzt seine umstrittene Zollpolitik auf eine neue Rechtsgrundlage - als Begründung dienen angeblich unzureichende Maßnahmen gegen Zwangsarbeit.
Die US-Regierung um Präsident Donald Trump hat neue Zölle gegen rund 60 internationale Handelspartner verkündet, darunter auch die EU.
Quelle: epaWegen angeblich unzureichender Maßnahmen gegen Zwangsarbeit hat die US-Regierung auf die Einfuhren von 60 Handelspartnern einen Zoll von 10 beziehungsweise 12,5 Prozent angekündigt. Darunter fallen auch bestimmte Produkte aus der Europäischen Union, wie das Büro des US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer mitteilte.
Neue US-Importzölle ab Freitag
Die Zölle fallen demnach von Freitagmorgen 06:01 Uhr deutscher Zeit (Mitternacht US-Ostküstenzeit) an und gelten nicht für den Import aller Waren.
Ausgenommen sind laut US-Angaben unter anderem Produkte, die bereits bestimmten anderen Zöllen unterliegen, wie zum Beispiel Stahl und Aluminium. Weitere Ausnahmen gibt es für Waren, die zuvor bereits auf ein Schiff geladen wurden.
Die neuen Zölle kommen aus Sicht der US-Regierung gerade rechtzeitig, um dem Wegfall globaler Zölle entgegenzuwirken, für die Präsident Donald Trump sonst keine rechtliche Grundlage mehr gehabt hätte.
Nach langen Verhandlungen und Drohungen von US Präsident Trump haben sich EU Vertreter auf die Umsetzung des Zollabkommens mit den USA geeinigt. EU - Zölle auf amerikanische Industriegüter sollen nun entfallen.
20.05.2026 | 1:32 minWas zu den Zöllen noch bekannt ist
Je nach Handelspartner hätten die Untersuchungen entweder Zölle in Höhe von 10 oder 12,5 Prozent als "angemessenen Satz" ergeben, hieß es in der Mitteilung.
Die Europäische Union wird dort gemeinsam mit unter anderem Taiwan, Japan und der Schweiz als Handelspartner genannt, bei denen für die Importe bestimmter Produkte in die USA beide Sätze aufgeführt werden. Es soll demnach auch Ausnahmen geben.
Ob 10 oder 12,5 Prozent fällig werden, machen die USA den Angaben zufolge auch davon abhängig, ob Handelspartner Verbote für mit Zwangsarbeit hergestellte Waren wirksam durchsetzen.
Die Europäische Union handelt nach US-Darstellung in dieser Hinsicht nicht entschlossen genug. Den gleichen Vorwurf macht die US-Regierung etwa auch Kanada und Mexiko.
Ein US-Bundesgericht hat einen Großteil der von Präsident Trump verhängten Zölle für rechtswidrig erklärt. Eine Berufung ist möglich und wahrscheinlich.
08.05.2026 | 0:24 minFrist für globale Zölle läuft aus
Am Freitag läuft die gesetzliche Frist für die bisherigen globalen Zölle aus. Nach seiner Niederlage vor dem Obersten US-Gerichtshof hatte Trump in aller Eile im Februar neue globale Zölle in Höhe von 10 Prozent verhängt.
Grundlage für die neuen Importgebühren ist der Paragraf 122 aus dem Handelsgesetz von 1974, der die Erhebung einer Abgabe von höchstens 15 Prozent maximal 150 Tage lang erlaubt. Danach müsste das US-Parlament seinen Segen geben - angesichts der ohnehin hohen Inflation ist dies mehr als unwahrscheinlich.
Der Supreme Court hatte im Februar entschieden, dass Trumps frühere Zölle gegen Dutzende Handelspartner - darunter auch die Europäische Union - auf Basis eines Notstandsgesetzes rechtswidrig waren.
Am 2. April 2025 erschütterten US-Präsident Trumps neue Zölle die Welt. Wirtschaftskorrespondent Florian Neuhann zieht bei "WISO – Wirtschaft erklärt" eine Bilanz.
29.03.2026 | 9:59 minZwangsarbeit als Grund für neue Zölle?
Dass Trump nun eine neue Zoll-Begründung liefert, war erwartet worden. So kann die Regierung das gleiche Handelsgesetz aus dem Jahr 1974 heranziehen, um auf Basis eines anderen Paragrafen neue Zölle zu verhängen. Paragraf 301 räumt der Regierung die Möglichkeit ein, bei nachweislich "ungerechtfertigten, unangemessenen oder diskriminierenden" Handelspraktiken entsprechend aktiv zu werden.
Zuletzt hatte Trumps Handelsbeauftragter Greer im Gespräch des US-Senders CNBC Konsequenzen signalisiert, die aus Untersuchungen auf Basis des Paragrafen 301 zu Zwangsarbeit resultierten.
Anfang Juni hatten die USA Zölle gegen 60 Volkswirtschaften angedroht, weil diese Importe von Produkten aus mutmaßlicher Zwangsarbeit nicht verhindert oder bestehende Importverbote nicht genügend überprüft hätten.
Die Mitglieder der EU haben sich nach langen Verhandlungen auf ein Zollabkommen mit den USA verständigt. So muss die EU Zölle für die Einfuhr vieler Waren in die USA zahlen, Amerika umgekehrt nicht.
20.05.2026 | 1:39 minUnklarheit für "Turnberry-Deal"
Für die meisten Importe aus der EU galt bislang ein Zoll von bis zu 15 Prozent. Dabei handelt es sich um das auch als "Turnberry-Deal" bekannte bilaterale Handelsabkommen zwischen der EU und den USA. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Trump hatten sich im August 2025 darauf geeinigt, um einen drohenden Handelskrieg abzuwenden.
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