Flüchtlings-Deal: Was die EU-Milliarden in Ägypten gebracht haben

Flüchtlingspolitik der EU:Was der Milliarden-Deal mit Ägypten gebracht hat

Susana Santina

von Susana Santina, Kairo

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Im März 2024 schloss die EU mit Ägypten ein Abkommen mit Ziel, Flüchtlinge aus der EU fernzuhalten und die Versorgung der Geflüchteten im Land zu verbessern. Was hat es gebracht?

Sudanesische Flüchtlingsfrauen reagieren an einem Sammelpunkt für Busse, die für ihre freiwillige Rückkehr aus Ägypten in den Sudan vorgesehen sind, in Kairo, Ägypten, 12. April 2025 (herausgegeben am 14. April 2025). Täglich fahren zwischen 30 und 40 Busse von verschiedenen Punkten der ägyptischen Hauptstadt mit rund 1.500 Passagieren von der Grenze zum Sudan ab, laut Angaben lokaler Verkehrsunternehmen. Sudanesische Flüchtlinge kehren nach und nach in ihr Land zurück, nachdem die sudanesische Armee die Kontrolle über die Hauptstadt Khartum von paramilitärischen Kämpfern der Rapid Support Forces (RSF) zurückerobert hat.

Mit EU-Geldern soll Ägypten illegale Geflüchtete Richtung Europa abweisen und deren Versorgung im Land verbessern.

07.08.2026 | 2:11 min

Die 27-jährige Rahwan ist mit ihrem Vater, zwei Tanten und ihrer Großmutter nach Ägypten geflohen. In ihrem Heimatland Sudan hätten sie wegen des Bürgerkriegs um ihr Leben fürchten müssen.

Wir treffen sie in ihrer Wohnung in Kairo. Die könnten sie sich nur Dank einiger Familienmitglieder leisten, sagt Rahwan. Hilfe von der ägyptischen Regierung hätten sie nie bekommen. "Weder für Miete noch für Lebensunterhalt, medizinische Versorgung oder sonst irgendwas."

Außerdem dürfen wir hier nicht arbeiten. Viele unserer Landsleute leben buchstäblich auf der Straße.

Rahwan, Geflüchtete

Andere würden illegal arbeiten, "extrem lange, nur um sich was zu Essen zu leisten", fügt Rahwan hinzu.

EU-Flüchtlingsdeal soll Flüchtlinge fernhalten

Im April 2023 begann im Sudan ein verheerender Bürgerkrieg. Es ist derzeit die schwerste humanitäre Katastrophe der Welt. Rund die Hälfte der Bevölkerung leidet unter akutem Hunger. Und mehr als 14 Millionen Menschen sind wegen des Bürgerkriegs auf der Flucht. Rund 850.000 sudanesische Geflüchtete halten sich laut UN-Angaben bis heute in Ägypten auf.

Sudan

"Im Sudan haben über 20 Millionen Menschen Probleme genug Essen zu finden" und das Land stehe vor enormen humanitären Schwierigkeiten, sagt der Afrika-Experte Gerrit Kurtz.

15.04.2026 | 5:04 min

Weil die EU befürchtete, dass sie hier nicht bleiben werden, schloss sie im März 2024 mit der ägyptischen Regierung ein Abkommen. Kairo bekommt insgesamt 7,4 Milliarden Euro und soll dafür Flüchtlinge aus der Europäischen Union fernhalten.

Das Geld sollte aber auch fließen, um die Versorgung der Geflüchteten in Ägypten und die Menschenrechtslage zu verbessern.

Fehlende Sanktionsmöglichkeiten im Abkommen mit Ägypten

Nichts davon sei aber passiert, sagt Karl Kopp, Europareferent von Pro Asyl. Man habe diesen Flüchtlingsdeal mit dem autokratischen Ägypten von Anfang an abgelehnt, nun fühle man sich bestätigt: "Es gibt immer wieder illegale Zurückweisungen und Misshandlungen in willkürlicher Inhaftnahme."

Eine Gruppe von Migranten macht sich am 02.08.2026 in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika auf den Rückweg von der Kurzzeitaufnahmeeinrichtung CETI in Richtung Grenzübergang nach Marokko, begleitet von spanischen Infanteriesoldaten.

Wegen des Flüchtlingsansturms auf die spanische Exklave Ceuta befassen sich die EU-Innenminister in einer Dringlichkeitssitzung mit der Lage und den politischen Konsequenzen.

04.08.2026 | 3:19 min

Die Situation der Schutzsuchenden in Ägypten hat sich nicht verbessert, auch nicht die Menschenrechtslage. Dafür gibt es dramatisch viele Abschiebungen.

Karl Kopp, Europareferent Pro Asyl

Die Route über Ägypten und Libyen über das Mittelmeer nach Europa gehört zu den wichtigsten Fluchtrouten für Menschen aus dem Sudan. Die EU müsse auch mit autokratischen Staaten wie Ägypten im Gespräch bleiben, sagt Helena Hahn vom Brüsseler Thinktank "European Policy Center". Aber dieser Flüchtlingsdeal biete kaum Handhabe.

Einerseits herrscht wenig Klarheit darüber, was mit den Geldern tatsächlich gemacht wird, und ein noch größeres Problem ist, dass es keine Sanktionsmöglichkeiten gibt, etwa bei Menschenrechtsverletzungen.

Helena Hahn, Think Tank "European Policy Center"

Und was sagt Europa? In einem gemeinsamen Pressestatement der EU-Außenbeauftragen Kaja Kallas mit Vertretern Ägyptens Mitte Juni würdigte die EU, "die Bemühungen Ägyptens bei der Aufnahme einer erheblichen Zahl von Flüchtlingen und Asylsuchenden und bekräftigte ihr Engagement, Ägypten dabei zu unterstützen, denjenigen Schutz und Hilfe zu gewähren, die diese am dringendsten benötigen".

Eine Frau, die mit ihrem Baby Händchen hält und auf der Straße in Joal spazieren geht.

Während ihre Männer auf der gefährlichen Route über den Atlantik nach Europa verschwinden oder sterben, bleiben Frauen im Senegal mit Kindern, Trauer und Existenzsorgen zurück.

20.05.2026 | 5:20 min

Geflüchtete in Ägypten wollen weiterreisen

Rahwan und ihre Familie wissen nichts von dem Flüchtlingsdeal mit der EU. Ihre Situation in Ägypten habe sich jedenfalls nicht verändert. "So Gott will, plane ich, in ein europäisches Land wie Deutschland zu ziehen", sagt Rahwan. "Ich hoffe von einem kostenlosen Bildungsangebot zu profitieren, ein Masterstudium zu machen und eine Arbeit zu finden".

In Ägypten sehen Rahwan und ihre Familie keine Zukunft. Und sie glauben, dass es den meisten Sudanesen hier genauso geht. Ende Juli ist eine weitere Rate des Gesamtpakets von 7,4 Milliarden Euro von der EU an Ägypten geflossen. Und auch der nächsten Tranche, die folgen soll, steht offenbar nichts im Weg.

Über das Flüchtlingsabkommen zwischen EU und Ägypten berichtete heute in Europa am 07.08.2026 ab 16:00 Uhr.

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