Neue EU-Richtlinie für Reparaturen:Warum Ihre Geräte in Zukunft länger halten könnten
von Tim Morgenstern
Handys, Spülmaschinen, Trockner: Elektrogeräte werden oft schon nach wenigen Jahren entsorgt. Eine neue EU-Regel soll das vermeiden. Für Verbraucher könnte sich einiges ändern.
Elektronische Geräte landen oft schon nach wenigen Jahren auf dem Müll. Um die Berge an Elektroschrott einzudämmen, gilt ab 31. Juli in der EU das Recht auf Reparatur.
29.07.2026 | 1:37 minEs ist ein Szenario, das viele kennen: Ein relativ neues Gerät geht nach wenigen Jahren kaputt. Das teure Handy gibt den Geist auf, weil der Akku nicht mehr funktioniert. Oder die Waschmaschine hat ein Problem mit der Trommel, obwohl sie erst einige Jahre alt ist.
Die Geräte könnten in solchen Fällen häufig noch repariert werden - theoretisch. "Oft bedeutet ein erster Defekt an einem Gerät heute aber automatisch das Ende seiner Lebensspanne", sagt Janis Winzer. Er ist Professor für Ressourcenmanagement an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes und beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie das Leben elektronischer Produkte verlängert werden kann.
Eine längere Nutzung scheitert oft am fehlenden Serviceangebot, nicht vorhandenen Ersatzteilen oder weil die Produkte so gebaut sind, dass sie gar nicht repariert werden können.
Prof. Janis Winzer, Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes
Eine EU-Richtlinie soll das nun ändern: Ab 31. Juli 2026 gilt auch in Deutschland das Recht auf Reparatur.
In Zukunft sollen Technikunternehmen verpflichtet werden, ihre Geräte reparierbar zu machen. Das EU-Gesetz gilt ab dem 31. Juli. Jutta Müller zeigt, worauf man jetzt achten solle.
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Laut der Regelung müssen Hersteller ihre Produkte zukünftig so bauen, dass sie reparierbar sind - und zwar zu einem "angemessenen" Preis. Das bedeutet auch, dass die Unternehmen die passenden Ersatzteile bereithalten müssen. Übernehmen werden die Reparaturen voraussichtlich externe Dienstleister.
Ziel der Regelung ist es, die Mengen an Elektroschrott in der EU zu reduzieren. Allein im Jahr 2024 fielen in Deutschland etwa 758.000 Tonnen Elektroschrott an - das entspricht mehr als 30.000 voll beladenen Lkw.
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"Das Gesetz ist ein überfälliger Schritt, um diese Berge an Elektroschrott zu reduzieren", sagt Experte Janis Winzer. Doch die Regelung allein werde nicht ausreichen - denn Defekte seien nicht der einzige Grund, warum Geräte nicht lange behalten werden.
"Oft werden Produkte auch einfach ausgetauscht, weil eine modernere Version auf den Markt kommt", so Winzer. Aufgrund neuerer Funktionen oder einer vermeintlich höheren Energieeffizienz wirkten diese auf Verbraucherinnen und Verbraucher oft attraktiver.
Vor allem bei Handys und Computern gibt es noch einen weiteren Faktor. Oft stellen die Hersteller nach einigen Jahren die Wartung der Software ein. Ohne Updates des Betriebssystems oder der Sicherheitssoftware wird die Nutzung stark eingeschränkt, etwa weil Programme nicht mehr funktionieren.
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Das Recht auf Reparatur deckt diese Bereiche nicht ab. Es könne laut Janis Winzer daher nur ein erster Schritt sein, um sicherzustellen, dass elektronische Geräte in Zukunft länger halten. Darüber hinaus brauche es ein stärkeres Bewusstsein bei Unternehmen und in der Gesellschaft.
Denn Geräte mit einer längeren Lebensspanne zu bauen und zu kaufen, sei ohne Probleme möglich:
Die Lebensdauer eines elektronischen Geräts ist für die Hersteller eine planbare Größe.
Prof. Janis Winzer, Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes
Würde man Komponenten mit einer besseren Qualität verbauen, könnten Handys auch 30 Jahre halten, sagt Winzer. "Aber dann wären sie auch deutlich teurer." Außerdem müssten sie in diesem Fall modular konstruiert werden, damit einzelne Teile ausgetauscht werden können, wenn eine bessere Version zum Beispiel der Kamera auf den Markt käme. Das liege aber zumeist nicht im Interesse der Unternehmen, da diese mit jeder Neuauflage im Handel Geld verdienen könnten.
Kontrolle des Rechts auf Reparatur schwierig
Mit Blick auf die neue EU-Regelung bleibt laut Janis Winzer zunächst abzuwarten, wie die Umsetzung gestaltet wird. "Bei der immensen Zahl elektronischer Geräte im Handel ist es eine Mammutaufgabe zu kontrollieren, ob und zu welchem Preis sie wirklich reparierbar sind", sagt der Experte. Es könnten auch noch weitere Regelungen für mehr Nachhaltigkeit auf den Elektrohandel zukommen - etwa eine Verlängerung der Gewährleistung auf fünf Jahre.
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