Belgiens WM-Viertelfinale gegen Spanien:Das späte Happy End einer goldenen Generation?
von Maik Rosner
Über viele Turniere hinweg galt Belgien als Geheimfavorit, doch die ganz großen Erfolge blieben aus. Diesmal könnten die "Roten Teufel" die geringen Erwartungen übertreffen.
Wollen auch gegen Spanien wieder jubeln: Belgiens Nationalspieler um Charles De Ketelaere.
Quelle: APGroß war der Jubel bei den Belgiern, als der Einzug ins Viertelfinale der WM feststand. Das lag vor allem am 4:1-Triumph gegen den Gastgeber USA, nachdem US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Präsident Gianni Infantino zuvor erfolgreich interveniert hatte und die rote Karte gegen Folarin Balogun aufgehoben worden war.
Sich trotz dieses skandalträchtigen Vorgangs sportlich durchgesetzt zu haben, sorgte bei den Belgiern für eine besondere Genugtuung. Bei den verbliebenen Spielern im Kader aus der goldenen Generation dürften die Glücksgefühle wohl auch durch ihre Erinnerungen an vergangene Turniere verstärkt worden sein.
Aufgrund der "Causa Balogun" wurde die Partie der USA gegen Belgien schon im Vorfeld zum Politikum. Schaffen die Co-Gastgeber mit ihrem Torjäger den Sprung ins Viertelfinale?
07.07.2026 | 8:45 minBelgiens goldene Generation: Von Kompany bis Lukaku
Vor dem Viertelfinale gegen Spanien am Freitag in Los Angeles (21 Uhr MESZ) gehört das zur großen Erzählung der Belgier ja dazu: Rund ein Jahrzehnt lang wurden sie vor den großen Turnieren stets als Geheimfavorit gehandelt.
Das lag an Topakteuren wie dem heutigen Bayern-Trainer Vincent Kompany, Eden Hazard und Belgiens Rekordspieler Jan Vertonghen ebenso wie an den weiterhin zum Kader gehörenden Thibaut Courtois, Kevin De Bruyne und Romelu Lukaku. Doch als sie bei den Welt- und Europameisterschaften jeweils versuchten, den hohen Erwartungen gerecht zu werden, blieben die ganz großen Erfolge aus.
Belgien verpasste stets den ganz großen Erfolg
Meist war für die Belgier spätestens im Viertelfinale Schluss, wie bei der WM 2014, der EM 2016 und der EM 2021. Zuletzt bei der WM 2022 verabschiedeten sie sich sogar schon nach der Gruppenphase. Bei der EM 2024 lief es durch das Aus im Achtelfinale nicht viel besser. Einzig bei der WM 2018 zog Belgiens Auswahl ins Halbfinale ein und wurde am Ende Dritter.
Es kam nicht von ungefähr, dass Belgiens Nationaltrainer Rudi Garcia versuchte, die goldene Generation auch von der Last der meist unerfüllten Erwartungen zu befreien. Statt erneut De Bruyne bestimmte er Youri Tielemans zum neuen Kapitän.
Der 29 Jahre alte Mittelfeldspieler von Aston Villa sei das "ideale Bindeglied zwischen der goldenen Generation und den jungen Wilden", befand Garcia. De Bruyne beließ er gegen die USA sogar 90 Minuten auf der Bank.
Das Achtelfinale der WM 2026 zwischen Portugal und Spanien war ein echtes Top-Duell. Außerdem standen sich Cristiano Ronaldo und Lamine Yamal gegenüber.
06.07.2026 | 8:59 minSpäte Wende gegen Senegal
Nach dem Sieg gegen den Hauptgastgeber könnte sich die Geschichte der Belgier nun ins Gegenteil verkehren. Mit solch geringen Erwartungen wie vor dieser WM waren sie lange nicht in ein Turnier gestartet.
Die mühseligen Auftritte gegen Ägypten (1:1) und Iran (0:0) machten wenig Hoffnung, dass es diesmal besser laufen könnte. Wäre gegen Senegal (3:2) nach dem 0:2-Rückstand im Sechzehntelfinale nicht die sehr späte Wende gelungen, müsste nun eine Geschichte von einer weiteren Enttäuschung für die Belgier erzählt werden.
Im Sechzehntelfinale zwischen Belgien und Senegal sind die Afrikaner lange das dominante Team. Die dramatische Schlussphase ist dann aber nichts für schwache Nerven.
02.07.2026 | 10:31 minDoch mittlerweile scheinen sie im Turnier angekommen zu sein, vielleicht sogar gerade rechtzeitig aus ihrer Sicht, um gegen den Europameister Spanien ausnahmsweise mehr zu erreichen als ihnen zugetraut wird. Die Belgier kommen, wenn man so will, aus der Tiefe des Traumes, den sie sich bisher nie erfüllen konnten.
Belgiens Angriffslust trifft Spaniens Defensivstärke
Für eine Überraschung gegen den Favoriten Spanien könnte ihre Offensive sprechen. Keine Mannschaft hat bei dieser WM vor den Viertelfinals so oft aufs Tor geschossen wie die Belgier (107 mal). In fünf Spielen sind ihnen 13 Tore gelungen, nur Titelverteidiger Argentinien und Frankreich trafen jeweils einmal mehr.
Jetzt steht Garcias Mannschaft allerdings vor der besonderen Herausforderung, die bisher beste Defensive des Turniers zu überwinden. Als einziges Team blieben die Spanier bislang ohne Gegentor.
Auch deshalb ist die Mannschaft von Trainer Rudi Garcia ein gar nicht geheimer Titelfavorit. Aber wie das mit den hohen Erwartungen laufen kann, wissen die Belgier und die verbliebenen Spieler aus ihrer goldenen Generation ja nur zu gut.
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