Bis zu 1.000 Euro extra vom Chef:Wie sinnvoll ist der Krisenbonus?
von Klaus Weber
Eine Prämie vom Arbeitgeber soll helfen, die hohen Spritpreise zu puffern. Sie soll komplett frei von Steuern und Abgaben sein. Wer profitieren könnte und wie sinnvoll sie ist.
Die schwarz-rote Koalition hat ein Entlastungspaket beschlossen. Für zwei Monate soll die Mineralölsteuer auf Benzin und Diesel gesenkt werden. Außerdem soll es einen 1.000-Euro-Krisenbonus geben.
13.04.2026 | 3:15 minNoch vor ein paar Tagen kündigte Kanzler Friedrich Merz (CDU) an, dass es keine schnellen Entlastungen für die Bürger wegen der hohen Spritpreise geben würde. Jetzt ging doch alles unerwartet flott. Kern des nun beschlossenen Maßnahmenpakets von Union und SPD ist auch ein besonderer Bonus vom Arbeitgeber.
Freiwilliger Krisenbonus nach Vorbild der Inflationsprämie
Die Bundesregierung will es Firmen und Unternehmen ermöglichen, in diesem Jahr eine steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie an ihre Mitarbeiter zu zahlen. Dieser Bonus soll eine Höhe von bis zu 1.000 Euro haben. Nach allem, was bisher bekannt ist, beruht diese Zahlung auf der Freiwilligkeit der Unternehmen.
So war es auch vor vier Jahren, denn Vorbild dieses Instruments ist die Inflationsausgleichsprämie. Diese wurde von der damaligen Ampelregierung installiert, um die extrem angestiegenen Lebenshaltungskosten nach Ausbruch des Ukraine-Krieges auszugleichen. In den Jahren 2022 bis 2024 konnten die Unternehmen so einen von Steuern und Abgaben befreiten Bonus von bis zu 3.000 Euro an ihre Beschäftigten auszahlen.
Die Inflation ist wegen der hohen Ölpreise im März auf 2,7 Prozent gestiegen. Besonders die Chemiebranche ist betroffen.
30.03.2026 | 1:35 minKritik: Maßnahme ist "sozial unausgewogen"
Laut Statistischem Bundesamt bekam damals zwar der überwältigende Teil der Arbeitnehmer eine Inflationsausgleichsprämie ausgezahlt, aber der komplette Rahmen wurde dabei nicht ausgeschöpft. Von Oktober 2022 bis Dezember 2024 erhielten rechnerisch mehr als acht von zehn Tarifbeschäftigten, nämlich 86,3 Prozent, eine Zahlung. Der durchschnittliche Auszahlbetrag pro Person lag demnach bei 2.680 Euro.
Außerdem bekamen längst nicht alle Arbeitnehmer die Inflationsausgleichsprämie. Rentner, Bürgergeld-Empfänger aber auch viele Beschäftigte ohne Tarifvertrag waren damals von der Regelung ausgeschlossen. In der Gastronomie erhielten nur 11,6 Prozent der Mitarbeiter die Prämie. Hier setzt auch die Kritik des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, am neuen Instrument der Regierung an:
Sie kommt vor allem Beschäftigten in größeren und finanzstarken Unternehmen zugute, während viele andere Gruppen leer ausgehen - etwa Arbeitslose, Rentnerinnen und Rentner, Studierende oder Beschäftigte in kleinen Betrieben.
Marcel Fratzscher, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)
Mit Blick auf die hohen Kraftstoffpreise hat die Bundesregierung ein Entlastungspaket beschlossen. ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann ordnet ein, wie die Maßnahmen wirken könnten.
13.04.2026 | 1:17 minDeshalb sei die Maßnahme sozial unausgewogen und helfe den besonders belasteten Haushalten nur unzureichend. Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi befürchtet, dass viele Beschäftigte in die "Röhre gucken werden". Die geplante Prämie "von bis zu 1.000 Euro davon abhängig zu machen, ob einzelne Arbeitgeber diese gnädigerweise bezahlen oder nicht, ist eine völlig verfehlte Konstruktion", erklärte der Verdi-Vorsitzende Frank Werneke.
Finanzierung des Krisenbonus: Steuererhöhungen geplant
Die Arbeitgeber sollen die 1.000 Euro zwar direkt an ihre Beschäftigten zahlen, können sie ihrerseits wiederum als Aufwand von der Steuer absetzen. Das bedeutet: Die Maßnahme wird auch den Staat Geld kosten und muss somit gegenfinanziert werden.
Die steuerfreie Entlastungsprämie kostet den Staat schätzungsweise zwölf Milliarden Euro in Form von nicht erhobenen Steuern und Sozialabgaben.
Michael Hüther, Direktor Institut der Deutschen Wirtschaft (IW)
Zudem verlagere die Politik erhebliche Kosten auf Unternehmen, die sich ohnehin in schwieriger gesamtwirtschaftlicher Lage befänden, urteilt Wirtschaftswissenschaftler Michael Hüther weiter. Um das Loch im Staatssäckel möglichst klein zu halten, soll deshalb die Tabaksteuer bereits in diesem Jahr und damit früher als geplant erhöht werden. Ob auch eine mögliche Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne dabei helfen kann, die Ausfälle zu kompensieren, steht aktuell noch in den Sternen.
Klaus Weber ist Redakteur im Team Wirtschaft und Finanzen.
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