Krankmeldung: Verschärfte Regeln für Krankschreibungen geplant

Reformpaket sieht schärfere Regeln vor:Schwarz-roter Plan: Krankschreibung bereits ab Tag eins

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Geht es nach der schwarz-roten Koalition, müssen Erkrankte künftig bereits ab dem ersten Krankheitstag ein Attest vorlegen. Hausärzte äußerten bereits Kritik an dem Reformplan.

Markus Söder (CSU, l-r), Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Bärbel Bas (SPD), Bundesministerin für Arbeit und Soziales, und Lars Klingbeil (SPD), Bundesminister der Finanzen, geben im Garten des Kanzleramtes eine Pressekonferenz nach der Sitzung des Koalitionsausschusses.

Die schwarz-rote Koalition einigt sich auf ein Reformpaket: Entlastungen bei Einkommensteuer, Krankschreibung ab dem ersten Tag und Rentenbeschlüsse. Ein Ausschnitt aus der Pressekonferenz.

02.07.2026 | 1:07 min

Angesichts hoher Fehlzeiten in Unternehmen sollen die Regeln für Krankschreibungen von Beschäftigten nach den Plänen der schwarz-roten Koalition verschärft werden.

Eingeführt werden soll die verpflichtende Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Tag der Erkrankung, wie Union und SPD nach Beschlüssen des Koalitionsausschusses mitteilten. Bisher ist eine ärztliche Bescheinigung erst ab dem vierten Tag vorgeschrieben.

Telefonische Krankschreibungen sollen abgeschafft werden

Abgeschafft werden soll zudem die Möglichkeit zu telefonischen Krankschreibungen. Seit Ende 2023 können Patientinnen und Patienten damit auch ohne Praxisbesuch eine Arbeitsunfähigkeit feststellen lassen - unter der Bedingung, dass man in der Praxis bekannt ist und keine schweren Symptome hat.

Ökonomin Nadine Riedel von der Universität Münster

Die Ökonomin Nadine Riedel befürwortet die strengeren Regeln für Krankschreibungen. "Die Telefonische Krankschreibung hat Krankheitstage ausgeweitet", sagt sie bei ZDFheute live.

02.07.2026 | 2:24 min

Krankschreiben lassen kann man sich für bis zu fünf Kalendertage. Geregelt ist dies in einer Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken. Vorbild war eine Sonderregelung, die es in der Corona-Pandemie gegeben hatte, um Ansteckungen zu vermeiden.

Anna Lehmann bei "Markus Lanz".

Anna Lehmann von der taz warnt bei "Markus Lanz" angesichts der Reformen vor Ausbeutung von Beschäftigten. Veit Medick vom "Stern" fordert eine positivere Darstellung der Reformen.

02.07.2026 | 60:16 min

Krankschreibung ab erstem Tag wegen "Wettbewerbsnachteil"

Die Änderung zur Krankschreibung sei eine harte Entscheidung, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Pressekonferenz in Berlin.

Wir können uns diesen Wettbewerbsnachteil durch lange Abwesenheiten in den Unternehmen nicht mehr leisten.

Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler

Der CDU-Chef sprach von "exorbitant gestiegenen Krankenständen" nach Corona.

Außerdem soll die unrichtige Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nach Paragraf 278 des Strafgesetzbuches stärker bestraft werden. Dort ist derzeit geregelt, dass das Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet wird.

Bilder von Markus Söder, Friedrich Merz, Bärbel Bas, Lars Klingbeil

Lange hat die Regierung nach Kompromissen gesucht, etwa für Steuer- und Rentenreform. Jetzt hat sich die Koalition geeinigt und stellt ihre Pläne vor. ZDFheute live zeigt, was sich ändern soll.

02.07.2026 | 69:37 min

Hausärzte befürchten "komplette Überlastung"

Scharfe Kritik an dem Koalitionsvorhaben kam von Hausärzten. Die Beschlüsse seien "absolut katastrophal", sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Markus Blumenthal-Beier, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Auf unsere Praxen kommt damit eine riesige Bürokratiewelle zu, die kaum zu bewältigen sein wird.

Markus Blumenthal-Beier, Vorsitzender des Hausärzteverbandes

Die Koalition macht sich mit diesen "vollkommen faktenfreien Beschlüssen" nicht nur unglaubwürdig, sie nehme auch die "komplette Überlastung unserer Praxen" billigend in Kauf.

Die Folgen werden längere Wartezeiten für die Patientinnen und Patienten sein, die wirklich unsere medizinische Hilfe brauchen.

Markus Blumenthal-Beier, Vorsitzender des Hausärzteverbandes

Alle Statistiken und Untersuchungen belegten "zweifelsfrei", dass die telefonische Krankschreibung nicht zu mehr Krankschreibungen geführt habe. Es handele sich um einen statistischen Effekt, weil durch die elektronische Erfassung mehr Krankschreibungen in der Statistik auftauchten.

Quelle: dpa, epd, AFP
Über dieses Thema berichtete unter anderem ZDFheute live am 02.07.2026 ab 08:50 Uhr.

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