Florian Lipowitz - so sind die Aussichten für die Tour de France

Tour de France 2026:"Wingmann" Lipowitz ganz im Dienst von "Frontmann" Evenepoel

von Stephan Klemm

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Radprofi Florian Lipowitz startet ab Samstag aussichtsreich und als Sieger der Slowenien-Rundfahrt in die Tour de France. Die Rollenverteilung mit Remco Evenepoel ist geklärt.

Tadej Pogacar und Florian Lipowitz am 02.05.26

Das härteste Radrennen der Welt feiert seine 113. Ausgabe: Am Samstag beginnt die Tour de France. Mit dabei die Überflieger Pogacar, Vingegaard, Evenepoel und Lipowitz.

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Ein Bereich im Zentrum von Barcelona war am Donnerstagabend eine hellgelbe Zone. Die Tour de France ist gerade zu Gast und die Zuschauer, die die Parade der 21 Teams zwischen dem Jugendstil-Klinikkomplex Hospital de la Santa Creu i Sant Paul und der Sagrada Familia beobachteten, trugen zumeist gelben Kappen. Die hatte ihnen einer der Tour-Sponsoren zugeworfen.

Vor der phänomenalen Kirche Sagrada Familia, ein spektakuläres Gebirge aus Stein, führte eine gelbe Rampe hinauf auf die Bühne, das Gotteshaus leuchtete dabei pittoresk im Abendlicht. Und Florian Lipowitz betonte bei seiner Vorstellung selbstbewusst: "Das Weiße Trikot des besten Jungprofis kann ich nicht mehr gewinnen, weil ich inzwischen 25 und damit zu alt bin. Aber vielleicht bekommen wir dieses Jahr ja noch ein größeres Ziel umgesetzt."

Remco Evenepoel ist Anwärter auf ersten Tagessieg

Ein noch größeres Ziel - das entspricht einem verbalen Ausreißversuch des ansonsten mit Aussagen sehr zurückhaltenden Radprofis aus Laichingen auf der Schwäbischen Alb. Denn noch größer ist nur die auch schon am Donnerstag so präsente Farbe Gelb. Doch mit seiner Aussage ist zunächst kein Angriff auf den Tour-Topfavoriten Tadej Pogacar und dessen zuletzt erobertes Gelbes Trikot gemeint, sondern die Aussicht, die sich zum Tourstart an diesem Samstag bietet.

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Dann steht ein Team-Zeitfahren an, auf dass sich Lipowitz' Mannschaft Red Bull Bora-hansgrohe akribisch vorbereitet hat. Lipowitz' Teamkollege, der belgische Topstar Remco Evenepoel, gilt als einer der Anwärter auf den Tagessieg und damit das erste Gelbe Trikot dieser Tour. Evenepoel ist derzeit der beste Zeitfahrer der Welt. Aufgehen könnte der Plan, weil diesmal die Zeit jedes einzelnen Fahrers gewertet wird und nicht, wie sonst üblich, die des fünften Profis, der die Ziellinie passiert.

Der Unterschied zwischen Frontmann und Wingmann

In der offiziellen Lesart des Teams heißt es, Lipowitz und Evenepoel starten als Co-Kapitäne ins Rennen. Teamchef Ralph Denk sagte allerdings vor der Tour: "Remco ist der Frontmann, Florian der Wingmann." Also der Mann neben dem Frontmann. Diesen Spruch versuchte Denk noch im selben Gespräch wieder einzufangen: "Das war nur ein Stück weit so daher gesagt, weil Remco als Doppel-Olympiasieger und Weltmeister natürlich im Fokus steht."

Lipowitz unterstützt die Zwei-Kapitäne-Regel intensiv, vor allem deshalb, weil sie ihm viel Druck nimmt. Evenepoel sei der Mann für die erste Hälfte der Tour, da gebe es einige Tagesabschnitte, die ihm sehr entgegenkämen, sagte Lipowitz zuletzt. Er selbst hingegen sei für die dritte Woche in den Alpen prädestiniert, die den Profis ein Crescendo an Höchstschwierigkeiten abverlangt.

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Lipowitz gilt als einer der besten Bergfahrer der Welt. Und im Hochgebirge zeigte Evenepoel zuletzt Schwächen. Das Team müsse flexibel sein und letztlich werde für den Besseren gefahren, betont Lipowitz. Das Ziel des Teams ist die Verteidigung des im vergangenen Juli eroberten Podiumsplatzes in der Tour-Gesamtwertung.

Lipowitz: "Ich habe mich als Fahrer noch weiterentwickelt."

Für Lipowitz ging es in dieser Saison vor allem darum, genau diesen Erfolg zu bestätigen. Das gelang ihm durchaus: Platz drei bei der Katalonien-Rundfahrt im März, Platz zwei bei der Baskenland-Rundfahrt im April und bei der Tour de Romandie im Mai.

Sein letztes Vorbereitungsrennen, die Slowenien-Rundfahrt gewann Lipowitz Ende Juni, hinzu kamen zwei Tageserfolge: "Das war eine schöne Sache für mich." Was das aber für die Tour bedeutet "lässt sich schwer sagen, weil sie viel, viel härter ist als die Slowenien-Rundfahrt".

Lipowitz sagt, er habe sich 2026 "als Fahrer noch einmal weiterentwickelt". Er ist stressresistenter geworden und noch einmal ausdauernder in den langen Anstiegen. Das Wichtigste für ihn sei aber vor dem Start der Tour die Feststellung: "Die Beine sind da." Übersetzt aus der Sprache der Radprofis heißt das: Er fühlt sich bereit und in Topform.

Sendebezug: Über dieses Thema berichtete das ZDF im Beitrag "Tour de France: Auf der Suche nach dem Überflieger" am 01.07.2026 um 18:12 Uhr.

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