Nationalelf auf dem Weg in die USA:DFB-Sportdirektor Rudi Völler, der Zeitzeuge an Bord
von Frank Hellmann
Rudi Völler erlebt seine fünfte WM in drei verschiedenen Funktionen. Seine Erfahrung soll der deutschen Nationalelf bei der herausfordernden Mission in den USA helfen.
Rudi Völler erlebt seine fünfte WM und ist die graue Eminenz im DFB-Tross.
Quelle: ImagoNeuerdings hängen an der großen Glasfront der Fußball-Halle auf dem DFB-Campus weltmeisterliche Motive. Illustrationen und Bilder in Farbe und in Schwarz-Weiß von den Triumphen von den Weltmeisterschaften von 1954, 1974, 1990 bis 2014. Alles ein Stück Zeitgeschichte.
Natürlich ist auch der Goldpokal abgebildet, den Deutschland gerne ein fünftes Mal in den Händen hätte. Doch ist die Zeit für diese umstrittene WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko (11. Juni bis 19. Juli) wirklich reif? Die Stimmung im Land? Eher mittelprächtig. Bestenfalls. Immerhin vereinen die besten Kicker großes Interesse. WM ist WM. Zeitlos faszinierend.
Vorletzter Test vor der WM-Endrunde: Die Höhepunkte des Länderspiels Deutschland gegen Finnland in Mainz mit Original-Kommentar von Oliver Schmidt.
31.05.2026 | 8:06 minRudi Völler ist die graue Eminenz im DFB-Tross
Niemand aus der deutschen Delegation weiß das besser als Rudi Völler. Er gibt mit 66 Jahren als Sportdirektor die graue Eminenz, die am Dienstag am Frankfurter Flughafen mit der deutschen Nationalmannschaft unter großem Medienauflauf den Lufthansa-Airbus A350 nach Chicago bestiegen hat, um sich nach dem neunstündigen Hinflug zunächst am Lake Michigan zu akklimatisieren.
Der Tross zieht danach am 8. Juni ins WM-Basecamp in Winston-Salem in North Carolina. Das Turnier startet dann am 14. Juni (19 Uhr MESZ/ARD) in Houston gegen den krassen Außenseiter Curaçao.
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Die WM 1994 als Warnung
"Ich freue mich darauf", sagte der gebürtige Hanauer, es sei schließlich seine fünfte Weltmeisterschaft in der dritten Funktion. Seiner Einschätzung wird kaum jemand widersprechen:
Wir gehören nicht zu den absoluten Topfavoriten.
Rudi Völler
Aber das muss nichts heißen. Als Spieler war er bereits 1986 (Vizeweltmeister), 1990 (Weltmeister) und 1994 (Viertelfinale) dabei, als Teamchef dann 2002 (Vizeweltmeister), als eine limitierte Elf bis ins Finale kam und die Menschen danach am Frankfurter Römer sangen: "Es gibt nur einen Rudi Völler." Ihm war das gar nicht recht.
ZDF-Experte René Adler spricht über das 4:0 der DFB-Elf gegen Finnland, den deutschen WM-Kader und worauf es bei dem XXL-Turnier in Nordamerika ankommen wird.
01.06.2026 | 3:09 minEiner der populärsten Figuren des deutschen Fußballs spricht dieser Tage lieber über die WM in den USA vor 32 Jahren. Denn für ihn schließt sich ein Kreis, wenn die deutsche Nationalelf in Chicago gegen die USA testet (Samstag 20:30 Uhr MESZ). "Tante Käthe" denkt dann unweigerlich ans Achtelfinale gegen Belgien (3:2). Seine Länderspieltore 46 und 47 waren zugleich seine letzten.
Völler appelliert an den Teamgeist
Obwohl er sich rechtzeitig wieder in WM-Form gebracht hatte, sollte das Viertelfinale gegen Bulgarien (1:2) schon Endstation sein. Mittagszeit in New York. Und eine Truppe mit "vielleicht zu vielen Weltmeistern" (Völler). Nicht bereit, über Grenzen zu gehen. Nicht willens, sich für die Gemeinschaft aufzuopfern.
Tommi Schmitt hat vor der WM Nadiem Amiri, David Raum und Nick Woltemade eine ganze Saison lang bei ihren Vereinen, der Nationalmannschaft und im Alltag begleitet. Wer schafft es in den WM-Kader?
31.05.2026 | 91:55 minDer Zeitzeuge erinnert sich an ständige Ungereimtheiten, "und es gab immer Unruhe". Man habe sich durchs Turnier gequält - und dann blamiert. Was kann man daraus lernen? "Bei aller fußballerischen Qualität wird der Teamspirit fundamental sein."
Wenn "Ruuuuudi", wie sie ihn in der Kurve riefen, das sagt, klingt das weniger belehrend und weniger floskelhaft als bei anderen. Und er wollte, ganz ungefragt, auch noch was zur Hitze loswerden, die dieses XXL-Turnier prägen dürfte. Früher war es nämlich noch schlimmer: "Es wird niemals wieder so ein Spiel geben, wo es so heiß war wie damals in Dallas."
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1994 gewannen die Deutschen ohne ihren Oldie das letzte Gruppenspiel gegen Südkorea (3:2) nur mit Ach und Krach. Als sich Ersatzspieler in der Kabine Eis unter die Mütze packten, war bei der Ankunft auf der Bank alles wieder trocken. Völler hat’s selbst erlebt. Auch wie dem damaligen Bundestrainer Berti Vogts die Zügel früh entglitten.
Von Julian Nagelsmann ist der Sportdirektor überzeugt. Er hält viel von seiner Rhetorik, seinem Fachwissen. Er hat dem erst 38 Jahre alten Bundestrainer in dessen Beisein auf der Auftaktpressekonferenz versprochen: "Wenn es Gegenwind gibt, bin ich ja auch noch da." Da sprach ein überzeugter Beschützer. Man solle Nagelsmann einfach mal machen lassen: "So isser, deshalb mag ich ihn so, deshalb werden wir auch eine gute WM spielen." Klang wie die passende Botschaft zum Abflug.
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