Messi ungewohnt emotional:Argentinische Tränen und eine ägyptische Tirade
von Frank Hellmann, Atlanta
Atlanta erlebt ein Feuerwerk der Emotionen: Nach Argentiniens Aufholjagd weint Lionel Messi auf dem Platz - und Ägyptens Trainer beklagt die Ungerechtigkeit der Welt.
Lionel Messi zeigt sich ungewohnt emotional nach dem Viertelfinaleinzug.
Quelle: dpaEs ist fürwahr schon viel passiert bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft, aber vor lauter Rührung direkt nach dem Schlusspfiff in Tränen bricht auch Lionel Messi eigentlich nicht so schnell aus. Als der gigantische Videoring unter dem Dach des Atlanta-Stadium den hemmungslos weinenden Anführer Argentiniens zeigte, schwoll der Geräuschpegel einmal mehr in dreistellige Dezibel-Bereiche.
Dieses irre Achtelfinale zwischen Argentinien und Ägypten (3:2) bot ein Feuerwerk der Emotionen. Und wenn es dann selbst einen Weltstar nach einer berauschenden Aufholjagd übermannt, ist das doch eigentlich ein gutes Zeichen.
Nach einem echten Krimi ist Argentinien ins WM-Viertelfinale eingezogen. Superstar Lionel Messi reagierte nach dem Spiel sehr emotional.
07.07.2026 | 0:15 min"Es war sehr schwer, wir haben gelitten, aber diese Gruppe gibt nie auf, sie kämpft bis zum Ende", sagte Messi später, als er sich wieder gefasst hatte.
Es ist verrückt, was das Team in dieser K.o.-Runde geleistet hat. Ich freue mich, dass die Leute jetzt feiern können.
Lionel Messi
Vor allem feiern sie ihn, der ja selbst eine Achterbahnfahrt durchlebte, weil er früh einen Foulelfmeter vergab (21.).
Enzo Fernandez lobt "phänomenale Gruppe"
"Für diese Emotionen auf dem Platz, speziell mit Argentinien, bin ich Trainer geworden", erklärte sein Nationalcoach Lionel Scaloni. Dass die Wechselwirkung von den fanatischen Fans auf den Rängen und Protagonisten auf dem Rasen auch in einem klimatisierten Stadion funktioniert, hat der Weltmeister eindrucksvoll bewiesen, für den Enzo Fernandez in der Nachspielzeit (90.+2) das 3:2 köpfte. Von einer "phänomenalen Gruppe", schwärmte der Siegtorschütze.
"Das sind wir - das ist Argentinien!" lobte Scaloni. Und Messi? Den hatten die Mitspieler noch auf dem Platz in die Luft geworfen. Der Wert des Nationalheiligen steigt mittlerweile ins Unermessliche. Er könne nicht in seinen Kopf schauen, erklärte Scaloni, "aber ich bin überzeugt, dass er für diese Momente Fußball spielt."
Ägypten ist im WM-Achtelfinale gegen Argentinien der klare Außenseiter. Doch die "Pharaonen" ärgern Argentinien dank Keeper Shobeir lange.
07.07.2026 | 10:41 minDefensive Anfälligkeit wie schon gegen Kap Verde
Können die Bilder nach einem WM-Finale besser werden? Der Titelverteidiger hat zwar wie schon gegen Kap Verde eine bislang unbekannte defensive Anfälligkeit offenbart, bringt gleichwohl eine enorme Resilienz mit, die auf zwei Säulen basiert: zum einen einer fußballerischen Qualität, die natürlich in erster Linie dem nunmehr achtfachen Torschützen Messi zu verdanken ist, der beim Volleyschuss zum 2:2 (84.) bereits sein 21. WM-Tor fabrizierte. Der 39-Jährige ging am Ende voran, nachdem ihm am Anfang so wenig glückte.
Darauf setzt sich eine sagenhafte Entschlossenheit, die am besten Wuchtbrumme Cristian Romero personifiziert, der nach Messis Maßflanke das 1:2 köpfte (79.). So kommen mehrere Zutaten zusammen, die die "Albiceleste" zu einem Topteam machen. Diese himmelblaue Gemeinschaft wähnt sich wie schon in Katar jetzt auch dreieinhalb Jahre später in Nordamerika auf einer Mission.
Hossam Hassan mit schweren Vorwürfen
Denn nach fein herausgespielten Toren von Yasser Ibrahim (15.) und Mostafa Ziko (67.) für Ägypten schien sich im Herzen der Olympiastadt von 1996 eine Sensation anzubahnen. Ins Zentrum der Kritik beim Verlierer rückte hinterher Schiedsrichter Francois Letexier (Frankreich), der etwa ein Trikotziehen des Argentiniers Alex Mac Allister vor dem 2:3 nicht ahndete, weil sich der Videoassistent nicht meldete. Auch wegen dieser Szene verstieg sich Trainer Hossam Hassan zu einer langen Tirade auf die Ungerechtigkeit, die seine Nation erfahren habe.
Das WM-Sechzehntelfinale Australien gegen Ägypten bot Spannung bis zum Schluss. In der zweiten Halbzeit fiel ein historisches Eigentor.
03.07.2026 | 10:23 min"Das Leben ist unfair, die Welt ist unfair, aber warum gibt es keine Fairness im Fußball, im Sport? Ich glaube, die Auswirkungen dieses Ergebnisses reichen weit über die Niederlage selbst hinaus, denn wir haben weder Respekt noch Fairplay erfahren." Die Argentinier hätten angeblich "Druck auf den Schiedsrichter ausgeübt", schimpfte der 59-Jährige.
Daher wollte er vor seinem Abgang noch sagen:
Ich werde mir kein Spiel bei diesem Turnier mehr ansehen, das ist meine Konsequenz, die ich aus dieser WM ziehe.
Ägyptens Nationaltrainer Hossam Hassan
Dabei vergaßen die "Pharaonen", dass vor allem einer wieder den Unterschied gemacht hatte: Lionel Messi, diesmal sogar mit Tränen in den Augen.
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