Neun von zehn in der K.o.-Runde:"Wichtig für ganzen Kontinent": Afrikaner bei WM im Aufwind
von Andreas Morbach
Neun der zehn gestarteten WM-Teilnehmer aus Afrika erreichen die K.-o.-Runde. Basis der guten Ergebnisse sind Pragmatismus, Defensivkraft und ein guter Schuss Unberechenbarkeit.
Algeriens Verteidiger Rafik Belghali freut sich mit Teamkollege Chaibi über seinen Treffer gegen Österreich.
Quelle: apGähnende Langeweile hatten viele befürchtet. Doch am Ende lieferte das Duell Algerien gegen Österreich in der letzten Partie der Gruppe J Dramatik pur.
Algerien und Österreich mit passendem Remis
Durch ein Tor in der dritten Minute der Nachspielzeit des Algeriers Riyad Mahrez war das Team aus der Alpenrepublik plötzlich raus aus dem Turnier. Weitere drei Minuten später köpfte der frühere Stürmer vom VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt, Sasa Kalajdzic, Österreich mit dem 3:3 zurück ins Glück.
Danach war Schluss, beide Teams hatten das fürs WM-Sechzehntelfinale nötige Remis. Die Iraner als Leidtragende mussten abreisen - im krassen Gegensatz dazu säuselte Kalajdzic: "Es ist fast schon märchenhaft."
In Gruppe J streiten sich Algerien und Österreich um Platz zwei. Eine der Eckfahnen übernimmt eine Hauptrolle, in der Nachspielzeit wird es verrückt.
28.06.2026 | 9:26 minAfrikanische Teams: Kämpfen, egal was passiert
Definitiv wie im Märchen fühlen sich bei dieser Endrunde die Teams aus Afrika. Neun ihrer zehn Starter brachten sie in die K.-o.-Runde, kein anderer Kontinent kommt auf eine bessere Quote.
Algerien egalisierte im Duell mit Österreich zwei Rückstände, kurz zuvor machte die Demokratische Republik Kongo gegen Usbekistan aus einem 0:1 ein 3:1. Woraufhin ihr Doppeltorschütze Yoane Wissa jubelte: "Heute Abend haben wir gezeigt, was uns das hier bedeutet - einfach zu kämpfen, egal was passiert."
Nur Tunesien ist schon raus
Widerstände haben Afrikas standhafte Vertreter bei dem Turnier in Nordamerika schon einige überwunden. Südafrika, Senegal und Algerien etwa starteten mit Niederlagen - und schafften dennoch den Sprung unter die besten 32. Allein Tunesien muss nach einer desaströsen WM-Kampagne vorzeitig die Segel streichen.
Neben den Kongolesen gerieten vor allem die Fußballer aus Kap Verde aus dem Häuschen: Als WM-Neuling angetreten, überstanden sie die Gruppenphase ungeschlagen.
Kap Verde schaffte gegen Saudi-Arabien den sensationellen Sprung in die K.o.-Runde.
27.06.2026 | 5:55 minKapverdischer Traum wird wahr: K.-o.-Spiel gegen Argentinien
Zur Belohnung wartet nun das Duell gegen Weltmeister Argentinien. Und der 40-jährige Keeper Vózinha, tausendarmiger Held beim 0:0 gegen Spanien, schwärmt vorab:
Es ist für jeden Spieler ein Traum, gegen Argentinien und Lionel Messi zu spielen.
Vózinha, Torhüter Kap Verde
Drei Remis und 2:2 Tore reichten den "Blauen Haien" zu Rang zwei und zum Highlightspiel gegen "La Albiceleste". Iran schied mit ebenfalls drei Remis und 3:3 Toren als einer von vier Gruppendritten aus. Neben sechs anderen von insgesamt neun Teams, die die Asiatische Fußball-Konföderation zur WM entsandt hat.
Mit einem Traumtor von Eldor Schomurodow beginnt die Partie DR Kongo - Usbekistan. Beide Mannschaften wollen es danach wissen - und am Ende klingelt es noch dreimal.
28.06.2026 | 7:28 minGhana und Kap Verde: starke Defensive, unberechenbarer Sturm
Ein dürftiges Ergebnis für Asien - für die Afrikaner dagegen ist die Endrunde bereits jetzt ein großer Erfolg: Mal, wie im Fall von Ghana oder Kap Verde, dank ausgefeilter Defensivarbeit. Mal, wie bei Marokko, der Elfenbeinküste, dem Senegal oder Algerien, auch wegen der Unberechenbarkeit ihrer Sturmreihen.
Vladimir Petkovic weiß um die länderübergreifende Bedeutung der beachtlichen Zwischenbilanz. "Es ist sehr wichtig für den ganzen afrikanischen Kontinent", betont Algeriens Nationalcoach. Denn: "Die Teams aus Afrika zeigen starke Leistungen - und dass sie mithalten können. Das ist sehr wichtig für das Selbstvertrauen."
Selbstbewusste Marokkaner
Die besten Aussichten, es wieder weit zu bringen, hat aus afrikanischer Sicht Marokko. Mit den Niederlanden wartet auf den WM-Vierten von 2022 in der Nacht auf Dienstag allerdings eine große Hürde.
Was die Gegner angeht, erwähnt ihr Topstar Achraf Hakimi dazu, habe Marokko keine Präferenzen. "Alle wissen, dass wir hier sind, um so weit wie möglich zu kommen", stellte der Champions-League-Sieger von Paris Saint-Germain stattdessen klar.
Haiti ist bereits ausgeschieden, lässt gegen Marokko jedoch alles auf dem Rasen und erzielt seine ersten Tore bei dieser WM. Beide Teams liefern sich einen spektakulären Schlagabtausch.
25.06.2026 | 9:09 minGhanaischer Pragmatismus
In puncto Pragmatismus übertroffen wird Hakimi da nur noch von Carlos Queiroz (73). Befragt zur destruktiven Spielweise seiner Mannschaft beim 0:0 gegen England dozierte Ghanas erfahrener Coach:
Du tanzt nicht Samba, wenn Rock’n’Roll gespielt wird.
Carlos Queiroz, Nationaltrainer Ghana
Nächster Tanzpartner der Westafrikaner ist Kolumbien. In der Nacht zum Samstag, im letzten Duell des Sechzehntelfinales.
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