Fußball-Sommermärchen in Deutschland:Klinsmann wollte für 2006 volle Entscheidungsfreiheit
von Sebastian Ungermanns
Die Entscheidung für Jürgen Klinsmann als Trainer des DFB-Teams 2004 kam überraschend. Der verlangte von den DFB-Verantwortlichen einiges.
Er war Bundestrainer bei der Heim-WM 2006: Jürgen Klinsmann. (Archiv)
Quelle: ImagoWer zwei Jahre vor der WM im eigenen Land ohne Fußball-Bundestrainer dasteht, dem kann es nicht so richtig gut gehen. Der DFB war bei der EM 2004 in der Gruppenphase gescheitert, zwei Jahre vor der WM in Deutschland war man nach dem Rücktritt von Rudi Völler zu allem Überfluss dann auch noch auf der Suche nach einem neuen Bundestrainer.
Doch es wollte keiner. Die deutschen Fußball-Bosse handelten sich eine Absage nach der anderen ein. Es brauchte eine USA-Reise und Berti Vogts für die zündende Idee. Und die hatte einen Namen.
Klinsmann will volle Entscheidungsfreiheit
Jürgen Klinsmann, Weltmeister von 1990, der bis dato noch nie ein Team trainiert hatte und klare Bedingungen stellte: "Was ich brauche, ist, und das habe ich klar zum Ausdruck gebracht, eine Carte Blanche", also volle Entscheidungsfreiheit, erzählt Klinsmann in der ZDF-Dokumentation "Mission Sommermärchen".
Ab 20. Mai streamen: Vor der WM 2006 steht der deutsche Fußball am Abgrund. Klinsmanns Revolution wankt – bis sein junges Team das Land elektrisiert: Die unerzählte Vorgeschichte und Emotionen hautnah.
14.04.2026 | 1:30 minDie DFB-Bosse schluckten, waren aber ohne echte Alternative - also schlugen sie ein. Klinsmann begann, die Nationalelf auf Links zu drehen. Das gefiel nicht jedem. Legende Franz Beckenbauer hatte für den unerfahrenen Klinsmann schon einen Co-Trainer im Sinn. Doch Holger Osieck stand für den Weltmeister von 1990 zu sehr für das Establishment - er entschied sich für jemand anderen.
So kam Jogi Löw zum DFB
"Ich war an einem schönen Morgen im Sommer joggen im Wald und relativ früh klingelt mein Telefon und der Jürgen war dran", erinnert sich Joachim Löw, der später als Cheftrainer Weltmeister mit Deutschland werden sollte. "Ich konnte eigentlich sein Grinsen im Gesicht spüren", erzählt Klinsmann über Löw, nachdem er ihm am Handy kurz das Jobangebot seines Lebens gemacht hatte.
Doch wieso eigentlich Löw? Wieso nicht einen anderen, erfahreneren Coach? "Die Form, wie er Dinge erklärt auf dem Platz. Ganz kurz und sehr klar, das hat beim Trainerlehrgang alle begeistert", schwärmt der Cheftrainer des DFB-Teams beim "Sommermärchen".
Klinsmann überzeugt Löw in Mailand
Für den Freiburger und Weltmeistertrainer von 2014 Löw war dabei allerdings nicht immer klar, dass er auch wirklich Co-Trainer wird. Doch ein Satz hallte nach: "Was mir noch in den Ohren liegt: Es wird auf keinen Fall so weitergehen wie bislang." Löw fuhr nach Mailand - und über einem Teller Spaghetti überzeugte Klinsmann ihn endgültig.
So viel darf verraten werden - es wurde einiges anders. Am Ende wäre der Hockey-Bundestrainer fast DFB-Sportdirektor geworden. Wieso? Das kann man sehen in der ZDF-Dokumentation "Mission Sommermärchen".
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