Reformpaket der Koalition: Wer mehr Kröten schlucken musste

Analyse

Einigung auf Reformpaket:Koalition ist handlungsfähig, Kröten vor allem für die SPD

von Diana Zimmermann und Dominik Rzepka

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Schwarz-Rot beweist Handlungsfähigkeit, die Koalition ist nicht am Ende. Doch in dem von ihr beschlossenen Reformpaket stecken auch Kröten - ein paar mehr für die Sozialdemokraten.

Pressekonferenz zu Ergebnissen des Koalitionsausschusses

Lange hat die Regierung nach Kompromissen gesucht, etwa für Steuer- und Rentenreform. Jetzt hat sich die Koalition geeinigt und stellt ihre Pläne vor. ZDFheute live zeigt, was sich ändern soll.

02.07.2026 | 67:33 min

Schon das Bild ist eine Botschaft. Draußen, im Garten des Kanzleramts, treten die vier Parteivorsitzenden vor die Presse. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint bei 21 Grad und im Hintergrund wehen Deutschland- und Europafahnen.

Welcher Parteichef inszeniert nicht gerne Handlungsfähigkeit vor dieser Kulisse?

Und so spricht Kanzler Friedrich Merz von einem "guten Tag für Deutschland". Er sagt, man könne stolz sein auf das beschlossene Reformpaket. Und dass "die von mir geführte Koalition" funktioniere.

Wir wollen Deutschland wieder flottkriegen. Jetzt ist klar, dass das möglich ist.

Friedrich Merz, CDU

Markus Söder (CSU, l-r), Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Bärbel Bas (SPD), Bundesministerin für Arbeit und Soziales, und Lars Klingbeil (SPD), Bundesminister der Finanzen, geben im Garten des Kanzleramtes eine Pressekonferenz nach der Sitzung des Koalitionsausschusses.

Die schwarz-rote Koalition einigt sich auf ein Reformpaket: Entlastungen bei Einkommensteuer, Krankschreibung ab dem ersten Tag und Rentenbeschlüsse. Ein Ausschnitt aus der Pressekonferenz.

02.07.2026 | 1:07 min

Welche Botschaft der Koalition wichtig ist

CSU-Chef Markus Söder sagt, es gehe voran "und zwar mit wachsendem Tempo". Und er sagt, sollte daran noch jemand Zweifel haben:

Die Koalition handelt.

Markus Söder, CSU

Und als ob das nicht schon deutlich genug wäre, setzt SPD-Chef Lars Klingbeil noch einen drauf. Das Paket stehe für mutige Reformen. Wenn man in ein paar Jahren auf den heutigen Tag zurück schaue, werde man sagen: Ja, der Staat funktioniert. Der 2. Juli 2026 also ein Tag für die Geschichtsbücher?

ZDF-Korresponentin Trams ist zu sehen und schaut in die Kamera.

Union und SPD haben sich auf ein Reformpaket geeinigt. "Nach viel Streit in den vergangenen Monaten und Wochen zeigt das, dass man wohl doch noch Kompromiss kann", sagt ZDF-Korrespondentin Trams.

02.07.2026 | 1:08 min

Diese Kröten muss die SPD schlucken

Es stimmt schon. Die Koalition hat sich geeinigt und das ist ein gutes Zeichen. Regierungen müssen handlungsfähig sein und Schwarz-Rot hat das heute unter Beweis gestellt.

Entscheiden allerdings muss am Ende der Bundestag, müssen die Fraktionen von Union und SPD. Und gerade die Sozialdemokraten dürften mit der ein oder anderen Entscheidung unglücklich sein.

Keine telefonische Krankschreibung mehr, Krankschreibungen schon ab dem ersten Tag und keine Änderungen bei der Erbschaftssteuer, worauf CSU-Chef Söder genüsslich hinweist.

Berlin, Deutschland, 01.07.2026: Bundesverteidigungsministerium: Pressekonferenz nach Kabinettssitzung: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)

Nach gut acht Stunden im Kanzleramt waren sich die Spitzen der Koalition einig: Ein umfassendes Reformpaket steht. Eine große Herausforderung war wohl die Einkommenssteuer.

02.07.2026 | 0:28 min

Entlastungen fallen geringer aus

Außerdem war SPD-Chef Klingbeil mit zwei Modellen in die Verhandlungen gegangen. Eines beinhaltete 28 Milliarden Euro Entlastung, ein anderes 17 Milliarden. Geworden sind es am Ende zehn Milliarden. Das ist nicht nichts. Aber ein großes Paket, wie versprochen, ist es auch nicht gerade.

Die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und die Tatsache, dass befristete Verträge jetzt öfter - nämlich sechs Mal verlängert werden können - auch das ist für die SPD schwer zu verdauen. Geschuldet dürfte das auch der schwächelnden Wirtschaft in Deutschland sein.

Mitarbeiter der Deutschen Post sortieren im Zustellstützpunkt Magdeburg-Buckau Briefe.

Braucht Deutschland eine Abkehr vom Acht-Stunden-Tag? Ja, sagt Steffen Kampeter, der Arbeitgeber vertritt. Michaela Engelmeier vom Sozialverband Deutschland widerspricht.

06.06.2026 | 2:11 min

Wo sich die SPD durchgesetzt hat

Der größte sichtbare Erfolg der Sozialdemokraten: die Anhebung der sogenannten Reichensteuer. 45 Prozent für Einkommen ab 250.000 Euro im Jahr, 47 Prozent für solche ab 280.000 Euro. Klingbeil sagt:

Die Höchstverdiener in unsrem Land werden also einen größeren Anteil übernehmen.

Lars Klingbeil, SPD

Das sei eine Frage der Fairness. Und gerecht, damit Deutschland voran komme. Klingbeil klingt hier einmal kurz wie der Juso-Chef. Also fast wie ein Linker.

Die SPD kann sich außerdem auf die Fahnen schreiben, Einschnitte beim Kündigungsschutz oder die Kürzung des Arbeitslosengeldes verhindert zu haben.

Das Bild zeigt einen gestikulierenden Bundeskanzler Friedrich Merz.

Kanzler Merz kritisiert: Die Deutschen sind zu oft krank. Hat er Recht? ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Britta Buchholz hat sich die Gründe für den (hohen) Krankenstand angeschaut.

23.01.2026 | 11:21 min

Und am Ende kommt die Sonne raus

Die Reichensteuer ist der Punkt, wo auch die Union von ihrem Baum runterkommen musste. Steuererhöhungen hatte sie stets ausgeschlossen. CSU-Chef Söder sagt, eine Koalition bedeute nun einmal Kompromisse.

Die Einigung sei insgesamt aber fair und "ein weiterer Schritt zur Vertrauensbildung". Und dann sagt er noch, "dass diese Koalition Zukunft hat".

Am Ende ihres Statements scheint die Sonne auf ihn. Und auf Merz, der neben ihn steht. SPD-Chefin Bärbel Bas und ihr Ko-Vorsitzender Klingbeil stehen kurz im Schatten. Es ist vielleicht ein kleiner Schönheitsfehler dieses ansonsten so wohl inszenierten Morgens.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 02.07.2026 ab 9:00 Uhr.

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  2. Symbolbild: Eine Person hält eine ausgefüllte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung in der Hand.

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    "Lanz"-Debatte zum Koalitionsausschuss:Journalistin Anna Lehmann: "Ausbeutung in Reinform"

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