So leer wie seit langem nicht:Gasspeicher-Füllstände: Wird heizen im Winter teurer?
von Mischa Ehrhardt
Die Gasspeicher sind so leer wie lange nicht vor einem Winter. Was das für die Gaspreise heißt - und ob nun ein kalter und teurer Winter droht oder nicht.
"Die Gasspeicher müssten tatsächlich eigentlich voller sein", sagt SPD-Politikerin Nina Scheer. Für den Winter rechnet sie jedoch mit ausreichend Gas und fordert langfristig mehr erneuerbare Energien.
12.10.2026 | 5:43 minDie deutschen Gasspeicher sind so leer wie seit Jahren nicht vor einem Winter. Laut Bundesnetzagentur waren die Speicher zu knapp 62 Prozent befüllt (Stand: Ende Oktober 2026). Das ist niedriger als in Vergleichszeiträumen und auch unterhalb der gesetzlichen Vorgabe. Die sieht zum Stichtag 1. November vor, dass die Speicher zu 80 Prozent gefüllt sein sollten, in wenigen Ausnahmefällen reichen 45 Prozent.
Droht Deutschland im Winter ein Gasmangel?
Die Bundesnetzagentur sieht die Gasversorgung als stabil an. Es sei für die sichere Gasversorgung nicht zwingend, die Füllstandsziele im November zu erreichen. Entscheidend sei ein Zusammenspiel von Pipeline-Importen, Speichern, LNG-Importen, Infrastruktur und Nachfrage. Auch Hendrik Diers vom Energiewissenschaftlichen Institut an der Universität zu Köln sieht kein Problem.
Wichtiger wäre, den europäischen Wert zu betrachten. Denn wir sind Teil des europäischen Gasmarktes - und da liegen die Füllstände der Speicher bei 75 Prozent.
Hendrik Diers, Energiewissenschaftliches Institut an der Universität zu Köln
Die deutschen Gasspeicher sind zu rund 57 Prozent gefüllt - deutlich weniger als die 76 Prozent vor einem Jahr. Wie gut ist Deutschland auf den Winter vorbereitet?
22.09.2026 | 1:39 minDenn: Gerät ein EU-Land in Gasnot, gilt das Solidaritätsprinzip. Nachbarländer müssen Gas zu fairen Bedingungen teilen. Hinzu käme: Deutschland könne auch über LNG-Terminals im Winter Flüssigerdgas importieren und damit die Versorgung sichern.
Allerdings heben Experten und Verbände der Gaswirtschaft hervor, dass sich die Speicher im Fall eines sehr kalten Winters vollständig leeren könnten. Timm Kehler ist Vorstand des Verbandes "Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft". Er teilt auf Anfrage von ZDFheute mit: "Geringe Füllstände zum Ende des Winters bedeuten weniger Puffer bei Kälteperioden und können damit auf den Spotmärkten Preisspitzen auslösen."
Wirtschaftsministerin Reiche will die Bedingungen von Ölraffinerien in Deutschland verbessern. Für die Raffinerie in Schwedt verlängerte der Bund die Beschäftigungsgarantie.
11.05.2026 | 2:46 minWie haben sich die Gaspreise entwickelt?
Nach dem Angriff der USA und Israel auf Iran sind die weltweiten Energie- und Gaspreise sprunghaft angestiegen. Das liegt zum einen daran, dass durch Gegenschläge Irans Gasanlagen in Katar schwer beschädigt worden sind, zum anderen an der Blockade der Straße von Hormus. Durch sie fließen normalerweise rund 20 Prozent des weltweiten Flüssigerdgashandels. Lag der Preis für europäische Importe vor dem Krieg bei zwischen 28 und 32 Euro pro Megawattstunde, hat er sich bis heute verdreifacht.
Muss Gas teurer nachgekauft werden?
Sollte Deutschland im Fall eines kalten Winters gezwungen sein, Gas an den Spotmärkten nachzukaufen, könnte das teuer werden. Der Spotmarkt ist der Markt für schnelle Lieferungen, dafür aber zu tagesaktuellen Preisen. Nur ist das Flüssigerdgasangebot dort durch die Blockade der Straße von Hormus verknappt und deswegen teuer.
Nach dem Temperatursturz schalten die ersten die Heizung ein. Wer keine Wärmepumpe hat muss für Heizöl und Gas teuer bezahlen. Da wird so mancher Verbraucher kreativ - Stichwort Motorsägenkurs.
10.10.2026 | 4:07 minAuch asiatische Länder wie Südkorea und China stocken ihre Vorräte auf, was zu hoher Nachfrage und entsprechenden Preisen führt. "Der globale Gasmarkt funktioniert, trotz der Ausfälle aus der Golfregion", sagt Kehler. "Gas ist verfügbar, wenn auch zu höheren Preisen."
Wird Gas für Verbraucher teurer?
Es ist davon auszugehen, dass die Gasversorgung für Verbraucher teurer wird. "Wir haben keine Versorgungskrise. Wir haben eine Preiskrise", bringt das Energieexperte Hendrik Diers von der Universität Köln auf den Punkt.
Bestandskunden mit bestehenden Verträgen sind geschützt. Aber bei Vertragsverlängerungen oder Neuverträgen werden höhere Kosten auf die Kundinnen und Kunden zukommen.
Hendrik Diers, Energiewissenschaftliches Institut an der Universität zu Köln
Was kostet Heizen im Winter? Ein Blick auf Gas, Heizöl und Strom, zeigt, was Mieter und Hauseigentümer erwartet und wie sich die Energiepreise entwickeln könnten.
05.10.2026 | 4:19 minAllerdings: Ein bestehender Vertrag allein schützt nicht vor Preiserhöhungen. Entscheidend sind volle Preisgarantie und andere Vertragsbedingungen.
Wo Verträge auslaufen, werden Versorger die hohen Einkaufspreise für Gas möglicherweise an den Endkunden weitergeben. Laut Vergleichsportal Verivox liegt der Preis für Gas bei Neuverträgen aktuell bei 14 Cent pro Kilowattstunde. Vor dem Irankrieg lagen diese Preise zwischen acht und zehn Cent.
Was Gaskosten für Endkunden ebenfalls verteuert, ist die Tatsache, dass tendenziell weniger Verbraucher mit Gas heizen. Damit verteilen sich die Kosten für den Betrieb des Gasnetzes auf weniger Schultern. Schließlich macht auch die schrittweise steigende CO2-Abgabe das Heizen mit Erdgas teurer.
Mehr zum Thema Gasversorgung und Heizkosten
- Grafiken
Gasspeicher und Gasverbrauch:Wie es um unsere Gasversorgung steht
von H. Koberstein, R. Meyer, N. Niedermeier, M. Zajonzmit Video5:43 Laut Angaben aus Russland:Trotz EU-Sanktionen: Moskau liefert Energie in Milliardenhöhe
mit Video2:56Reicht uns das Gas im Winter?:So groß ist das Risiko für einen Gas-Engpass
von Theresa Freundmit Video2:29Vor allem Heizöl und Holzpellets teurer:Haushalte müssen mit deutlich höheren Heizkosten rechnen
mit Video0:18