Krisenbonus: Wer profitieren könnte und wie sinnvoll das ist

Bis zu 1.000 Euro extra vom Chef:Wie sinnvoll ist der Krisenbonus?

Klaus Weber

von Klaus Weber

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Eine Prämie vom Arbeitgeber soll helfen, die hohen Spritpreise zu puffern. Sie soll komplett frei von Steuern und Abgaben sein. Wer profitieren könnte und wie sinnvoll sie ist.

500-Euro-Scheine stehen symbolisch für die mögliche 1000-Euro-Prämie. Doch die Zahlung ist freiwillig und nicht für alle Beschäftigten garantiert.

Steigende Preise belasten viele Haushalte. Die 1.000-Euro-Prämie soll Beschäftigte entlasten. Wer den Krisenbonus bekommt und welche Rolle die Arbeitgeber dabei spielen.

13.04.2026 | 2:37 min

Noch vor ein paar Tagen kündigte Kanzler Friedrich Merz (CDU) an, dass es keine schnellen Entlastungen für die Bürger wegen der hohen Spritpreise geben würde. Jetzt ging doch alles unerwartet flott. Kern des nun beschlossenen Maßnahmenpakets von Union und SPD ist auch ein besonderer Bonus vom Arbeitgeber.

Freiwilliger Krisenbonus nach Vorbild der Inflationsprämie

Die Bundesregierung will es Firmen und Unternehmen ermöglichen, in diesem Jahr eine steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie an ihre Mitarbeiter zu zahlen. Dieser Bonus soll eine Höhe von bis zu 1.000 Euro haben. Nach allem, was bisher bekannt ist, beruht diese Zahlung auf der Freiwilligkeit der Unternehmen.

Autos in einem Stau auf der Autobahn

Die Bundesregierung senkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um je 17 Cent – befristet auf zwei Monate. Arbeitgeber können eine steuerfreie Prämie von 1.000 Euro zahlen.

13.04.2026 | 2:42 min

So war es auch vor vier Jahren, denn Vorbild dieses Instruments ist die Inflationsausgleichsprämie. Diese wurde von der damaligen Ampelregierung installiert, um die extrem angestiegenen Lebenshaltungskosten nach Ausbruch des Ukraine-Krieges auszugleichen. In den Jahren 2022 bis 2024 konnten die Unternehmen so einen von Steuern und Abgaben befreiten Bonus von bis zu 3.000 Euro an ihre Beschäftigten auszahlen.

Kritik: Maßnahme ist "sozial unausgewogen"

Laut Statistischem Bundesamt bekam damals zwar der überwältigende Teil der Arbeitnehmer eine Inflationsausgleichsprämie ausgezahlt, aber der komplette Rahmen wurde dabei nicht ausgeschöpft. Von Oktober 2022 bis Dezember 2024 erhielten rechnerisch mehr als acht von zehn Tarifbeschäftigten, nämlich 86,3 Prozent, eine Zahlung. Der durchschnittliche Auszahlbetrag pro Person lag demnach bei 2.680 Euro.

Lars Klingbeil

Finanzminister Klingbeil (SPD) will in der aktuellen Krise die Tankpreise senken und ungerechtfertigte Gewinne der Mineralölkonzerne kartellrechtlich stärker verfolgen.

13.04.2026 | 7:09 min

Außerdem bekamen längst nicht alle Arbeitnehmer die Inflationsausgleichsprämie. Rentner, Bürgergeld-Empfänger, aber auch viele Beschäftigte ohne Tarifvertrag waren damals von der Regelung ausgeschlossen. In der Gastronomie erhielten nur 11,6 Prozent der Mitarbeiter die Prämie. Hier setzt auch die Kritik des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, am neuen Instrument der Regierung an:

Sie kommt vor allem Beschäftigten in größeren und finanzstarken Unternehmen zugute, während viele andere Gruppen leer ausgehen - etwa Arbeitslose, Rentnerinnen und Rentner, Studierende oder Beschäftigte in kleinen Betrieben.

Marcel Fratzscher, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Marcel Fratzscher per Videocall zugeschaltet.

Ökonom Fratzscher hält das Paket für einen Fehler. Es sei sozial nicht ausgewogen und setze die falschen Anreize. Die Politik sollte wissen, wie es geht, sagt er bei ZDFheute live.

13.04.2026 | 12:42 min

Deshalb sei die Maßnahme sozial unausgewogen und helfe den besonders belasteten Haushalten nur unzureichend. Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi befürchtet, dass viele Beschäftigte in die "Röhre gucken werden". Die geplante Prämie "von bis zu 1.000 Euro davon abhängig zu machen, ob einzelne Arbeitgeber diese gnädigerweise bezahlen oder nicht, ist eine völlig verfehlte Konstruktion", erklärte der Verdi-Vorsitzende Frank Werneke.

Finanzierung des Krisenbonus: Steuererhöhungen geplant

Die Arbeitgeber sollen die 1.000 Euro zwar direkt an ihre Beschäftigten zahlen, können sie ihrerseits wiederum als Aufwand von der Steuer absetzen. Das bedeutet: Die Maßnahme wird auch den Staat Geld kosten und muss somit gegenfinanziert werden.

Die steuerfreie Entlastungsprämie kostet den Staat schätzungsweise zwölf Milliarden Euro in Form von nicht erhobenen Steuern und Sozialabgaben.

Michael Hüther, Direktor Institut der Deutschen Wirtschaft (IW)

Zudem verlagere die Politik erhebliche Kosten auf Unternehmen, die sich ohnehin in schwieriger gesamtwirtschaftlicher Lage befänden, urteilt Wirtschaftswissenschaftler Michael Hüther weiter. Um das Loch im Staatssäckel möglichst klein zu halten, soll deshalb die Tabaksteuer bereits in diesem Jahr und damit früher als geplant erhöht werden. Ob auch eine mögliche Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne dabei helfen kann, die Ausfälle zu kompensieren, steht aktuell noch in den Sternen.

Klaus Weber ist Redakteur im Team Wirtschaft und Finanzen.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 13.04.2026 ab 14 Uhr.

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