118 Millionen Menschen vertrieben:Weniger Flüchtlinge weltweit - erstmals seit zehn Jahren
Erstmals seit zehn Jahren meldet das UNHCR einen Rückgang der Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen: Dennoch sind weltweit weiterhin etwa 118 Millionen Menschen auf der Flucht.
Der Sudan war 2025 ein Brennpunkt der weltweiten Flüchtlingskrise (Archivbild).
Quelle: action pressWeltweit waren zu Jahresbeginn 117,8 Millionen Menschen aufgrund von Verfolgung, Konflikten, Gewalt, Menschenrechtsverletzungen oder Unsicherheit vertrieben. Das entspricht jedem 70. Bewohner der Erde, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) in seinem Jahresbericht mitteilte.
5,4 Millionen Flüchtlinge weniger - "Kein Entwarnungssignal"
Damit sank die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen erstmals seit einem Jahrzehnt - und zwar um 5,4 Millionen oder vier Prozent. Grund ist im Wesentlichen ein Anstieg der Rückkehrer in Länder, die aber weiter Brennpunkte von Flüchtlingskrisen sind, etwa Afghanistan, Kongo, Sudan und Syrien.
Nach wie vor seien "fast 118 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht", so Katharina Thote, UN-Flüchtlingshilfswerk in Deutschland. Der leichte Rückgang sei "nicht unbedingt ein Entwarnungssignal".
11.06.2026 | 5:46 minKatharine Tote, Vertreterin des UNHCR in Deutschland, sagte im ZDF, der verzeichnete Rückgang der Flüchtlingszahlen sei "kein Entwarnungssignal". Nicht alle Menschen seien freiwillig in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Zudem sei die Lage etwa in Afghanistan immer noch "sehr schwierig".
Mehrheit lebt in dauerhafter Flüchtlingssituation
Laut UNHCR lebten fast sieben von zehn Vertriebenen in einer dauerhaften Flüchtlingssituation, definiert als ein Exil von fünf Jahren oder mehr.
UN-Flüchtlingskommissar Barham Salih kommentierte das mit Sorge: Was als Rettungsleine gedacht sei, dauere teils ein Leben lang an. Betroffenen müsse ermöglicht werden, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.
Wir brauchen einen Paradigmenwechsel, der den Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, neue Hoffnung und neue Perspektiven eröffnet.
Barham Salih, UN-Flüchtlingskommissar
Die Lage für die Menschen im zerstörten Aleppo ist bedrückend. ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf macht sich vor Ort ein Bild
30.03.2026 | 1:28 minGelder für Flüchtlingshilfe gekürzt
Doch bei der Flüchtlingshilfe fehlen zunehmend Gelder. Katharine Tote vom UNHCR beklagt im ZDF die Kürzung von Beiträgen durch die größten Geberländer. Die Beiträge zur humanitären Hilfe seien 2025 "sehr stark gekürzt worden". Das betreffe "natürlich" die USA, aber auch Deutschland und andere Länder.
Für dieses Jahr sei der weltweite Bedarf für die Flüchtlingshilfe "ungefähr nur zu einem Drittel gedeckt", sagte Tote. Bereits im vergangenen Jahr seien daher Millionen Flüchtlinge weniger versorgt worden als ursprünglich geplant. Einige Programme seien sehr stark eingeschränkt worden.
Rückkehr in fragile Staaten
Von allen gewaltsam Vertriebenen werden 35,6 Millionen als Flüchtlinge und 68,7 Millionen als Binnenvertriebene klassifiziert. Die geschätzte Zahl von Asylsuchenden, die noch auf einen Bescheid warteten, stieg um rund 645.000 auf fast neun Millionen. Zudem gibt es weitere Personengruppen, die internationalen Schutz benötigen.
Durch die Angriffe der israelischen Armee flüchten die Menschen innerhalb des Libanons. Geschützt werden sie weder von der Terror-Miliz Hisbollah noch von ihrem eigenen Staat.
30.05.2026 | 2:10 min5,4 Millionen Menschen waren 2025 zur Flucht aus ihrem Land gezwungen. Sie stammten vor allem aus dem Sudan, der Ukraine und Venezuela. Demgegenüber kehrten 14,7 Millionen Flüchtlinge und Binnenvertriebene zurück, 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Laut UNHCR handelte es sich um eine der höchsten Rückkehrraten seit Beginn der Aufzeichnungen. Dabei seien die Bedingungen für eine Wiedereingliederung häufig äußerst schwierig, etwa im Kongo, Sudan, Syrien und Afghanistan.
Nicht berücksichtigt sind in der Statistik die Fluchtbewegungen der ersten Monate 2026, beispielsweise infolge des Iran-Kriegs. Ebenfalls nicht eingerechnet sind Menschen, die nach Naturkatastrophen, infolge des Klimawandels oder aus wirtschaftlicher Not fliehen.
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