Unter Auflagen:Mediamarkt-Saturn: Brüssel genehmigt chinesische Übernahme
Der chinesische Online-Riese JD.com darf die Mediamarkt-Saturn-Mutter Ceconomy übernehmen. Die EU-Kommission genehmigte den Deal, knüpft ihn aber an Auflagen.
Bald wohl in chinesischer Hand: Mediamarkt/Saturn
Quelle: dpa | Armin WeigelDie EU-Kommission hat die chinesische Übernahme des deutschen Elektrohändlers Mediamarkt-Saturn genehmigt. Der chinesische Konzern JD.com dürfe die Mehrheitsanteile an der Muttergesellschaft Ceconomy AG kaufen, Mediamarkt-Saturn dürfe im Zuge der Übernahme aber keine Vorteile durch chinesische Subventionen erhalten, teilte die Kommission am Dienstag mit. JD.com habe sich verpflichtet, unfaire Wettbewerbsvorteile auszuräumen.
Strenge Auflagen gegen unfaire Vorteile
Brüssel hatte Bedenken angemeldet, weil JD nach Einschätzung der EU-Kommission chinesische Subventionen erhält, etwa Steuervorteile und Staatskredite. Mit dem Geld finanziert der chinesische Konzern demnach einen Teil seiner Logistik und der IT-Systeme. Davon würde nach der Übernahme auch Mediamarkt-Saturn profitieren - zum Nachteil seiner Konkurrenten in Europa.
Laut einer Analyse entgehen dem deutschen Einzelhandel jährlich 2.5 Milliarden Euro Umsätze durch chinesische Onlinehändler. Bereits 40.000 Arbeitsplätze sollen dadurch weggefallen sein.
23.04.2026 | 0:35 minDie EU-Kommission verlangt deshalb von JD, seine logistischen Dienstleistungen, Lager und Technologien anderen Marktteilnehmern zu den gleichen Bedingungen anzubieten wie der künftigen Tochter Ceconomy, also Mediamarkt und Saturn. Außerdem soll jegliche Finanzierung von JD für Ceconomy normalen "Marktbedingungen" unterliegen. Nach Einschätzung aus Brüssel sind mögliche Vorteile durch die Subventionen damit ausgeglichen.
De facto über 85 Prozent der Stimmrechte
Ceconomy und JD hatten die Übernahme im vergangenen Jahr angekündigt. Der chinesische Onlinehändler hält demnach inzwischen 59,8 Prozent der Aktien und Stimmrechte. Die Beteiligungsgesellschaft der Gründerfamilie Kellerhals behält einen Anteil von 25,4 Prozent, hat sich aber verpflichtet, künftig mit JD zu stimmen. De facto kommt der chinesische Konzern damit auf mehr als 85 Prozent.
Geschäftsmodell und Führung bleiben bestehen
Beide Unternehmen teilten mit, am Geschäftsmodell von Mediamarkt-Saturn solle sich vorerst nichts ändern. "Was Ceconomy heute erfolgreich macht, wird auch in Zukunft den Erfolg vorantreiben", erklärten JD und Ceconomy in einer gemeinsamen Mitteilung. Die Führungsriege bei Ceconomy solle auf ihren Posten bleiben.
Vertreter des Einzelhandels fordern eine völlige Freigabe der Ladenöffnungszeiten an Sonntagen. Bisher hat der Koalitionsausschuss unter anderem Lockerungen für Bäckereien angekündigt.
06.07.2026 | 0:24 minMit der Genehmigung vom Dienstag könne die konkrete Umsetzung der Fusion beginnen, begrüßte Ceconomy-Chef Remko Rijnders die Entscheidung. JD-Chefin Sandy Xu betonte, Ceconomy solle sein Wachstum "auf nachhaltige Weise beschleunigen"; Ziel seien außerdem "Innovationen im sich wandelnden Einzelhandel".
Ceconomy betreibt die Mediamarkt- und Saturn-Filialen in Deutschland und weiteren europäischen Staaten sowie den inzwischen zusammengelegten Onlineshop. JD ist nach Angaben des Bundeskartellamts "Chinas größter Einzelhändler nach Umsatz" und konkurriert im Onlinehandel unter anderem mit dem Alibaba-Konzern.
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