KI, Klimaschutz und Konkurrenz:Industrie im Wandel: Was das für Azubis bedeutet
von Chantal Ried
Die Industrie steckt im Wandel: Klimaschutz, hohe Kosten und internationale Konkurrenz verändern ganze Branchen. Was bedeutet das für junge Menschen, die eine Ausbildung beginnen?
Die Wirtschaftskrise in Deutschland trifft besonders die Industrie hart. Vor allem junge Menschen fragen sich deshalb, welche Ausbildungsberufe auch langfristig eine Perspektive bieten.
03.08.2026 | 1:24 min"Herzlich willkommen auf der Hütt!": So werden 125 neue Auszubildende bei Saarstahl und Dillinger begrüßt. Für sie beginnt heute ein neuer Lebensabschnitt. Einer von ihnen ist Sebastian Knobbe. Er startet seine Ausbildung zum Chemikanten und setzt damit eine Familientradition fort: "Mein Opa war damals auf der Hütte. Mein Vater dann nicht mehr. Aber ich probiere das jetzt ein bisschen weiterzuführen."
Der 22-Jährige hofft auf eine lange Karriere: "Am liebsten würde ich natürlich hierbleiben. Als gebürtiger Saarländer wäre es für mich eine Ehre, hier mein ganzes Berufsleben zu arbeiten. Mal schauen, was die Zukunft bringt."
Branchen vor großen Herausforderungen
Für die neuen Auszubildenden beginnt der Berufseinstieg in einer Branche, die vor großen Herausforderungen steht. Hohe Energiepreise, internationale Konkurrenz und der Umbau hin zu einer klimafreundlichen Produktion setzen die Stahlindustrie unter Druck. Im Saarland investieren Saarstahl und Dillinger derzeit Milliarden Euro in die Transformation zu grünem Stahl.
Doch ausgerechnet jetzt sorgt ein Vorschlag der EU-Kommission für Kritik. Sie plant, den Emissionshandel aufzuweichen. Die Obergrenze für CO₂-Emissionen würde dadurch ab 2031 langsamer sinken.
Saarstahl und Dillinger befürchten, dass sich ihre milliardenschweren Investitionen in den klimafreundlichen Umbau dadurch wirtschaftlich schlechter rechnen und ihre Wettbewerbsfähigkeit leidet.
Die Industrie soll länger CO₂ ausstoßen dürfen. Die EU-Kommission schlägt vor, den europäischen Emissionshandel anzupassen. Die Reaktionen darauf fallen unterschiedlich aus.
17.07.2026 | 2:33 minIndustrie im Wandel: Folgen für Ausbildung
Der Strukturwandel verändert auch die Ausbildung. Die neuen Nachwuchskräfte lernen künftig den Umgang mit modernen Produktionsanlagen und Wasserstofftechnologien. Aber nicht nur die Stahlindustrie steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Hohe Standortkosten, internationale Konkurrenz und die schwache Konjunktur belasten viele Industriezweige.
Das zeigt sich auch auf dem Ausbildungsmarkt. Nach Angaben der IG Metall ist die Zahl der Ausbildungsverträge in industriellen Kernberufen 2025 um neun Prozent zurückgegangen. Besonders betroffen sind der Maschinenbau sowie die Metall- und Elektroindustrie, aber auch Fahrzeughersteller und Zulieferer.
Selbst die IT-Branche, die lange als Wachstumssektor galt, verzeichnet einen Rückgang: Im vergangenen Jahr wurden 14,3 Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr.
Künstliche Intelligenz verändert den Arbeitsmarkt spürbar: Besonders Berufseinsteiger spüren die Folgen. Eine Studie zeigt, dass etwa junge Softwareentwickler deutlich seltener eingestellt werden.
27.08.2025 | 1:50 minWeniger Investitionen - Fokus auf KI
Unternehmen investieren zurückhaltender, verschieben Projekte und setzen zunehmend auf Künstliche Intelligenz. Für viele Schulabgänger stellt sich deshalb die Frage, welche Ausbildung langfristig Sicherheit bietet. Doch genau diese Sicherheit lasse sich heute nicht mehr an einem einzelnen Beruf oder Unternehmen festmachen, sagt Dr. Monika Hackel vom Bundesinstitut für Berufsbildung.
"Die Zeiten sind vorbei", in denen Beschäftigte ihr gesamtes Berufsleben in einem Unternehmen oder Beruf verbringen. Schon heute wechsle rund die Hälfte der Fachkräfte in Industrieberufen später in andere Tätigkeitsfelder.
Die Ausbildung wird bei jungen Menschen immer beliebter. Das gilt speziell im Handwerk. Wo in Zeiten von KI offenbar der alte Spruch ganz neu zieht: Handwerk hat goldenen Boden.
31.07.2026 | 2:31 minVielseitige Qualifikationen und "Future Skills" erforderlich
Gerade deshalb gewinnt eine breit angelegte Ausbildung an Bedeutung. Wer beispielsweise Mechatroniker wird, kann später ebenso im Maschinenbau, in der Chemieindustrie oder in der Energiewirtschaft arbeiten.
Wir schauen bei der Neuordnung von Berufen ganz klar darauf, dass die Berufsbilder nicht zu eng gestrickt sind [...], wo man dann, auch wenn es in der eigenen Branche mal kriselt, die Möglichkeit hat, in einen anderen Bereich zu wechseln.
Dr. Monika Hackel, Bundesinstitut für Berufsbildung
Entscheidend seien vielseitige Qualifikationen und sogenannte "Future Skills" - etwa im Umgang mit digitalen Technologien oder Künstlicher Intelligenz. Sie gewinnen an Bedeutung und werden bei der Weiterentwicklung von Ausbildungsberufen zunehmend berücksichtigt.
Ob Sebastian Knobbe bis zur Rente bei Dillinger bleiben wird, weiß heute niemand. Fest steht aber: Seine Ausbildung soll ihn breit aufstellen und ihm auch in einem sich wandelnden Arbeitsmarkt viele Möglichkeiten eröffnen.
Chantal Ried ist Korrespondentin im ZDF-Studio Saarbrücken.
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