Füllstände "historisch niedrig":Leere Gasspeicher im Februar? Verband warnt
Deutschlands Gasspeicher sind nur zu gut 54 Prozent gefüllt - der Verband Ines schlägt Alarm. Die Regierung lehnt staatliche Eingriffe ab. Gashändler könnten die Lage ausnutzen.
Der Verband Ines warnt davor, dass die Gasspeicher bei einem kalten Winter Anfang Februar leer werden könnten.
Quelle: Ingo Wagner/picture alliance/dpa/ArchivbildDeutschlands Gasspeicher sind bisher nur mäßig gefüllt: Mit rund 53 Prozent seien sie mit einem "historisch niedrigen Füllstand" Anfang September in die letzten beiden Monate der Befüllungsphase gestartet, erklärte der zuständige Interessenverband Initiative Energien Speichern (Ines). So wenig gefüllt seien sie zu diesem Zeitpunkt noch nie gewesen seit den Aufzeichnungen vor 15 Jahren.
Anfang September 2025 lag der durchschnittliche Füllstand bei 71 Prozent. Aktuell sind die Anlagen zu gut 54,5 Prozent gefüllt. Das könnte zur Folge haben, dass die Speicher Anfang Februar 2027 vollständig leer sind, sollte der Winter sehr kalt werden. Das geht aus einem Papier des Verbands Ines hervor, das mehrere Szenarien durchrechnet. Ausgangspunkt der Schätzung ist, dass der Füllstand am 1. November bei 77 Prozent liegen wird - mehr sei technisch auch gar nicht mehr möglich.
Die Bundesnetzagentur forderte Händler bereits im August auf, die Gasspeicher in Deutschland rasch aufzufüllen.
21.08.2026 | 2:54 minDie Gasspeicher sollen am Dienstagabend auch bei einer Sondersitzung im Wirtschafts- und Energieausschuss des Bundestages Thema sein.
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Energieversorgung: Bei warmem Winter reicht das Gas
Sollte der Winter warm oder normal kalt werden, so reicht das gespeicherte Gas den Modellrechnungen zufolge locker aus. Im Falle eines sehr kalten Winters - also so kalt wie 2010 - würden die Speicherbestände aber nicht reichen, warnt Ines.
LNG als teure Zukauf-Option
Allerdings: Die Gasspeicher sind nur ein Standbein für die Energieversorgung. Über Flüssigerdgas-Terminals (LNG), die als Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine installiert wurden, können recht zügig Extra-Kapazitäten vom Weltmarkt beschafft werden. Außerdem bekommt Deutschland Gas über Pipelines, etwa aus Norwegen. Ein späterer Zukauf wäre aber teuer.
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Wegen der hohen Preise am Weltmarkt infolge des Iran-Kriegs und der Sperrung der Straße von Hormus lohnen sich Import und Speicherung von Erdgas derzeit kaum: Die Gaspreise sind selbst im Sommer so hoch, dass sich das alte Gasspeicher-Geschäftsmodell - im Sommer billig kaufen und im Winter teuer verkaufen - nicht mehr rentiert.
Bundesregierung: Keine Anzeichen für Gasmangel-Lage
Das Bundeswirtschaftsministerium hingegen sieht keine Anzeichen für eine Gasmangel-Lage, insbesondere weil Deutschland, anders als in der Energiekrise 2022, inzwischen über eigene LNG-Importterminals verfügt, um laufend mehr Gas zu importieren. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnt ein staatliches Eingreifen ab.
Die Spritpreise liegen wieder über der Zwei-Euro-Marke - ausgerechnet zur Reisezeit. Was hinter dem Anstieg steckt und welche Faktoren die Preise nach oben treiben.
01.08.2026 | 0:34 minDie Bundesnetzagentur verweist auf die Gashändler. "Sie haben Lieferverpflichtungen gegenüber Stadtwerken, Versorgern, Industrie und anderen Kunden und müssen sich ausreichend absichern." Die Gasversorgung sei stabil und die Versorgungssicherheit aktuell gewährleistet.
Die maximale Füllmenge der Speicher stellt nur die Gasmenge dar, die gesichert zur Verfügung steht. "Gasspeicher sind nicht mit einem Tank vergleichbar, der voll oder leer sein kann", erklärt Sebastian Bleschke, Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern (Ines). Vielmehr hänge die Befüllmöglichkeit von verschiedenen Einflussfaktoren, wie etwa der Temperatur, dem Brennwert oder auch vom Druck des vorgelagerten Gasnetzes ab. "Unter optimalen Bedingungen kann es durchaus sein, dass Gasspeicher einen Füllstand von mehr als 100 Prozent erreichen."
Bereits jetzt gebe es Speicher, deren aktuelle Füllmenge das ausgewiesene Arbeitsgasvolumen übersteige. Sie seien damit zu über 100 Prozent gefüllt. Die GIE-Transparenzplattform AGSI - von der auch ZDFheute ihre Daten bezieht - weise in diesen Fällen aber trotzdem nur einen Füllstand von 100 Prozent auf.
Gasversorgung: Staatliches Eingreifen möglich
Ein staatliches Eingreifen ist grundsätzlich möglich, um die Gasversorgung Deutschlands zu sichern. Die Vorgaben für Gasspeicher besagen, dass die meisten Speicher bis zum 1. November zu mindestens 80 Prozent gefüllt sein müssen.
Werden die Ziele nicht erreicht, kann der Staat die Befüllung beauftragen. Gasverkäufer könnten genau darauf spekulieren, denn der Staat würde dann wohl zu jedem Preis einkaufen.
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