DFB-Startelf gegen Elfenbeinküste:Trainer-Urgestein Middendorp: "Sané starten lassen"
von Jannik Schneider
Trotz großer Kritik hat sich Ernst Middendorp für einen weiteren Startelf-Einsatz von Leroy Sané ausgesprochen. Das Trainer-Urgestein verweist auf ein anderes Beispiel.
Ernst Middendorp im ZDFsportstudio-WM-Studio.
Quelle: ZDF25 Vereine, 31 Stationen - davon fast ein Dutzend in Südafrika. Ernst Middendorp, der bis Mitte Februar 2026 als Sportdirektor beim dortigen Durban City FC tätig war und mit dem Klub weiter verbunden ist, als Weltenbummler und Südafrika-Experten zu bezeichnen, ist eine Untertreibung.
Folgerichtig begleitete der 67-Jährige am Donnerstagabend während der ZDF-Übertragung der Fußball-WM nicht nur kritisch die Leistung Südafrikas gegen Tschechien (1:1). Middendorp positionierte sich als erfahrener Trainer im Vorlauf der Partie beim Thema Deutsche Nationalmannschaft ebenfalls klar zur momentan meist diskutierten, kontroversen Personalie im DFB-Team, Leroy Sané.
Er habe eine klare Meinung zu Sané, sagte der dreimalige Trainer Arminia Bielefelds im ZDF-WM-Studio und verglich die Diskussion um den Flügelspieler mit einer anderen Personalie. "Es gab zwei Experten (Jürgen Klopp, Thomas Müller, Anm. d. Red.), die zuvor gefordert haben, Jamal Musiala rauszunehmen. Gott sei Dank hat der Cheftrainer der Nationalmannschaft nicht zugehört."
Middendorp: "Sané soll Praxis und Zusammenspiel finden"
Julian Nagelsmanns Argumentation laut Middendorp: Musiala benötige die Spielpraxis, um besser zu werden nach dessen Horror-Verletzung 2025 bei der Klub-WM. "Das Gleiche gilt für Leroy Sané. Einfach zu sagen, ihn drin zu lassen, nicht unbedingt durchspielen, aber starten zu lassen. Mit dem Hintergrund, dass er die Praxis und ein besseres Zusammenspiel findet. Ich glaube, das werden wir am Samstag erleben", prognostizierte Middendorp für das zweite Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste (22 Uhr/ZDF).
Bundestrainer Julian Nagelsmann bringt zur XXL-WM insgesamt neun Trainer mit: vier Co-Trainer, drei Athletiktrainer und zwei Torwarttrainer. ZDF-Reporterin Lili Engels über den Nagelsmann-Stab.
18.06.2026 | 3:54 minMusiala fiel nach dem schlimmen Wadenbeinbruch 2025 fast 200 Tage bis ins Jahr 2026 hinein aus und tastete sich anschließend Stück für Stück wieder zurück in das Team von Bayern München. Aufgrund seines enormen Dribbelpotenzials und seiner Leistung vor der Verletzung war bei seinem Comeback trotz sieben Scorerpunkte in 15 Bundesligaspielen (drei in sechs Champions-League-Spielen) noch zu erkennen, dass der 23-Jährige noch etwas mit angezogener Handbremse unterwegs war.
Sané von Kreuzbandriss einst gebremst
Nicht nur für Experten wie Müller und Klopp war das nach der langen Verletzungspause nachvollziehbar. Für Musiala, der nach seinem Wadenbeinbruch selten über die volle Distanz spielte, hatten die beiden Experten vor dem ersten Spiel gegen Curaçao aber eine andere Rolle vorgesehen. Sie sahen ihn als Joker, der ab der 65. Minute Akzente setzen sollte.
Musiala startete, traf, spielte gut, setzte ebenfalls defensiv Akzente und wurde erst kurz vor Spielende ausgewechselt. Für Middendorp war die Joker-Argumentationskette ohnehin nicht nachvollziehbar und er verteidigte Sané. Auch wenn dieser diesmal nicht aus einer längeren Verletzung kam.
Antonio Rüdiger hat seinen Stammplatz in der DFB-Elf verloren. Dennoch ist er, wie die Mannschaft, vor dem Spiel gegen die Elfenbeinküste gut gelaunt.
18.06.2026 | 2:38 minDas öffentliche Echo über Sané
Sané galt als großes Versprechen und zeigte eine Zeitlang konstant sehr gute Leistungen in der Premier League. Doch 2018 strich ihn der damalige Bundestrainer Joachim Löw vor der WM in Russland trotz 33 Scorer-Punkte für Manchester City aus dem Aufgebot. Damals war das öffentliche Echo konträr zu heute. Nach einer weiteren starken Saison und einem sich anbahnenden Wechsel zu Bayern München riss sich Sané im August 2019 das Kreuzband und fiel noch länger aus als Musiala.
Bei Bayern München und in der Nationalmannschaft blieb der Linksfuß nach seiner Rückkehr den nächsten Entwicklungsschritt zum konstant abliefernden Weltklasse-Profi schuldig. Sané wurde ein Spieler mit Momenten, dessen Scorerwerte sich dennoch stets im zweistelligen Bereich hielten. Von den Fans wird er oft überkritisch gesehen. Auch weil er bei Europameisterschaften und Weltmeisterschaften offensiv bei 13 Spielen blass (eine Vorlage) blieb und gegen Curaçao als einzige Offensivkraft nicht traf oder vorlegte.
Kapitän Josua Kimmich und Trainer Nagelsmann lobten indes Sanés Einsatz- und Defensivstärke und zeigten Unverständnis ob der Kritik. Nicht nur Middendorp geht daher von einer unveränderten Startelf am Samstag gegen die Elfenbeinküste aus.
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