Bezahlung im Job:Ist mein Gehalt gerecht? So finden Sie's heraus
von Svetlana Leitz
Was Beschäftigte an Gehalt bekommen, ist unterschiedlich. Gerade Frauen sollten regelmäßig hinterfragen, ob im Job Leistung und Gehalt zusammenpassen. Wie das gelingen kann.
Der Equal Pay Day am 27. Februar 2026 macht auf den unbereinigten Gender Pay Gap von 16 Prozent aufmerksam. Rein rechnerisch arbeiten Frauen seit Jahresbeginn umsonst.
27.02.2026 | 1:06 minIm Jahr 2025 verdienten Frauen in Deutschland durchschnittlich 16 Prozent weniger pro Tag als Männer. Darauf will der Equal Pay Day - ein symbolischer Aktionstag - aufmerksam machen: Bis zum 27. Februar arbeiten Frauen 2026 rein rechnerisch umsonst. Männer hingegen verdienen bereits seit Jahresbeginn Geld.
Mit dem Equal Pay Day wird in zahlreichen Ländern auf die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen aufmerksam gemacht. In Deutschland fällt der Aktionstag in diesem Jahr auf den 27. Februar. 2015 war Equal Pay Day am 20. März, 2025 am 7. März. Das Datum markiert nach Angaben der Initiatoren den Tag im Jahr, bis zu dem Frauen statistisch gesehen umsonst arbeiten - wenn man den Durchschnittsverdienst der Männer zugrunde legt. In Deutschland fand der erste Equal Pay Day 2008 statt.
Ein geeigneter Zeitpunkt, das eigene Gehalt zu hinterfragen, um nicht benachteiligt zu werden. Zwei Schritte, die dabei helfen können.
Schritt 1: Herausfinden, welches Gehalt angemessen ist
Zuerst gilt es, sich einen Überblick zu verschaffen, was in welchen Branchen gezahlt wird. Das geht am besten online: "Hilfreich sind Gehaltsvergleichsplattformen", sagt Sophie Creitz, Expertin für private Finanzen beim Geldratgeber Finanztip. "Über die kann man grob herausfinden, ob das eigene Gehalt branchenüblich ist."
Creitz weist auf Unterschiede zwischen Gehaltsvergleichsplattformen hin. Einige seien davon abhängig, dass Mitarbeiter private Angaben über ihr Gehalt gemacht haben. Diese böten dann aber den Vorteil, dass Unternehmens-genau gesucht werden könne.
Als weiteres Tool empfiehlt Creitz den kostenlosen Gehaltsrechner des Statistischen Bundesamts. Um den durchschnittlichen Bruttomonatslohn der betreffenden Branche zu erfahren, muss man lediglich ein paar allgemeine Angaben machen: etwa Beruf, Standort und Abschluss. Als Ergebnis gibt es zwei Gehälter je nach Geschlecht. Der Rechner zeigt also auf, wie groß im eigenen Bereich die Lohnlücke ist.
"Allerdings ist das individuelle Gehalt von vielen weiteren Faktoren abhängig", sagt Finanzexpertin Creitz: unter anderem Größe und Budget des Unternehmens, Verantwortungsbereiche, bisheriges Gehalt und Arbeitserfahrung. Hier helfen persönliche Gespräche mit Bekannten aus dem Unternehmen oder in ähnlichen Jobs.
Wichtig zu wissen: Verbieten darf der Arbeitgeber nicht, dass sich Mitarbeitende über ihr Gehalt austauschen. "Viele denken, dass sie nicht über ihr Gehalt sprechen dürfen", sagt Creitz.
Verschwiegenheitsklauseln im Arbeitsvertrag sind aber nicht rechtsgültig.
Sophie Creitz, Expertin für private Finanzen bei Finanztip
Es könne helfen, darauf nochmal im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen hinzuweisen.
Männer verdienen in fast allen EU-Ländern mehr als Frauen. Welches Land die Ausnahme bildet und wie Deutschland abschneidet.
27.02.2026 | 0:37 minTraditionell ist das Thema Gehalt in Deutschland ein unangenehmes. Die Finanzexpertin schlägt deshalb vor, über eine Frage nach Rat ins Gespräch zu kommen. Zum Beispiel: "Ich bin mir unsicher, ob ich 40.000 Euro verlangen kann. Wie würdest du das einschätzen?". Oder, falls man nicht nach genauen Summen fragen möchte, um eine Gehaltsspanne zu bitten.
Das Entgelttransparenzgesetz soll dafür sorgen, dass Menschen nicht direkt oder indirekt aufgrund ihres Geschlechts beim Gehalt benachteiligt werden. In Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten haben Angestellte einen Anspruch zu erfahren, nach welchen Kriterien ihr Gehalt ermittelt wird. Sie können auch Auskunft über das durchschnittliche Bruttoentgelt von Beschäftigen des anderen Geschlechts verlangen - vorausgesetzt mindestens sechs Beschäftigte haben vergleichbare Aufgaben.
Bis spätestens 7. Juni 2026 soll das Gesetz aufgrund einer EU-Richtlinie noch einmal verschärft werden. Unter anderem müssen Arbeitgeber dann schon vor dem Vorstellungsgespräch über Einstiegsgehalt oder Gehaltsspanne informieren und das Auskunftsrecht soll für alle Arbeitnehmer gelten.
Schritt 2: Vorbereiten auf die Gehaltsverhandlung
Mit einem konkreten Plan lässt sich das Gehaltsgespräch strukturierter und entspannter führen. "Am besten überlegt man sich genau, wie viel mehr man verdienen möchte und was realistisch ist", sagt Sophie Creitz. Beschäftigte sollten neben dem Gehalt alternative Leistungen mitdenken: zum Beispiel die Höhe der betrieblichen Altersvorsorge, Jobticket, mehr Urlaubstage oder einen Bonus.
Im Gespräch sei es dann wichtig, den eigenen Nutzen für die Firma zu betonen. Dabei helfe es, einmal alles aufzuschreiben: Entwicklung von Aufgaben und Verantwortung, besondere Leistungen und Kenntnisse sowie gutes Feedback.
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07.03.2025 | 1:30 minSollte bei Gesprächen mit Kollegen im Vorfeld herauskommen, dass andere bei gleichen Aufgaben mehr Gehalt bekommen, empfiehlt die Expertin, das unbedingt anzusprechen.
Wichtig: 'Besser verhandelt' ist kein zulässiges Argument des Arbeitgebers.
Sophie Creitz, Expertin für private Finanzen bei Finanztip
Und am Ende des Gesprächs? Dürfen Beschäftigte laut Creitz um Zeit bitten, noch einmal alles durchzugehen und bei Bedarf Gegenvorschläge zu machen. So könne man noch einmal in Ruhe nachdenken, bevor man ein Angebot annimmt oder ablehnt.
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