Von 19 auf sieben Prozent gesunken:Trotz niedrigerer Mehrwertsteuer: Essengehen bleibt teuer
Die Mehrwertsteuer in Gaststätten ist seit Anfang des Jahres erheblich gesunken. Doch für die Gäste hat sich kaum etwas geändert: Die Preise bleiben hoch - oder sind gestiegen.
Zum Jahreswechsel wurde die Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Das soll die Gaststätten und Restaurants entlasten.
05.01.2026 | 1:15 minTrotz der gesunkenen Mehrwertsteuer sind Restaurantbesucher im Januar stärker zur Kasse gebeten worden. In Bayern zogen die Preise in Restaurants, Cafés, für Straßenverkäufe und Ähnliches um 3,9 Prozent im Vergleich zum Januar 2025 an. Das geht aus einer ersten Schätzung des Statistischen Landesamtes hervor.
Gaststättendienstleistungen verteuerten sich auch anderswo - in Berlin etwa um 2,1 Prozent und in Brandenburg um 3,8 Prozent, "trotz Absenkung der Mehrwertsteuer", so das Statistikamt Berlin-Brandenburg. Auch im Vergleich zum Vormonat Dezember legten die Preise zu: In Nordrhein-Westfalen betrug der Aufschlag 0,7 Prozent.
ZDFheute Infografik
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Senkung der Mehrwertsteuer um 12 Prozentpunkte
Seit dem 1. Januar gilt der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Speisen in der Gastronomie. Zuvor lag er bei 19 Prozent. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hatte die von der Bundesregierung getroffene Entscheidung als wichtige Maßnahme zur Stärkung von Restaurants, Wirtshäusern, Cafés und Caterern begrüßt.
Mehr als 1.000 Landgasthöfe mussten nach der Wende in Brandenburg schließen. Tapfer hält sich der Dorfgasthof in Herzberg, doch auch hier kämpfen die Inhaber mit Problemen.
09.12.2025 | 1:39 minGuido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) stellt fest:
Damit werden Existenzen und Arbeitsplätze gesichert.
Guido Zöllick, Dehoga-Präsident
"Lebendige Innenstädte und attraktive ländliche Regionen gibt es nur mit einer vielfältigen Gastronomie", so Zöllick weiter.
Bei Ökonomen stieß die Steuersenkung dagegen überwiegend auf Kritik. Friedrich Heinemann, vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sagt:
Die dauerhafte Senkung der Gastro-Mehrwertsteuer ist eine Niederlage der steuerpolitischen Vernunft.
Friedrich Heinemann
ZEW: Alle Argumente für Steuersubvention seit langem entkräftet
Alle Argumente für diese Steuersubvention seien seit langem entkräftet, so Heinemann weiter. Sie begünstige eher reiche Haushalte, privilegiere eine Branche ungerechtfertigt und trage zur weiteren Zersplitterung der Mehrwertsteuer bei. Noch dazu koste dies mit rund vier Milliarden Euro im Jahr sehr viel Geld.
Die Umsatzsteuer auf Speisen in der Gastronomie soll laut Koalitionsvertrag 2026 auf 7% gesenkt werden. Können Besucher mit sinkenden Preisen rechnen? Eher nicht, recherchiert Malou Hoppe.
17.04.2025 | 2:22 minKritik kam auch von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Sie sprach von Steuergeschenken für große Fast-Food-Konzerne.
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