Merz-Vertrauter bei "Lanz":Koch: Kanzlertausch nicht im Sinn der CDU
von Felix Rappsilber
Roland Koch hält einen Kanzlertausch für abwegig. Der Merz-Vertraute appelliert an den politischen Mut der SPD-Führung, um gegen die Wirtschaftsflaute vorzugehen.
Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 28. Mai 2026 in voller Länge.
28.05.2026 | 75:12 min"Glaubt irgendjemand, die Sozialdemokraten verändern sich bei einem anderen CDU-Vorsitzenden?" - der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch spielte einen möglichen Kanzlertausch am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" herunter. Im politischen Berlin brodelt die Gerüchteküche: Friedrich Merz soll von Hendrik Wüst als Bundeskanzler abgelöst werden.
Merz - auf dreieinhalb Jahre nicht abwählbar?
Angesichts der "extrem kritischen Situation" Deutschlands sei es normal, dass in Zeitungen über Personalwechsel geschrieben werde, so der Merz-Vertraute. Doch in der Sache sei Friedrich Merz "im Augenblick unter den europäischen Staats- und Regierungschefs der einzige, der die nächsten dreieinhalb Jahre nicht abwählbar ist":
Es müsste immer ein Schritt von ihm selbst sein. Und dass er eine Kämpfernatur hat, das hat er hinreichend bewiesen.
Roland Koch, ehemaliger hessischer Ministerpräsident
Koch sagte: "Das Problem von Friedrich Merz ist nicht Friedrich Merz, sondern das Problem ist die politische Konstellation." Wenn sich die Sozialdemokraten politisch nicht veränderten, mache ein Kanzlertausch im Interesse der CDU keinen Sinn.
Für grundlegende Reformen würden rund zwei Drittel nur geringe oder gar keine eigenen Belastungen hinnehmen. Die Zustimmung zur Arbeit der Merz-Regierung erreicht derweil einen neuen Tiefstand.
22.05.2026 | 5:26 minKoch fordert "Selbstprüfung" der Koalitionspartner
In einem Gastbeitrag in der FAZ hatte Koch geschrieben: "Regierungen werden an der Fähigkeit gemessen, unbeliebte, schmerzhafte Kurskorrekturen in Krisenzeiten mehrheitsfähig zu machen."
Markus Lanz hakte nach, ob Merz bis an diese politische Schmerzgrenze gehe. Mit Blick auf SPD-Chefin Bärbel Bas, SPD-Chef Lars Klingbeil und CSU-Chef Markus Söder entgegnete Koch:
Dieser Appell gilt an alle vier, die da verhandeln, aber ich sehe diesen nicht in erster Linie, sondern vielleicht zuallerletzt bei Friedrich Merz.
Roland Koch, ehemaliger hessischer Ministerpräsident
Kanzler Merz wollte mit seinem Besuch bei der SPD-Fraktion Geschlossenheit demonstrieren. Unmut blieb aus – doch viele äußern den Wunsch, dass Merz stärker zusammenführen soll, so Andrea Maurer.
19.05.2026 | 1:00 minKoch betonte: "Ich habe den Eindruck, dass er das mit aller Kraft versucht und eine Begrenzung hat, die ich sehr respektiere." Auf dem CDU-Parteitag hatte Merz eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen. Damit habe der Bundeskanzler deutlich gemacht:
Wir sind in einer gewissen Gefangenschaft zur SPD (...). Wenn wir Kompromisse machen müssen, werden die extrem unbequem für die eigene politische Partei werden.
Roland Koch, ehemaliger hessischer Ministerpräsident
Roland Koch appellierte an die "Selbstprüfung" der Koalitionäre: "Die Tatsache, dass das bisher gescheitert ist, ist für Deutschland extrem gefährlich." Deutschland komme ökonomisch und politisch in sehr gefährliches Fahrwasser, wenn es nicht gelinge, in dieser Regierung der Mitte zu einer Einigung zu kommen.
"Dieses Wahlergebnis gibt jedem Demokraten der Mitte zu denken, auch mir", so Ministerpräsident Hendrik Wüst über das Abschneiden der AfD bei den Kommunalwahlen in NRW.
14.09.2025 | 4:56 minKoch: Mangelnder Mut der SPD-Führung kostet Stimmen
Im ersten Jahr der schwarz-roten Bundesregierung sei außen- und migrationspolitisch "eine ganze Menge" geleistet worden. Diese Koalition sei "mit wechselseitigen Schmerzen durchaus erfolgreich". Aber: "In diesem Kernproblem der Wirtschaft geht es nicht voran und das ist aus meiner Sicht ein ausgesprochenes Problem."
Eigentlich habe Koch erwartet, dass die Sozialdemokraten nach der Bundestagswahl "einen größeren Schritt auf ihre Wähler zugehen": "Die durchschnittlichen Wähler der Sozialdemokratischen Partei wollen eine gewisse Gewissheit von Steigerung von Einkommen und Lohn. Sie wollen eine Sicherheit für ihren Job."
Die schwarz-rote Koalition agierte zuletzt im Krisenmodus. Bundeskanzler Merz will bei einem Besuch in der SPD-Fraktion für mehr Gemeinsamkeit und weniger öffentliche Konflikte sorgen.
19.05.2026 | 1:37 minBeides sei "im Augenblick extrem gefährdet, weil diese Regierung sich nicht einigt". Koch betonte:
Das können nur die Führungen der beiden Parteien Aug in Aug lösen, weil nur diese (...) das Wissen und die Legitimität haben, so viel vom eigenen Programm, in Anführungszeichen, aufzugeben oder zur Seite zu legen.
Roland Koch, ehemaliger hessischer Ministerpräsident
Die Koalitionsführung müsse ein Gefühl dafür entwickeln, wo die jeweilige Schmerzgrenze liege. Er kritisierte: "Das ist misslungen, weil die beiden sozialdemokratischen Vorsitzenden in ihrer eigenen Partei nicht mutig genug sind."
Koch fürchtete, dass dieser mangelnde Mut "Stimmen kosten wird und das ist im zweiten Halbjahr extrem gefährlich".
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