Flüchtlingspolitik der EU:Was der Milliarden-Deal mit Ägypten gebracht hat
von Susana Santina, Kairo
Im März 2024 schloss die EU mit Ägypten ein Abkommen mit Ziel, Flüchtlinge aus der EU fernzuhalten und die Versorgung der Geflüchteten im Land zu verbessern. Was hat es gebracht?
Mit EU-Geldern soll Ägypten illegale Geflüchtete Richtung Europa abweisen und deren Versorgung im Land verbessern.
07.08.2026 | 2:11 minDie 27-jährige Rahwan ist mit ihrem Vater, zwei Tanten und ihrer Großmutter nach Ägypten geflohen. In ihrem Heimatland Sudan hätten sie wegen des Bürgerkriegs um ihr Leben fürchten müssen.
Wir treffen sie in ihrer Wohnung in Kairo. Die könnten sie sich nur Dank einiger Familienmitglieder leisten, sagt Rahwan. Hilfe von der ägyptischen Regierung hätten sie nie bekommen. "Weder für Miete noch für Lebensunterhalt, medizinische Versorgung oder sonst irgendwas."
Außerdem dürfen wir hier nicht arbeiten. Viele unserer Landsleute leben buchstäblich auf der Straße.
Rahwan, Geflüchtete
Andere würden illegal arbeiten, "extrem lange, nur um sich was zu Essen zu leisten", fügt Rahwan hinzu.
EU-Flüchtlingsdeal soll Flüchtlinge fernhalten
Im April 2023 begann im Sudan ein verheerender Bürgerkrieg. Es ist derzeit die schwerste humanitäre Katastrophe der Welt. Rund die Hälfte der Bevölkerung leidet unter akutem Hunger. Und mehr als 14 Millionen Menschen sind wegen des Bürgerkriegs auf der Flucht. Rund 850.000 sudanesische Geflüchtete halten sich laut UN-Angaben bis heute in Ägypten auf.
"Im Sudan haben über 20 Millionen Menschen Probleme genug Essen zu finden" und das Land stehe vor enormen humanitären Schwierigkeiten, sagt der Afrika-Experte Gerrit Kurtz.
15.04.2026 | 5:04 minWeil die EU befürchtete, dass sie hier nicht bleiben werden, schloss sie im März 2024 mit der ägyptischen Regierung ein Abkommen. Kairo bekommt insgesamt 7,4 Milliarden Euro und soll dafür Flüchtlinge aus der Europäischen Union fernhalten.
Das Geld sollte aber auch fließen, um die Versorgung der Geflüchteten in Ägypten und die Menschenrechtslage zu verbessern.
Fehlende Sanktionsmöglichkeiten im Abkommen mit Ägypten
Nichts davon sei aber passiert, sagt Karl Kopp, Europareferent von Pro Asyl. Man habe diesen Flüchtlingsdeal mit dem autokratischen Ägypten von Anfang an abgelehnt, nun fühle man sich bestätigt: "Es gibt immer wieder illegale Zurückweisungen und Misshandlungen in willkürlicher Inhaftnahme."
Wegen des Flüchtlingsansturms auf die spanische Exklave Ceuta befassen sich die EU-Innenminister in einer Dringlichkeitssitzung mit der Lage und den politischen Konsequenzen.
04.08.2026 | 3:19 minDie Situation der Schutzsuchenden in Ägypten hat sich nicht verbessert, auch nicht die Menschenrechtslage. Dafür gibt es dramatisch viele Abschiebungen.
Karl Kopp, Europareferent Pro Asyl
Die Route über Ägypten und Libyen über das Mittelmeer nach Europa gehört zu den wichtigsten Fluchtrouten für Menschen aus dem Sudan. Die EU müsse auch mit autokratischen Staaten wie Ägypten im Gespräch bleiben, sagt Helena Hahn vom Brüsseler Thinktank "European Policy Center". Aber dieser Flüchtlingsdeal biete kaum Handhabe.
Einerseits herrscht wenig Klarheit darüber, was mit den Geldern tatsächlich gemacht wird, und ein noch größeres Problem ist, dass es keine Sanktionsmöglichkeiten gibt, etwa bei Menschenrechtsverletzungen.
Helena Hahn, Think Tank "European Policy Center"
Und was sagt Europa? In einem gemeinsamen Pressestatement der EU-Außenbeauftragen Kaja Kallas mit Vertretern Ägyptens Mitte Juni würdigte die EU, "die Bemühungen Ägyptens bei der Aufnahme einer erheblichen Zahl von Flüchtlingen und Asylsuchenden und bekräftigte ihr Engagement, Ägypten dabei zu unterstützen, denjenigen Schutz und Hilfe zu gewähren, die diese am dringendsten benötigen".
Während ihre Männer auf der gefährlichen Route über den Atlantik nach Europa verschwinden oder sterben, bleiben Frauen im Senegal mit Kindern, Trauer und Existenzsorgen zurück.
20.05.2026 | 5:20 minGeflüchtete in Ägypten wollen weiterreisen
Rahwan und ihre Familie wissen nichts von dem Flüchtlingsdeal mit der EU. Ihre Situation in Ägypten habe sich jedenfalls nicht verändert. "So Gott will, plane ich, in ein europäisches Land wie Deutschland zu ziehen", sagt Rahwan. "Ich hoffe von einem kostenlosen Bildungsangebot zu profitieren, ein Masterstudium zu machen und eine Arbeit zu finden".
In Ägypten sehen Rahwan und ihre Familie keine Zukunft. Und sie glauben, dass es den meisten Sudanesen hier genauso geht. Ende Juli ist eine weitere Rate des Gesamtpakets von 7,4 Milliarden Euro von der EU an Ägypten geflossen. Und auch der nächsten Tranche, die folgen soll, steht offenbar nichts im Weg.
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