DSV-Adler in der Krise:Machtwechsel im Skispringen: Die Gründe für die Revolution
von Lars Becker
Einstige Überflieger wie Andreas Wellinger oder Karl Geiger sind in der Krise, Felix Hoffmann ist die neue Nummer 1. Das sind die Gründe für den Machtwechsel im Skispringen.
In Innsbruck sind schon oft die Träume der deutschen Skispringer geplatzt, diesmal nicht. Felix Hoffmann springt auf Platz 5 und lässt sich dabei auch nicht von einem Missgeschick aufhalten.
05.01.2026 | 1:11 minAndreas Wellinger schüttelte im Hexenkessel von Innsbruck wieder mal enttäuscht den Kopf. Der Doppel-Olympiasieger hat genau wie der fünfmalige Weltmeister Karl Geiger bei der 74. Vierschanzentournee noch nicht einmal das Finale der besten 30 erreicht.
Dafür übernahm mit dem in allen drei Tournee-Springen besten Deutschen Felix Hoffmann ein Mann aus der zweiten Reihe die Macht im Team. Ein Nobody genau wie Bergisel-Sieger Ren Nikaido (Japan), während Domen Prevc (Slowenien) mit gigantischem Vorsprung vor dem Finalspringen in Bischofshofen am Mittwoch dem Gesamtsieg beim Skisprung-Grand-Slam entgegenfliegt.
Die arrivierten Springer werden derzeit von den jungen in den Schatten gestellt: Karl Geiger, Andreas Wellinger und Pius Paschke (v.l.) stecken tief in der Krise.
Quelle: ddpMachtverhältnisse im Skispringen auf den Kopf gestellt
Es ist eine echte Revolution im Skispringen: Die Machtverhältnisse im Flugsport sind komplett auf den Kopf gestellt und das hat vor allem etwas mit Material-(Kontrollen) zu tun.
Wir kommen mit dem neuen Material einfach nicht so gut zurecht. Ein Andi Wellinger oder ich sind absprungstarke Springer, eigentlich müssten wir von den Anzügen mit weniger Volumen profitieren. Aber bei uns passt die Abstimmung einfach nicht.
Karl Geiger, fünfmaliger Skisprung-Weltmeister
Dass die Flug-Stars der Vergangenheit in diesem Winter straucheln, ist kein deutsches Phänomen - auch in anderen Top-Teams drängen neue, junge Gesichter in die Toppositionen.
"Es ist uns in den letzten Jahren nicht so gut gelungen, junge Athleten zu integrieren. Da liegt noch ein bisschen Arbeit vor uns", sagt DSV-Sportdirektor Horst Hüttel im moma.
06.01.2026 | 2:41 minDie Jungen springen in den Vordergrund
In Österreich schiebt der 19 Jahre alte Tournee-Gesamtdritte Stephan Embacher eine Skisprung-Legende wie Stefan Kraft in den Hintergrund. In Polen hat der 18-jährige Kacper Tomasiak die Nummer 1 vom je dreimaligen Olympiasieger und Tourneesieger Kamil Stoch übernommen. Und in Japan fliegt jetzt Ren Nikaido (24) statt des dreimaligen Tourneesiegers Ryoyu Kobayashi voran.
Der Japaner Ren Nikaido springt auf der Bergisel-Schanze in Innsbruck zum ersten Weltcupsieg - vor Tournee-Dominator Domen Prevc. Felix Hoffmann ist als Fünfter bester Deutscher.
04.01.2026 | 2:39 minDer Grund: Viele arrivierte Springer wie Geiger oder auch Wellinger aus dem deutschen Team kamen in der Vergangenheit durch größere Anzüge in der Luft besser zurecht. Sie konnten mit breiten Beinen den Anzug im Flug spannen und Fläche machen.
Die Geheimnisse von Prevc und Hoffmann
Jetzt muss die durch die engeren Anzüge in der Luft verloren gegangene Segel-Fläche durch im Flug möglichst plan geführte Ski ersetzt werden. Davon profitieren Flieger wie Felix Hoffmann, während sich die Stars von bisher erst die neue Technik aneignen müssen.
Mit Abstand am besten löst das "Domenator" Domen Prevc: Er springt schon seit Jahren mit offenen Skisprung-Schuhen, was ihm mehr Beweglichkeit nach dem Absprung verschafft. Die Ski sind so am schnellsten in der idealen Flugposition, deshalb nimmt Prevc mehr Geschwindigkeit in den Flug mit und segelt oft am weitesten.
Der Vierschanzentournee-Sieg "wird dem Slowenen Domen Prevc nicht mehr zu nehmen sein", berichtet ZDF-Reporter Andreas Kürten. Felix Hoffmann habe noch eine "geringe Chance aufs Podium".
05.01.2026 | 2:32 min"Domen Prevc springt ungemein sauber - dagegen sehe ich bei Wellinger und Geiger noch technische Fehler. Man muss jetzt vor allem mit viel Gefühl fliegen - so wie es auch ein Felix Hoffmann tut", erklärt Skisprung-Legende Martin Schmitt.
Das Material ist im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, in denen auch zu große und damit nicht regelkonforme Flug-Anzüge von den Kontrolleuren akzeptiert wurden, nicht mehr der entscheidende Faktor im Skispringen. Das hat auch etwas damit zu tun, dass die Materialkontrollen nach dem Anzug-Betrug bei der Nordischen Ski-WM durch das derzeit übrigens chancenlose Team Norwegen viel strenger geworden sind.
Das Feld ist auch durch die strengen Materialkontrollen enger zusammengerückt. Ich bin sehr froh, wie es jetzt aktuell läuft. Wir reden fast nur noch über Skispringen, über technisches Skispringen, und das ist eigentlich genau das, was wir brauchen und wo wir hinmüssen.
Bundestrainer Stefan Horngacher
Sogar ein Kasache ist besser als Wellinger
Viele Experten glauben, dass das Skispringen in seiner Geschichte vielleicht noch nie so fair war. Jetzt entscheidet nicht mehr die Finanzkraft der Top-Nationen, die immer wieder neue Material-Entwicklungen in den Weltcup bringen können. Sondern vor allem die sportliche Leistung. Dafür spricht auch, dass plötzlich Springer aus Ländern in der erweiterten Weltspitze auftauchen, die in der Vergangenheit nie eine Chance hatten.
Prominente Beispiele dafür sind Ilja Mizernich aus Kasachstan, der Innsbruck-Neunte Jason Colby aus den USA, Valentin Foubert (Frankreich) oder der Bulgare Vladimir Zografski, der gemeinsam mit dem deutschen Team trainiert. Alle genannten Flieger liegen in der Tournee-Gesamtwertung weit vor den deutschen Stars Wellinger oder Geiger.
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