Reformpaket sieht schärfere Regeln vor:Schwarz-roter Plan: Krankschreibung bereits ab Tag eins
Geht es nach der schwarz-roten Koalition, müssen Erkrankte künftig bereits ab dem ersten Krankheitstag ein Attest vorlegen. Hausärzte äußerten bereits Kritik an dem Reformplan.
Die schwarz-rote Koalition einigt sich auf ein Reformpaket: Entlastungen bei Einkommensteuer, Krankschreibung ab dem ersten Tag und Rentenbeschlüsse. Ein Ausschnitt aus der Pressekonferenz.
02.07.2026 | 1:07 minAngesichts hoher Fehlzeiten in Unternehmen sollen die Regeln für Krankschreibungen von Beschäftigten nach den Plänen der schwarz-roten Koalition verschärft werden.
Eingeführt werden soll die verpflichtende Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Tag der Erkrankung, wie Union und SPD nach Beschlüssen des Koalitionsausschusses mitteilten. Bisher ist eine ärztliche Bescheinigung erst ab dem vierten Tag vorgeschrieben.
Telefonische Krankschreibungen sollen abgeschafft werden
Abgeschafft werden soll zudem die Möglichkeit zu telefonischen Krankschreibungen. Seit Ende 2023 können Patientinnen und Patienten damit auch ohne Praxisbesuch eine Arbeitsunfähigkeit feststellen lassen - unter der Bedingung, dass man in der Praxis bekannt ist und keine schweren Symptome hat.
Die Ökonomin Nadine Riedel befürwortet die strengeren Regeln für Krankschreibungen. "Die Telefonische Krankschreibung hat Krankheitstage ausgeweitet", sagt sie bei ZDFheute live.
02.07.2026 | 2:24 min
Krankschreiben lassen kann man sich für bis zu fünf Kalendertage. Geregelt ist dies in einer Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken. Vorbild war eine Sonderregelung, die es in der Corona-Pandemie gegeben hatte, um Ansteckungen zu vermeiden.
Anna Lehmann von der taz warnt bei "Markus Lanz" angesichts der Reformen vor Ausbeutung von Beschäftigten. Veit Medick vom "Stern" fordert eine positivere Darstellung der Reformen.
02.07.2026 | 60:16 minKrankschreibung ab erstem Tag wegen "Wettbewerbsnachteil"
Die Änderung zur Krankschreibung sei eine harte Entscheidung, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Pressekonferenz in Berlin.
Wir können uns diesen Wettbewerbsnachteil durch lange Abwesenheiten in den Unternehmen nicht mehr leisten.
Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler
Der CDU-Chef sprach von "exorbitant gestiegenen Krankenständen" nach Corona.
Außerdem soll die unrichtige Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nach Paragraf 278 des Strafgesetzbuches stärker bestraft werden. Dort ist derzeit geregelt, dass das Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet wird.
Lange hat die Regierung nach Kompromissen gesucht, etwa für Steuer- und Rentenreform. Jetzt hat sich die Koalition geeinigt und stellt ihre Pläne vor. ZDFheute live zeigt, was sich ändern soll.
02.07.2026 | 69:37 minHausärzte befürchten "komplette Überlastung"
Scharfe Kritik an dem Koalitionsvorhaben kam von Hausärzten. Die Beschlüsse seien "absolut katastrophal", sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Markus Blumenthal-Beier, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Auf unsere Praxen kommt damit eine riesige Bürokratiewelle zu, die kaum zu bewältigen sein wird.
Markus Blumenthal-Beier, Vorsitzender des Hausärzteverbandes
Die Koalition macht sich mit diesen "vollkommen faktenfreien Beschlüssen" nicht nur unglaubwürdig, sie nehme auch die "komplette Überlastung unserer Praxen" billigend in Kauf.
Die Folgen werden längere Wartezeiten für die Patientinnen und Patienten sein, die wirklich unsere medizinische Hilfe brauchen.
Markus Blumenthal-Beier, Vorsitzender des Hausärzteverbandes
Alle Statistiken und Untersuchungen belegten "zweifelsfrei", dass die telefonische Krankschreibung nicht zu mehr Krankschreibungen geführt habe. Es handele sich um einen statistischen Effekt, weil durch die elektronische Erfassung mehr Krankschreibungen in der Statistik auftauchten.
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