Iran-Krieg und Folgen auf Aktienmarkt:ETFs in Krisenzeiten: Halten oder verkaufen?
von Sina Mainitz
Seit etwa einer Woche beschäftigt die Welt ein neuer Krieg. Der Angriff Israels und der USA auf Iran wirkt sich auch auf den Aktienmarkt aus. Wie Anleger jetzt handeln sollten.
Die Eskalation des Iran-Konflikts sorgt nicht nur politisch für Verunsicherung, auch in der Wirtschafts- und Finanzwelt herrscht Aufregung.
02.03.2026 | 9:14 minEine alte Börsenweisheit besagt: "Politische Börsen haben kurze Beine" - will heißen, dass solche Ereignisse langfristig keinen Einfluss auf den Aktienmarkt haben. Dennoch verkauften Anleger seit Beginn des Iran-Kriegs schlagartig Aktien und flohen in den vermeintlich sicheren Hafen Gold. Der Goldpreis stieg einmal mehr.
Geopolitische Spannungen lösen bei vielen Menschen Angst aus und die Frage, ob sie sich vielleicht auch von ihren ETFs, also langfristigen Fondssparplänen, trennen sollten. Doch die Akteure an der Frankfurter Wertpapierbörse raten dringend davon ab. Jan Duisberg, Wertpapierspezialist bei ODDO BHF, sagt:
Kurzfristige Versuche, einen geopolitischen Event zu timen, bedeuten meistens mehr Stress als Erfolg.
Jan Duisberg, ODDO BHF
Bei einer langfristigen Anlagestrategie in ETF gehe man davon aus, dass man den Durchschnittseffekt nutzt, führt Jan Duisberg aus. Kurzzeitiges Timing im Rahmen einer solchen Strategie sei meistens kontraproduktiv.
Krisenzeiten: Wie man bei Aktien vorgehen sollte
Also, nur nicht hektisch werden und sich vorschnell mit Verlust von seinen Wertpapieren trennen, lautet Duisbergs Devise. Blickt man auf den Bitcoin, sollte man wohl auch besser Ruhe bewahren. Der Kurs der Kryptowährung sackte nach den Nachrichten über Angriffe sofort um rund drei Prozent auf knapp über 63.000 Dollar ab, konnte sich später aber wieder erholen. Für Börsenprofis ein klarer Fall für die Unberechenbarkeit des Kryptomarktes. In Stressmomenten dominiert wohl die Flucht in die Liquidität und in Sachwerte.
Die Eskalation des Iran-Kriegs wirkt sich auch auf die Finanz- und Energiemärkte aus. Iran schränkt den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ein, einer der wichtigsten Handelsrouten.
02.03.2026 | 2:23 minFür Aktien gilt der Rat, sie am besten unters Kopfkissen zu legen, darüber zu schlafen und am besten erstmal nicht mehr darüber nachzudenken. Als Sinnbild steht es dafür, Aktien zu kaufen, liegen zu lassen und sich langfristig nicht von kurzfristigen Kursschwankungen beirren zu lassen. Das gilt für einzelne Aktien ebenso wie für Fonds. Hält man sie etwa zehn Jahre oder länger, um fürs Alter vorzusorgen, verringert man die Gefahr von Verlusten. Perspektivisch erholen sich die Märkte meist von kurzzeitigen Schwankungen. Von Panikverkäufen raten eingefleischte Börsenprofis ab.
ETFs: Welche bieten sich an?
Ökonomin Edda Vogt von der Deutschen Börse AG sagt: "Man sollte sich bei jedem Investment an der Börse immer die Frage stellen: Welchen Zeithorizont habe ich? Langfristig gesehen sollte man jetzt keinen ETF verkaufen." Gerade in solchen Marktphasen zeige sich, wie gut die eigene Diversifikation sei.
Aber jetzt nicht hektisch werden, sondern wenn sich die Lage wieder beruhigt hat, überlegen, ob man es nicht besser verteilen kann.
Edda Vogt, Ökonomin der Deutschen Börse AG
Am Aktienmarkt sollte man möglichst viele Standbeine haben. Auf die Diversifikation kommt es an. Das heißt also, je breiter mein ETF aufgestellt ist und je mehr Branchen und Länder er abbildet, desto besser. Nur so können einzelne Schwachpunkte im Depot ausgeglichen werden.
Die Finanzmärkte reagieren empfindlich auf den Anstieg des Ölpreises. Noch gebe es aber keinen Ölpreis-Schock, so ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller.
03.03.2026 | 1:50 minErfahrungen vorheriger Kriegszeiten: Geopolitische Beruhigung abwarten
Blickt man auf die Geschichte, zeigt sich ein häufig wiederkehrendes Muster: Nach einem Kriegsausbruch folgt ein schneller und drastischer Ausverkauf an den Aktienmärkten von fünf bis zehn Prozent. Dicht gefolgt von einer raschen Erholung, sobald die Ziele des Krieges und das damit verbundene geopolitische Ausmaß deutlicher werden. Blickt man auf die Golfkriege in den 1980er und 1990er Jahren, die Irak-Invasion 2003 oder den russischen Angriff auf die Ukraine 2022, zeigt sich: Zahlreiche militärische Operationen der vergangenen Jahrzehnte haben an der Börse in der New Yorker Wall Street genau dieses V-förmige Muster mit Absturz und Aufschwung hinterlassen.
Wichtig ist: Die V-förmige Kurve bildet sich nur dann ab, wenn der Militäreinsatz regional begrenzt bleibt. Sobald Großmächte mit in den Konflikt hineingezogen werden und sich das Ganze zu einem weltweiten Flächenbrand ausweitet, kann es an den weltweiten Börsen längerfristig bergab gehen. Dann wächst sich das Ganze womöglich zu einer Krise an den Weltmärkten aus.
Die Angriffe im Iran wirken sich auf die Benzinpreise in Deutschland aus. Durch die Kontrolle der Straße von Hormus steigen die Kosten für Öl. Ölkonzerne schlagen bereits jetzt höhere Preise auf.
05.03.2026 | 1:32 minAns eigene Depot sollte man erst dann wieder denken, wenn sich die geopolitische Lage etwas beruhigt hat. Dazu sagt Wertpapierspezialist Jan Duisberg: "Es ist sinnvoll, zwei bis drei Mal jährlich in sein Depot reinzuschauen und bei Positionen, die signifikante Kursgewinne aufweisen, zum Beispiel 20 bis 30 Prozent in sechs Monaten, auch mal Teilgewinne mitzunehmen."
Ökonomin: "Angst ist ein schlechter Ratgeber"
Wenn Anleger breit aufgestellt sind und über Indizes wie MSCI World oder FTSE All-World investiert und diversifiziert sind, können Kursverluste zumindest zum Teil abgefedert werden. Dennoch sollte man seine Depotstruktur regelmäßig überprüfen: Fehlen solide Dax-Unternehmen, Gold-, Technik- oder Energiewerte vollständig, ist das Portfolio anfällig.
In der derzeitigen Lage einen kühlen Kopf zu bewahren, ist vielleicht der beste Tipp. Edda Vogt von der Deutschen Börse gibt noch mit auf den Weg: "Angst ist ein schlechter Ratgeber. Den richtigen Zeitpunkt auszuwählen, gelingt den wenigsten."
ETFs galten lange als eine attraktive Anlageform. Seit 25 Jahren können mit ihnen in Deutschland Anleger ein Vermögen aufbauen. Doch die rosigen Zeiten sind offenbar vorbei.
11.04.2025 | 1:36 minFolgen des Iran-Kriegs:Wirtschaftsweise Grimm warnt vor "Energieschock"
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