Werden Kunden beeinflusst?:Trinkgeld per Karte: Verbraucherzentralen kritisieren Tricks
Beim Bezahlen mit der Karte schlagen manche Lesegeräte Auswahlmöglichkeiten für Trinkgeld vor. Verbraucherschützer sehen darin teilweise eine Manipulation der Kunden.
Die Vorauswahl an Trinkgeldoptionen auf Kartenlesegeräten kann Verbraucher unter Druck setzen. Laut einer Forsa-Umfrage fühlt sich dadurch mehr als ein Drittel der Menschen zum Trinkgeldgeben gedrängt.
24.08.2026 | 0:31 minFür Kaffee und Kuchen, zwei Pizzen zum Mitnehmen oder das Familienessen im Restaurant: Beim Bezahlen in der Gastronomie geben viele gern ein Trinkgeld dazu. Wird die Rechnung per Karte beglichen, zeigen Lesegeräte oft gleich Optionen an: 7, 10 oder 20 Prozent? Da schnell etwas anzutippen, versetzt manche Gäste leicht in Stress.
Verbraucherschützer warnen vor einer unterschwelligen Beeinflussung. Die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Ramona Pop, sagte der Deutschen Presse-Agentur:
Es muss auf den ersten Blick erkennbar sein, wie Gäste Trinkgeld ablehnen oder die Höhe selbst festlegen können.
Ramona Pop, Verbraucherzentrale Bundesverband
Verbraucherzentrale: Trinkgeld keine Pflicht
Der Verband setze sich daher für ein Verbot "manipulativer Designtricks" auf europäischer Ebene ein. Pop sieht solche Tricks, "wenn die Option, kein Trinkgeld zu geben, versteckt oder schlechter sichtbar ist". Etwa, wenn die Felder mit den voreingestellten Prozent-Vorschlägen auf den Displays größer oder farblich auffälliger dargestellt sind als andere Optionen wie "Freie Eingabe", "Anderer Betrag" oder "Kein Trinkgeld".
"Viele Menschen geben gerne und freiwillig Trinkgeld, um guten Service wertzuschätzen", sagte Pop. Problematisch werde es, wenn Gäste gedrängt oder sogar manipuliert würden. "Niemand ist verpflichtet, Trinkgeld zu geben."
In Restaurants oder Cafés zeigen Kartenlesegeräte immer öfter eine Vorauswahl für Trinkgeld an. Verbraucherschützer haben das nun offen kritisiert. ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller berichtet.
24.08.2026 | 1:16 minVerbandsumfrage: Hälfte sieht sich gedrängt
Laut einer Umfrage im Auftrag des Verbands sprechen sich drei Viertel (76 Prozent) dafür aus, dass die Möglichkeit, kein Trinkgeld oder weniger Trinkgeld zu geben, ebenso sichtbar und leicht auswählbar sein sollte wie vorgeschlagene Beträge. Gut die Hälfte gab an, sich durch auffälliger dargestellte Prozent-Optionen zum Trinkgeldgeben gedrängt zu fühlen - voll und ganz stimmten 36 Prozent zu, eher stimmten 16 Prozent zu. Tendenziell nicht dazu gedrängt sehen sich 42 Prozent.
Für die nach eigenen Angaben repräsentative Umfrage befragte das Institut Forsa den Angaben zufolge vom 3. bis 5. August 1.009 Menschen ab 18 Jahren.
Erzeugen die voreingestellten Trinkgeld-Optionen bei Kartenzahlung zu viel Druck? Ja, sagt BWL-Professor Sascha Hoffmann. Sternelokal-Inhaber Billy Wagner argumentiert dagegen.
02.10.2025 | 10:51 minDehoga: "Freiwilliges Dankeschön des Gastes"
Die Branche weist auf einen Wandel der Zahlungsgewohnheiten vieler Gäste hin. "Immer mehr Menschen sind bargeldlos unterwegs und bezahlen mit der Karte oder dem Handy", sagte der Rechtsexperte des Deutschen Hotellerie- und Gastronomieverbands (Dehoga), Jürgen Benad.
Die Integration von Trinkgeld-Optionen in Kartenterminals biete eine zusätzliche Möglichkeit, Wertschätzung auszudrücken, und erleichtere dies auch ohne Bargeld. Wer kein Trinkgeld geben möchte, könne selbstverständlich jederzeit die Option dafür wählen.
Trinkgeld ist und bleibt ein freiwilliges Dankeschön des Gastes.
Jürgen Benad, Deutscher Hotellerie- und Gastronomieverband
Obwohl viele sich an der Kasse mittlerweile für ein digitales Zahlungsmittel entscheiden, stellt ein aktuelles Gutachten fest: Münzen und Scheine bleiben wichtig für das Finanzsystem.
08.04.2026 | 1:47 minNGG sieht Verbesserungsbedarf
Auch aus Sicht der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) führt an digitalen Trinkgeldfunktionen künftig kaum ein Weg vorbei, wie der Vorsitzende Guido Zeitler sagte. Entscheidend sei aber: "Der Gast muss sicher sein können, dass digital gegebenes Trinkgeld genauso wie Bargeld vollständig, transparent und nachvollziehbar bei den Beschäftigten ankommt", sagte Zeitler.
Deutlichen Verbesserungsbedarf sehen wir deshalb dort, wo Bezahlsysteme Kundinnen und Kunden durch ihre Gestaltung in eine bestimmte Richtung lenken.
Guido Zeitler, Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten
Und er machte auch grundsätzlich klar: "Trinkgeld ist ein Zeichen der Wertschätzung für einen guten Service. In erster Linie ist es aber die Aufgabe des Arbeitgebers, die Arbeit gut zu entlohnen."
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