Neuer Inflationsschock durch Iran-Krieg:Muss die EZB die Zinsen erhöhen?
von Klaus Weber
Die massiv gestiegenen Ölpreise führen zu Nervosität bei der Europäischen Zentralbank. Man will den richtigen Zeitpunkt zum Eingreifen auf gar keinen Fall verpassen.
Ein längerer Iran-Krieg könnte auch Deutschlands Wirtschaft treffen. Fachleute warnen vor schwächerem Wachstum und steigender Inflation. ZDF-Börsenexpertin Sina Mainitz berichtet.
13.03.2026 | 1:07 minRückblende: Vor vier Jahren marschierte Russland in die Ukraine ein. Die Rohstoffpreise schossen in die Höhe. Zuvor schon hatte die Corona-Pandemie zu Lieferengpässen und steigenden Preisen bei vielen Produkten geführt. Dieser negative Doppelschlag für die Wirtschaft führte zum größten Inflationsschock seit den 1970er Jahren. Zeitweise lag die Teuerung bei über zehn Prozent.
EZB verpasste 2022 rechtzeitige Zinserhöhung
Klassischerweise bekämpft man Inflation mit höheren Zinsen. Doch die Europäische Zentralbank (EZB) - eigentlich für die Stabilität der Preise zuständig - reagierte mit einer Politik der ruhigen Hand. Unterschätzte die Wucht der Inflation. Viele werfen ihr bis heute vor, die Zinsen zu spät erhöht zu haben.
Die von der Koalition eingesetzte Taskforce zu den gestiegenen Spritpreisen hat nur eine beratende Rolle, berichtet ZDF-Korrespondentin Henriette de Maizière. Konkrete Beschlüsse gebe es nicht.
16.03.2026 | 1:08 min"Damals argumentierte die EZB, dass die Inflation nur vorübergehend wäre", meint beispielsweise der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater. "Damit hatte sie am Ende sogar Recht, nur war die Welle deutlich höher als erwartet." Der Marktanalyst Maximilian Wienke formuliert es noch schärfer:
Die EZB hat im Jahr 2022 durch ihre späte Reaktion viel Vertrauen verspielt.
Maximilian Wienke, Marktanalyst bei e Toro
Ökonomen warnen vor hohen Preisen
In diesen Tagen und Wochen fühlt sich die Ausgangslage ein bisschen wie damals an. Die Energiepreise schießen wegen des Kriegs mit Iran nach oben und die Ökonomen überbieten sich mit Warnungen vor empfindlich hohen Inflationsraten in den kommenden Monaten.
Seit Beginn des Iran-Kriegs ist der Ölpreis kräftig angestiegen. Was bedeutet das für die Inflation? WISO - Wirtschaft erklärt mit ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller.
13.03.2026 | 8:51 minAuch wegen der Versäumnisse aus 2022 steht die Europäische Zentralbank nun unter besonderer Beobachtung. Die Erwartungshaltung gegenüber der kommenden Ratssitzung an diesem Donnerstag ist entsprechend hoch. "Die EZB kann den Druck nicht leugnen und die Sitzung am Donnerstag wird sicherlich zu einem gewissen rhetorischen Drahtseilakt werden", glaubt auch Analyst Jochen Stanzl.
Ich erwarte, dass Christine Lagarde ihre Meinung, die Geldpolitik sei 'gut positioniert' gegen eine weitaus vorsichtigere Haltung tauschen wird.
Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst Consorsbank
Wahrscheinlich wird man erklären, dass man die Inflation sehr streng beobachtet. Möglicherweise wird auch eine Zinserhöhung in diesem Jahr nicht mehr ausgeschlossen. Mehr als eine solche rhetorische Anpassung von EZB-Chefin Christine Lagarde auf ihrer Pressekonferenz erwartet Stanzl aber nicht.
Durch eine Blockade der Straße von Hormus steigen weltweit die Ölpreise. Obwohl Deutschland einen Großteil seines LNG aus den USA bezieht, steigen wegen des verwobenen Gas-Weltmarkts auch hierzulande die Preise.
16.03.2026 | 2:32 minKritisch, wenn Unternehmen wegen Energiekrise Preise erhöhen
Auch an den Terminmärkten, an denen sozusagen die Zukunft gehandelt wird, sieht man nur eine Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent für eine EZB-Zinserhöhung in dieser Woche. "Entscheidend ist vor allem, ob sich aus dem Ölpreisanstieg eine länger anhaltende Energiekrise entwickelt", sagt Markanalyst Wienke. Ein kurzfristiger Angebotsschock wäre ihm zufolge noch verkraftbar.
Wirklich kritisch wird es, wenn sich Zweitrundeneffekte durchsetzen und die Kerninflation nachhaltig nach oben treiben.
Maximilian Wienke, Marktanalyst bei e Toro
Solche Zweitrundeneffekte kämen zustande, wenn die Unternehmen wegen der stark gestiegenen Öl- und Gaspreise die Preise für Verbraucher erhöhen würden.
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09.03.2026 | 27:33 minBisher kein Anstieg der Preise auf breiter Front
Noch gibt es diese Effekte nicht, bislang steigen die Preise nicht auf breiter Front, sondern vor allem an der Zapfsäule. Ulrich Kater warnt deshalb: "Eine zu frühe Zinserhöhung würde zusätzlich zu Preissteigerungen noch die Wirtschaftslage verschlechtern, die Arbeitslosigkeit steigern und die Aktienkurse senken." Ein Szenario, das man in den Türmen im Frankfurter Osten auf keinen Fall auslösen möchte.
Dies wäre auch deshalb fatal, weil gerade jetzt die größte EU-Volkswirtschaft Deutschland konjunkturell ein wenig Tritt gefasst hat. Kommt man mit einem Zinsschritt aber wieder zu spät, hat man das Problem, dass die Inflation weiter wuchert und das Vertrauen gänzlich verspielt ist. Nicht nur deswegen hofft man bei der EZB wahrscheinlich, dass der Konflikt mit Iran schnell beendet wird. Dann käme man wahrscheinlich ganz um eine Zinssenkung herum.
Klaus Weber ist Redakteur beim ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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