DFB-Team startet ins Trainingslager:Politik soll draußen bleiben: Völlers Lehren aus Katar
von Frank Hellmann
Die DFB-Elf hat die WM-Vorbereitung aufgenommen. Sportdirektor Völler erklärt, warum Teamspirit wichtig wird und politische Statements in den USA ausbleiben sollen.
Mit der Stimmung vor einem großen Fußballturnier ist das immer so eine Sache. Vorfreude auf Knopfdruck ist nicht zu erzeugen - erst recht nicht vor einer solch umstrittenen Endrunde wie der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Dass es gerade in Deutschland bei der Euphorie noch hapert, ist Rudi Völler nicht verborgen geblieben. "Die Stimmung kommt nicht durch Quatscherei, da ist die Mannschaft gefordert", sagte der Sportdirektor bei der Auftaktpressekonferenz zum Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft in Herzogenaurach.
Kurz vor dem vorletzten Testspiel auf dem Weg zur WM 2026 sprechen Bundestrainer Julian Nagelsmann und Sportdirektor Rudi Völler über Form, Ziele und den DFB-Kader.
27.05.2026 | 45:28 minVöller: Keine politischen Statements
Der 66-Jährige erklärte auch, dass die DFB-Auswahl eigentlich ein bisschen mehr unterstützt werden müsse, weil sie nach der Blamage zum Auftakt der WM-Qualifikation gegen die Slowakei (0:2) prima reagiert habe: "Aus der Drucksituation haben wir sieben Mal gewonnen."
Ich habe gehofft, dass die WM-Stimmung aufkommt, aber noch ist ein bisschen Zeit.
Rudi Völler, DFB-Sportdirektor
Was nicht mehr passieren werde, seien Einlassungen zu sportpolitischen Themen wie bei der WM 2022 in Katar, wo sich die Debatte um die Regenbogenbinde zum Stimmungskiller ausgewachsen habe, stellte Völler klar. "Das wird es nicht mehr geben, dass unmittelbar vor einem Spiel irgendwelche Aktionen oder Interviews gestartet werden."
Spieler sollen sich zurückhalten
Es gebe zwar "keine Maulkörbe", aber die Spieler sollen sich diesmal bitte zurückhalten. Völlers Begründung: "Wir können das sowieso nicht ändern. Es gibt viele Dinge in der Welt, die uns allen nicht gefallen. Ich hätte auch lieber mehr Frieden überall. Wir tun gut daran, das zu trennen."
Die gesamte DFB-Führung hat sich der Völler-Doktrin verschrieben: "Wir sind da, um eine Weltmeisterschaft zu spielen. Das geht vor." Er sei schon als junger Spieler gegen einen Boykott gewesen, erinnerte der Sportdirektor an die vom Westen boykottierten Olympischen Spiele 1980 in Moskau: "Ich fand das damals schon falsch. Und gebracht hat es gar nichts."
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Nagelsmann bekommt Rückendeckung
Bundestrainer Julian Nagelsmann schwieg bei diesen Ausführungen. Generell verspürte der 38-Jährige vor dem Trainingslager wenig Lust auf eine Grundsatzerklärung. Völler versprach, den Bundestrainer gegen jede Kritik - gerade bei der Personalie Manuel Neuer - in Schutz zu nehmen. "Wenn es Gegenwind gibt, bin ich dafür da. Es gibt nicht immer die 100-prozentige Wahrheit. Man kann es nicht allen rechtmachen."
Pikant, dass der Keeper als Vorsorgemaßnahme wegen seiner verhärteten Wade auch das Testspiel gegen Finnland am Sonntag noch nicht bestreiten kann. Wann Neuer wieder voll belastbar sein wird, kann gerade niemand sagen. Nagelsmann wollte nicht einmal ein Mitwirken bei der Generalprobe gegen die USA (6. Juni) garantieren. Dennoch müsse man sich in der viel diskutierten Causa "keine Sorgen" machen.
Völler: "Gehören nicht zu den Topfavoriten"
Was ist für den vierfachen Weltmeister bei diesem XXL-Turnier möglich? "Wir gehören nicht zu den absoluten Topfavoriten. Aber es wird schwer sein, gegen uns zu gewinnen", sagte Völler, der vor allem dem Teamgeist eine große Rolle zuschrieb.
Bei seiner letzten WM 1994 als Nationalspieler sei Deutschland im Viertelfinale gegen Bulgarien (1:2) vor allem an sich selbst gescheitert. "Wir waren damals sogar besser als 1990, aber es hat in der Mannschaft nicht gestimmt. Es gab Ungereimtheiten und immer Unruhe."
Das Hauptaugenmerk des Bundestrainers Julian Nagelsmann solle darauf liegen, „aus 26 Spielern ein Nationalteam zu kreieren, sowohl auf als auch neben dem Platz“, so ZDF-Reporterin Lili Engels.
27.05.2026 | 2:57 minNagelsmann möchte 32 Jahre später ein Gefühl wie in einer "gut funktionierende Familie" erzeugen. Völler zeigte sich überzeugt, "dass Julian das wunderbar hinbekommen wird". Die Spielerfrauen - deren Präsenz bei der WM 1994 bekanntlich zum Streitpunkt ausartete - sind übrigens vom Bundestrainer am Freitag ausdrücklich nach Herzogenaurach eingeladen worden. Heutzutage gilt die Anwesenheit von Frauen und Kindern als harmoniefördernd.
Völler düste derweil noch am Abend zur 125-Jahr-Feier seines Ex-Vereins Kickers Offenbach, weil ihm das eine Herzensangelegenheit ist. Eine solche Geste erklärt vielleicht auch, warum er bis heute als Sympathieträger in Fußball-Deutschland gilt, der allein mit seiner Präsenz den Stimmungsaufheller gibt.
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