Arbeitgeberpräsident kritisiert Merz:1.000 Euro Bonus: Wieso Arbeitgeber Erwartungen dämpfen
Arbeitgeber-Chef Kampeter rechnet nicht damit, dass alle Unternehmen die geplante Entlastungsprämie zahlen. Die Regierung habe Erwartungen geweckt, die schwer zu erfüllen seien.
Angesichts der hohen Kraftstoffpreise will die Bundesregierung die Energiesteuer auf Diesel und Benzin senken. Für Beschäftigte soll zudem eine "Entlastungsprämie" durch die Arbeitgeber kommen.
13.04.2026 | 2:03 minDer Arbeitgeberverband BDA erwartet, dass deutlich weniger Unternehmen die geplante steuerfreie Entlastungsprämie von 1.000 Euro an ihre Beschäftigten auszahlen werden als bei einer vergleichbaren Einmalzahlung im Jahr 2022. "Es werden deutlich weniger sein", sagte BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter der "Bild"-Zeitung.
Wir haben eine Insolvenzwelle und viele Unternehmen können das einfach nicht leisten.
Steffen Kampeter, Arbeitgeber-Chef
Beispielsweise sei vor wenigen Wochen in der chemischen Industrie vereinbart worden, dass es keine Lohnanpassung in diesem Jahr geben werde. "Die werden jetzt nicht noch sagen bei den vielen 100.000 Beschäftigten, wir zahlen da einfach nochmal oben drauf. Das ist weder in der Kalkulation noch in der Gesamtdynamik des Tarifvertrages. Das ist ja der zentrale Fehler", sagte Kampeter.
Die Bundesregierung plant Entlastungen, doch die Wirtschaft bremst: Während der Tankrabatt kommt, lehnen viele Firmen die steuerfreie 1.000-Euro-Prämie ab. Die Kritik: zu teuer.
15.04.2026 | 2:43 minDie 2022 beschlossene sogenannte Inflationsausgleichsprämie hatten mehr als 80 Prozent der Tarifangestellten erhalten.
Arbeitgeberpräsident: Merz hat falsche Erwartungen geweckt
Kampeter übte scharfe Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD). Beide hätten mit der Prämie "Erwartungen geschürt und die Erfüllung dieser Erwartung bei anderen abgeladen. Das macht man nicht, das gehört sich nicht", so Kampeter.
Die Auszahlung der von der Regierung beschlossenen steuerfreien 1.000-Euro-Prämie liegt bei den Arbeitgebern, daher wird sie wohl nicht jeden erreichen. Wulf Schmiese mit einer Einordnung.
15.04.2026 | 1:30 minAnders als 2022 seien Arbeitgeber und Gewerkschaften auch nicht in die Entscheidung eingebunden gewesen.
Da kommt die Bundesregierung an und sagt, sie will eine Entlastungsoffensive machen. Das Erste, was sie vorschlägt, ist eine Belastung der Unternehmen.
Steffen Kampeter, Arbeitgeber-Chef
Die schwarz-rote Koalition hatte am Montag beschlossen, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten 2026 eine steuerfreie Entlastungsprämie von 1.000 Euro zahlen können. Zudem kündigte sie an, die Mineralölsteuer auf Benzin und Diesel für zwei Monate um 17 Cent pro Liter zu senken.
"Die Entlastung muss jetzt so schnell wie möglich kommen", denn gerade Pendler, Handwerker und Rentner seien massiv unter Kostendruck, so Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern.
15.04.2026 | 6:13 minSteuerzahlerbund kritisiert Versprechen zulasten Dritter
Kritik an der Entlastungsprämie kam auch vom Steuerzahlerbund. "Eine wirklich sachgemäße Lösung zur Entlastung wäre eine Erhöhung der Entfernungspauschale für alle, die Auto oder Bus und Bahn nutzen müssen, um zur Arbeit zu kommen", sagte der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. In Wirklichkeit sei die Prämie ein Versprechen zulasten Dritter.
Die Politik rechnet hier mit Entlastungen, die auf die Rechnung von Arbeitgebern geht.
Reiner Holznagel, Chef des Steuerzahlerbundes
Ob Betriebe, deren Umsatz wegen steigender Kosten zurückgehe, die 1.000 Euro überhaupt zahlen könnten, sei völlig offen.
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