Ventilatorenbauer geht an US-Firma:EBM-Papst: Wie das Unternehmen vom Verkauf profitieren kann
von Frank Bethmann
Der traditionsreiche Ventilatorenbauer EBM-Papst wird US-amerikanisch. Warum das kein Aus für das Unternehmen ist und wie der Verkauf sogar für Wachstum sorgen könnte.
EBM-Papst hat sein Unternehmen für knapp 4,8 Milliarden Euro an das US-Unternehmen Madison Air Solutions verkauft. EBM-Papst erhofft sich dadurch Wachstum seines Ventilatorengeschäfts.
21.08.2026 | 0:41 minDie Nachricht lässt aufhorchen. EBM-Papst, eines der bekanntesten deutschen Familienunternehmen, wechselt in US-amerikanische Hände. Madison Air Solutions will den Ventilatoren- und Lufttechnik-Spezialisten aus Baden-Württemberg für umgerechnet knapp 4,8 Milliarden Euro übernehmen. Der Hauptsitz soll im baden-württembergischen Mulfingen bleiben, doch den Ton geben künftig wohl die neuen Eigentümer in den USA an.
USA nach wie vor wichtiger Absatzmarkt
Dass das US-Geschäft für EBM-Papst von großer Bedeutung ist, hat das Unternehmen nie grundsätzlich in Frage gestellt. Im Gegenteil: Der Ventilatorenbauer ist dort seit Jahrzehnten aktiv. Und doch hielt man sich im vergangenen Jahr mit dem geplanten Bau eines dritten Werks in den USA zurück. Wegen der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump.
Nun soll ausgerechnet ein neuer US-Eigentümer die Mulfinger weiter nach vorne bringen. Für CEO Klaus Geißdörfer kein Widerspruch:
Die damalige Situation betraf konkrete Investitionsentscheidungen in einem volatilen politischen Umfeld.
Klaus Geißdörfer, Vorsitzender der Geschäftsleitung EBM-Papst
Die Partnerschaft mit Madison Air hingegen sei eine langfristige strategische Entscheidung, die auf den Wachstumsperspektiven der kommenden Jahrzehnte basiert, so Geißdörfer weiter.
Die deutsche Wirtschaft leidet unter steigenden US-Zöllen und Problemen in Lieferketten. Viele Mittelständler ziehen sich aus den USA zurück und investieren stärker in Deutschland.
11.03.2026 | 1:51 minBoom der Rechenzentren entscheidender Faktor
EBM-Papst ist alles andere als ein klassischer Übernahmekandidat. Wirtschaftlich läuft es sehr gut.
Im Geschäftsjahr 2025/26 wuchs das Kerngeschäft Air Technology um rund zwölf Prozent, der Konzernumsatz von EBM-Papst stieg auf 2,236 Milliarden Euro. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen ein Wachstum von mehr als zehn Prozent. Besonders dynamisch entwickelt sich das Geschäft mit Rechenzentren.
Kühlung und Lufttechnik werden mit dem raschen Ausbau von Rechenzentren und Künstlicher Intelligenz zu einem wichtigen Wachstumsmarkt. Das könnte erklären, warum Madison Air zugreift. EBM-Papst bringt Technologie, Kundenbeziehungen und eine starke Position in Europa und Asien mit. Madison Air wiederum verspricht Zugang zum großen US-Markt und zu den dortigen Kapitalmärkten. Für Konzernchef Klaus Geißdörfer ist das ein Hebel, um den Umsatz bis 2030 von heute rund 2,24 auf 3,4 Milliarden Euro zu steigern.
KI verändert Gesellschaft und Arbeitswelt. Deutsche Unternehmen hoffen, dass sie zum Wachstumstreiber wird, denn es braucht leistungsfähige und energieeffiziente Technologien "Made in Germany".
11.08.2026 | 1:58 minWachstum mit US-Konzern schneller zu erreichen
Allerdings bleibt eine kritische Frage: Warum braucht ein finanziell solides Unternehmen dafür einen neuen Eigentümer? Geißdörfers Antwort überrascht.
EBM-Papst hätte den eingeschlagenen Wachstumskurs auch eigenständig fortsetzen können.
Klaus Geißdörfer, Vorsitzender der Geschäftsleitung, EBM-Papst
Aber mit einem starken US-amerikanischen Konzern im Rücken dürfte es schneller gehen, erläutert Geißdörfer. EBM-Papst will gleichzeitig in Rechenzentren, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Produktionskapazitäten und internationale Märkte investieren. Madisons Finanzkraft dürfte dabei hilfreich sein.
Hinter jeder Pleite stehen Menschen: Beschäftigte, denen Arbeitslosigkeit droht, Unternehmer, die ihr Lebenswerk verlieren und Innenstädte, in denen weitere Geschäfte verschwinden. Woran liegt's?
03.08.2026 | 5:10 minEntscheidend ist, wo künftig investiert wird
Ein Familienunternehmen verfolgt naturgemäß einen anderen Zeithorizont als ein börsennotierter Konzern, der einen Kaufpreis von rund 5,4 Milliarden Dollar finanzieren muss. Madison Air bezahlt nicht nur für das heutige EBM-Papst, sondern auch für künftiges Wachstum. Daraus entsteht zwangsläufig Renditedruck.
Die entscheidende Frage für die Beschäftigten in Deutschland lautet deshalb nicht, ob Mulfingen zunächst Hauptsitz bleibt. Das ist vertraglich zugesagt. Entscheidend wird vielmehr sein, wo künftig investiert wird, wo neue Produkte entwickelt werden und welche Funktionen mit der Zeit in die USA wandern.
Künstliche Intelligenz soll Prozesse effizienter machen und Kosten senken. Doch laut ifo-Institut nutzen zwar rund 55 Prozent der Unternehmen KI - für viele wird sie zunehmend zum Kostenfaktor.
05.08.2026 | 2:35 minBedeutung des Firmenstandorts könnte abnehmen
Eine Standortgarantie für heute ist noch keine Garantie für die strategische Bedeutung des Standorts in zehn Jahren. Wirtschaftsforscher Jürgen Matthes vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) ist skeptisch, denn es gebe einen deutlichen Unterschied zwischen betriebswirtschaftlicher und volkswirtschaftlicher Logik.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht und aus Sicht der Eigentümer dürfte diese Übernahme sinnvoll sein. Aus volkswirtschaftlicher Sicht droht ein Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschland.
Jürgen Matthes, Wirtschaftsforscher, Institut der Deutschen Wirtschaft (IW), Köln
Bei EBM-Papst sieht man das anders. Dort setzen sie darauf, dass der neue US-Eigentümer die deutsche Erfolgsgeschichte fortschreibt - auch in Mulfingen.
Frank Bethmann ist Redakteur im Team Wirtschaft und Finanzen.
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