Handwerk hofft auf mehr Frauen - Chancen auf Karriere sehr gut

Internationale Handwerksmesse in München:Wo Frauen mit ihren Talenten besonders fehlen

von Peter Aumeier

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Das Handwerk in Deutschland ist eine wichtige Branche. Doch Frauen sind noch selten. Der Zentralverband sieht exzellente Karrierechancen - und hofft auf viele Nachfolgerinnen.

Die Ofenbauerin Laura Hack geht ihrer handwerklichen Tätigkeit nach. Sie trägt Schutzklamotten und eine Schutzbrille.

Es gibt aktuell zu wenig Frauen in handwerklichen Berufen. Dass es auch anders geht, zeigt Laura Hauck. Als Ofenbauerin übernimmt sie den Familienbetrieb und führt ihn in 12. Generation weiter.

04.03.2026 | 2:22 min

Die Internationale Handwerksmesse in München ist die Leistungsschau einer wichtigen Branche. Denn allein in Deutschland gibt es mehr als eine Million Handwerksbetriebe mit rund 130 verschiedenen Berufen: weniger bekannte wie Kürschner, Korbmacher oder Glasbläser - und sehr beliebte wie Kfz-Mechatroniker, Elektroniker oder Sanitär- und Klimatechniker.

Bei den meisten dieser Berufe ist eine Gruppe besonders stark unterrepräsentiert: die der Frauen. Nur ein Drittel der Beschäftigten ist weiblich, unter den Auszubildenden nur ein Sechstel.

Auch auf Leitungsebene gibt es noch zu wenig Frauen. Dabei stellt sich bei rund 125.000 Betrieben in Deutschland in den kommenden fünf Jahren die Frage, wer kann und will diese Firmen künftig weiterführen? Frauen könnten auch hier ein wichtiger Teil der Lösung sein.

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Familienbetrieb mit weiblicher Führung selten

Die Nachfolgefrage stellte sich auch für Ofenbaumeister Reiner Hauck aus Geisenfeld in Oberbayern: 270 Jahre arbeitet seine Familie bereits im Ofenbau. Schon seine Mutter hatte den Beruf gelernt; in den 1950er Jahren die absolute Ausnahme. Doch dass eine seiner beiden Töchter einmal denselben Beruf ergreifen würde, damit hatte er nicht gerechnet.

Nach dem Abitur wollte Tochter Laura lieber eine Ausbildung machen als zu studieren. Nun ist sie selbst längst Ofenbaumeisterin. In diesem Jahr übernimmt sie den väterlichen Betrieb, in zwölfter Generation.

"Ansonsten hätte ich den Betrieb stilllegen müssen, weil kein Nachwuchs da ist", sagt Reiner Hauck. Es sei schwierig, den Betrieb an Mitarbeiter zu verpachten oder zu übergeben, erläutert Hauck. "Es gibt kaum Meister in der Gegend, die dann den Betrieb führen dürfen."

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Frauen bringen andere Talente ein

Der Zentralverband des Handwerks (ZDH) setzt bei der Lösung der Nachfolgefrage vor allem auch auf Frauen. "Frauen werden eine ganz wesentliche Rolle spielen in der Nachfolgefrage", sagt Holger Schwannecke, Generalsekretär des ZDH. Das sei auch gut so, denn sie könnten unglaublich viel einbringen. "Frauen haben besondere Talente, was Organisationstalent angeht, was auch Sensibilität in Führungsfragen angeht, was Kommunikation angeht", erklärt Schwannecke.

Die Berufsaussichten und Karrierechancen für Frauen im Handwerk sind exzellent.

Holger Schwannecke, Zentralverband des Handwerks

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Dass Frauen im Handwerk so spärlich vertreten sind, hat verschiedene Gründe: Noch immer gilt das Handwerk vielen als Männerdomäne. Und wo weibliche Vorbilder fehlen, fehlt es auch häufig an der Vorstellungskraft, einen solchen Beruf später einmal selbst auszuüben.

Zudem stellt sich, wie auch in anderen Berufen, die Frage: Lassen sich Beruf und Familie vereinbaren? Ofenbauerin Laura Hauck nutzt als alleinerziehende Mutter zweier Kinder die Vorteile des Familienbetriebs. "Unsere Arbeit ist ja auch gleichzeitig unser Zuhause, auch für meine Kinder", sagt sie. "Ansonsten ist auch der Rückhalt noch da, also meine Mama ist da, mein Papa ist da, das lässt sich schon ganz gut jonglieren."

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Motivation fürs Handwerk: "Was mit den Händen machen"

Manche jungen Frauen haben außerdem Befürchtungen, dass sie die Arbeit im Handwerk körperlich nicht schaffen könnten. Die 16-jährige Sarah Gaup hatte keine Bedenken. Sie ist als Auszubildende in der Ofenbaufirma Hauck schon jetzt begeistert von ihrem Beruf:

Ich wollte was mit den Händen machen und am Ende des Tages auch etwas vorzeigen können.

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Peter Aumeier ist Redakteur im ZDF-Landesstudio Bayern.

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Über dieses Thema berichtete die ZDFheute in dem Beitrag "Zu wenig Frauen in handwerklichen Berufen" am 04.03.2026 um 11:56 Uhr.

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