Skisprung-Legende Weißflog besorgt:Deutsche Skispringer auf der Suche nach Form und Stabilität
von Johannes Fischer
Skisprung-Legende Jens Weißflog sieht mit Blick auf Olympia "ernsthafte Probleme" im deutschen Team. Der Druck auf arrivierte Springer wie Karl Geiger und Andreas Wellinger wächst.
Bei den DSV-Skispringern ist der Wurm drin: Geiger und Co. liefern nicht - und das kurz vor der 4-Schanzen-Tournee. Einen Lichtblick gibt es aber: Philipp Raimund sorgt für Furore.
20.12.2025 | 2:16 minDer Frust war unübersehbar. Nach seinem enttäuschenden Auftritt beim Heim-Weltcup in Klingenthal warf Andreas Wellinger seine Ausrüstung auf eine Bierbank und verließ die Anlage erneut ohne Weltcup-Punkte.
Als Konsequenz aus dem abermaligen Debakel verordnete sich der 30-Jährige eine Wettkampfpause und verzichtete auf den Skispringen-Weltcup, der an diesem Wochenende in Engelberg stattfindet. "Meine springerische Leistung ist einfach schlecht im Moment", so Wellinger.
Ich kriege es nicht umgesetzt, dass ich Konstanz reinbringe.
Andreas Wellinger, DSV-Skispringer
Trübe Aussichten: Andreas Wellinger springt seiner Form derzeit hinterher.
Quelle: dpaWellingers Wutausbruch als Warnsignal
Wellingers Wutausbruch steht sinnbildlich für den Zustand der arrivierten DSV-Adler. Während mit Philipp Raimund ein Außenseiter weiter Anschluss an die Weltspitze hält, geraten die einstigen Leistungsträger zunehmend unter Druck. Klingenthal war kein Ausrutscher, sondern mit Blick auf die Vierschanzentournee (29. Dezember bis 6. Januar) und die Olympischen Spiele (6. bis 22. Februar) ein Warnsignal.
Skisprung-Legende Jens Weißflog ordnet die Lage nüchtern ein. Ein verpasstes Finale könne passieren, sagt der Olympiasieger von 1984 und 1994, "aber wenn ich teilweise schon die Qualifikation nicht schaffe, dann ist das ein ernsthafteres Problem". Genau dieses Bild habe sich zuletzt gezeigt - bei Wellinger ebenso wie bei Karl Geiger.
Philipp Raimund sorgt im Skisprung-Weltcup weiter für Furore. Rang drei beim Heimspiel in Klingenthal ist sein dritter Podestplatz in Serie. Domen Prevc ist der überragende Sieger.
13.12.2025 | 0:28 minWeißflog sieht keine schnelle Lösung
Schnelle Lösungen sieht Weißflog nicht: "Gerade für Springer wie Wellinger oder Geiger ist es ein schweres Stück Arbeit, da wieder ranzukommen, vor allem in die Bereiche, wo man sie eigentlich erwartet."
Faktisch bleibt damit wenig Spielraum für Schönfärberei. Ist Raimund derzeit der einzige deutsche Springer auf Weltklasse-Niveau? "Ja", antwortet Weißflog. Unter den Top Ten im Weltcup zu landen, sei nun einmal "Weltspitze".
Alles andere ist im Moment Suche - nach Form, nach Vertrauen, nach Stabilität.
Während es für die Männer auf die Vierschanzentournee zugeht, springen die Frauen die Two-Nights-Tour. Es könnte die letzte Ausgabe sein.
18.12.2025 | 0:52 minRoutine wichtig gegen Leistungsloch
Der Weg aus dem Leistungsloch sei zwar schwierig, aber nicht unmöglich. Entscheidend sei, wieder in die Routine zu kommen, "wirklich wieder zu trainieren, ein paar Sprünge am Stück zu machen". Gleichzeitig bleibt die Frage, wie viel das bringt, wenn der direkte Vergleich mit der Weltspitze fehlt.
Bei Geiger hatte Bundestrainer Stefan Horngacher bereits reagiert und den 32-Jährigen schon vor Klingenthal rausgenommen. Für Weißflog ein konsequenter Schritt:
Das war zum richtigen Zeitpunkt, um noch die Chance zu haben, Richtung Vierschanzentournee etwas zu bewirken.
Jens Weißflog, Skisprung-Legende
Generationswechsel im deutschen Team
Ein akutes Führungsproblem erkennt Weißflog dennoch nicht. Vielmehr befinde sich das Team mitten in einem Generationswechsel. "Das ist kein rein deutsches Problem. In Polen sieht man das aktuell auch." Lediglich Österreich habe ein großes Reservoir an Nachrückern, die den Ausfall der etablierten Athleten kompensieren können.
Die etablierten Teamkollegen suchen noch ihre Form, dafür ist Philipp Raimund im Skisprung-Weltcup vorne mit dabei. Von seinen bislang drei Podestplätzen ist Raimund selbst überrascht.
08.12.2025 | 1:06 minTrotz der aktuellen Misere klingt bei Weißflog mit Blick auf die Vierschanzentournee vorsichtiger Zweckoptimismus an. Auch wenn die Erwartungshaltung von außen bleibe, könne der Druck dadurch verlagert werden - weg vom deutschen Team. "Aus dieser Position heraus ist es oft etwas einfacher zu springen."
Skepsis beim Blick auf Olympia
Der Fernblick Richtung Olympia fällt jedoch deutlich kritischer aus. Aus eigener Erfahrung wisse er, wie schwer es sei, eine schwache Frühform im Saisonverlauf zu drehen. "Man braucht schon vorher Selbstvertrauen für Olympia", sagt Weißflog - und das lasse sich kaum aufbauen, wenn man dauerhaft um Platz 20 springt.
Klingenthal hat gezeigt, wie fragil das deutsche Skispringen derzeit ist. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob es nur eine Phase ist - oder der Beginn einer längeren Suche nach alter Stärke. Die Vierschanzentournee wird dabei zum Gradmesser für die deutschen Olympiahoffnungen. Im besten Fall ohne Frustabgang.
Titel ohne Mittel
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Quelle: Imago/ NTB / Stian Lysberg SolumMehr Skispringen
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