Nummer zwei hinter Lehmann:Kahn über seine WM 2006: "Es war gut so, wie es war"
WM-Viertelfinale 2006: Oliver Kahn spricht Jens Lehmann für das Elfmeterschießen Mut zu. Das Bild geht um die Welt. Ein Moment mit Vorgeschichte.
Ein Bild das um die Welt ging: Vor dem Elfmeterschießen gegen Argentinien bei der WM 2006 spricht Oliver Kahn (l.) Jens Lehmann (r.) Mut zu.
Quelle: dpa | WDRWM-Viertelfinale 2006: In Berlin brandete Jubel auf - nicht etwa, weil Deutschland gegen Argentinien gewonnen hatte, das kam erst später. Vor dem Elfmeterschießen ging Ersatztorhüter Oliver Kahn zu der deutschen Nummer eins Jens Lehmann und wünschte ihm viel Glück.
Kahn, der vier Jahre zuvor noch als Nummer eins Deutschland ins Finale geführt hatte und seinen Stammplatz vor der WM an eben jenen Lehmann verlor, zeigte nun Größe.
Kahn: "Es war gut so, wie es war"
Am Ende gewann Deutschland das Viertelfinale, Kahn bekam im Spiel um Platz drei einen würdigen Rahmen für seinen Abschied aus der Nationalmannschaft. "Okay, es war gut so, wie es war", gab er im Rahmen der ZDF-Dokumentation "Mission Sommermärchen" mit zu. Dass er das jemals so positiv sehen würde, war nicht immer klar.
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14.04.2026 | 1:30 minNach seinem gravierenden Fehler im WM-Finale 2002 (aus dem die Führung Brasiliens resultierte) ging der "Titan" nämlich durch ein kleines Tal - privat wie sportlich. Auf dem Fußballplatz häuften sich seine Fehler, privat seine zuvor nie dagewesenen Eskapaden. "Spätpubertäre Phase" nannte er das selbst in der ZDF-Doku.
Doch er kämpfte sich zurück, trainierte hart und fand zu alter Form. Dennoch schien seit der Anstellung von Jürgen Klinsmann als Bundestrainer nichts mehr wie es war.
Kahn verliert Kapitänsamt
Er setzte Kahn gleich zu Beginn als Kapitän ab, rief einen offenen Zweikampf zwischen ihm und Jens Lehmann um die Position des Nationaltorhüters aus und entließ später sogar noch den Kahn-Vertrauten und Torwarttrainer der Nationalmannschaft Sepp Maier.
"Ich meine, da kann man ja nur naiv sein, wenn man diese Zeichen nicht erkennt", so der langjährige Bayern-Spieler, angesprochen auf die Entlassung Maiers im Oktober 2004.
Trotzdem kämpfte er um seine Chance, bei der Heim-WM im Tor zu stehen. Er verlor, Lehmann wurde die Nummer eins. Oliver Kahn erfuhr davon in einem Meeting.
"Ich komme dann in diesen Raum, und da sitzt dann Jürgen Klinsmann, Olli Bierhoff, Jogi Löw, Andy Göpke, alle mit tief betretener Miene. Dann hat Jürgen gesagt: 'Ja, also wir haben uns entschieden, Jens wird die Fußball-Weltmeisterschaft spielen.'"
Zweifel an der Nummer eins im Tor
Nicht wenige rieten der Torwartlegende damals zum Rücktritt aus dem DFB-Team. Zu viel sei passiert. Doch Kahn entschied sich nach kurzer Bedenkzeit anders:
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07.05.2026 | 16:20 min"Ich habe dann sonntags noch Zeit gehabt, mir das Ganze mal zu überlegen", erinnert sich der 56-Jährige. "Das ist alles ungerecht. Du musst da spielen und das mache ich nicht mit. Ich trete jetzt zurück. Ja, das ist der normale Reflex. Aber es gäbe auch einen anderen."
Er machte weiter, stellte sich in den Dienst der Mannschaft und ging als Ersatztorhüter ins Turnier. "Für mich ist wichtig und entscheidend, dass wenn ich morgens aufstehe und in den Spiegel schaue, da möchte ich dann im besten Fall jemanden erkennen, der nicht weggelaufen ist", erklärt er. Er sei nicht weggelaufen - das Ergebnis ist bekannt. Und Kahn sagt am Ende der Doku: "Okay, es war gut so, wie es war."
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von Sebastian Ungermannsmit Video1:30