Aldi, Rewe und Co.:Warum Eigenmarken für den Handel so wichtig sind
von Jessica Szczakiel
Ob Gut & Günstig, ja! oder Herzstücke: Eigenmarken sind aus deutschen Supermarktregalen nicht mehr wegzudenken. Für Aldi, Rewe und Co. sind sie längst zum Machtinstrument geworden.
Eigenmarken gelten als günstig. Doch oft steigen ihre Preise stärker als die von Markenprodukten. Die Doku prüft Qualität und Zutaten und zeigt, wie Aldi, Rewe & Co. mit ihnen Geld verdienen.
15.09.2026 | 44:00 minDer Wocheneinkauf tut inzwischen richtig weh: Ein Warenkorb mit Lebensmitteln, der 2020 noch 100 Euro kostete, schlägt im Juni 2026 laut Statistischem Bundesamt mit 136,70 Euro zu Buche.
Von diesem Trend profitieren vor allem die Eigenmarken der großen Handelsketten. 2021 machten sie 41 Prozent des gesamten Lebensmittelumsatzes in Deutschland aus, 2025 sind es bereits 47 Prozent.
Bei Aldi liegt der Eigenmarkenanteil im Sortiment inzwischen bei fast 90 Prozent, bei Lidl bei rund 75 Prozent. Rewe und Edeka folgen mit rund 30 beziehungsweise 20 Prozent.
Rewe, Edeka und Co. machen Milliardenumsätze. Markenkonzerne wie Coca-Cola satte Gewinne. Wer verdient an teuren Lebensmitteln? Und: Wie können Verbraucher noch sparen?
15.07.2025 | 43:45 minWenn die Eigenmarke stärker im Preis steigt als die Marke
Eigentlich gelten Eigenmarken als die günstige Alternative. Doch die Recherche zur ZDF-Doku "Aldi, Rewe & Co. - Wer verdient an Eigenmarken?" zeigt: Bei vielen Produkten sind ihre Preise zuletzt deutlich stärker gestiegen als die der klassischen Marke.
Kaffee einer günstigen Eigenmarke etwa verteuerte sich seit Januar 2022 um rund 84 Prozent, Markenkaffee von Dallmayr dagegen um etwa 40 Prozent. Bei Frischkäse liegt die Differenz bei 79 zu 36 Prozent, bei Salzstangen sogar bei 77 zu 28 Prozent.
Hier nutzt man genau dieses Erlernte: Eigenmarke wird schon das Billigste sein.
Arnd Zschiesche, Markensoziologe
Vier Konzerne, ein Großteil des Marktes
Die Macht im deutschen Lebensmittelhandel konzentriert sich auf wenige Konzerne. Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe (Lidl/Kaufland) und Aldi erzielten 2023 zusammen rund 87 Prozent des gesamten Umsatzes im deutschen Lebensmitteleinzelhandel.
Wenn wir vier Unternehmen in Deutschland haben, dann bestimmen die auch immer mehr über Preise - vor allem für die Landwirtschaft und am Ende auch für Verbraucher*innen.
Laura Knauf, Foodwatch
Wie groß diese Macht sein kann, zeigt der Fall des Imkers Marco Kaluscha aus Schleswig-Holstein. Sein Honig ist zwar bei Edeka gelistet, muss sich dort aber gegen deutlich günstigeren Honig aus dem Ausland behaupten - teils für 2,69 Euro pro 500 Gramm, während er selbst kaum unter acht Euro anbieten kann.
Gleiche Fabrik, anderer Name?
Auf vielen Eigenmarken-Verpackungen ist gar nicht klar erkennbar, wer das Produkt tatsächlich herstellt. Verpflichtend ist laut Gesetz nur die Angabe des verantwortlichen Unternehmens, nicht zwingend des Produzenten.
So stehen in einem riesigen Süßwarenregal zwei fast identische Tüten nebeneinander: einmal Katjes, einmal die Aldi-Eigenmarke. Die Zutatenliste ist bei beiden nahezu deckungsgleich - Zucker, Glukosesirup, Maltodextrin, sechs Prozent Magermilchjoghurtpulver, in exakt derselben Reihenfolge. Ein Blick ins Handelsregister bestätigt: Hinter der Katjes Fassin und der Smile Factory, die die Aldi-Eigenmarke herstellt, steckt am Ende dieselbe Gesellschafterin.
Kein Einzelfall, wie die Doku zeigt: Eigenmarke und Markenprodukt kommen erstaunlich oft aus demselben Unternehmen. Nur weiß das kaum jemand beim Griff ins Regal.
Sehen Sie die Doku "Aldi, Rewe & Co.: Wer verdient an Eigenmarken?" von ZDFzeit am 15.09.2026 um 20:15 Uhr im ZDF oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.
Verbraucherzentrale rät zu Blick auf die Zutatenliste
Wer Produkte vergleichen wolle, dem rät die Verbraucherzentrale zu einem genauen Blick auf die Zutatenliste. "Wir empfehlen den Verbraucherinnen und Verbrauchern, genau auf die Fakten zu achten: Gibt es einen qualitativen Unterschied? Was ist drin? Was habe ich mehr und was weniger?", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg.
Nur so kann man rational entscheiden, welches Produkt tatsächlich für mich mehr Sinn macht.
Armin Valet, Verbraucherzentrale Hamburg
Hinter den Aldi-Eigenmarken stehen oft bekannte Hersteller. Die Inhaltsstoffe sind jedoch nicht immer identisch. Sebastian Lege zeigt, wie kleine Rezeptänderungen die Produkte unterscheiden.
27.01.2026 | 44:00 minTchibo gegen Aldi vor Gericht
Auch juristisch wird um Eigenmarken gestritten. Tchibo warf Aldi Süd vor, die eigene Kaffeemarke Barissimo zeitweise unter Produktionskosten zu verkaufen: bei gleicher Füllmenge kostete Barissimo rund 45 Prozent weniger als Tchibo-Kaffee. Die Klage wurde im Februar 2026 vom Oberlandesgericht Düsseldorf abgewiesen: Weil Aldi den Kaffee selbst röstet, sei ein Verkauf ohne Marge rechtlich nicht zu beanstanden, so das Gericht.
Eigenmarken sind für den Handel zu einem der wichtigsten Machtinstrumente geworden: Sie sichern Regalfläche, Verhandlungsmacht gegenüber Markenherstellern und satte Gewinnmargen. Für Verbraucher gilt: Wer wirklich gut einkaufen will, kommt am Vergleichen von Preisen, Zutatenlisten und Herkunft nicht vorbei.
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Fränzi Meyer, Washington, D.C.mit Video1:33