Mehrere Länder bleiben aus Protest fern:Bundesregierung begrüßt Israels ESC-Teilnahme trotz Boykotts
Israel darf am Eurovision Song Contest 2026 in Wien teilnehmen. Einige Länder wollen fernbleiben - aus Protest. Die Bundesregierung bedauert das, stellt sich aber hinter Israel.
Israel darf beim Eurovision Song Contest 2026 antreten. Die Niederlande, Spanien und Irland haben ihre Teilnahme abgesagt.
04.12.2025 | 1:54 minBundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) befürwortet die Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest (ESC) im kommenden Jahr in Wien. "Wir begrüßen die Entscheidung, dass Israel teilnehmen kann", sagte er am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seiner isländischen Kollegin Thorgerdur Katrin Gunnarsdottir. Israel gehöre beim ESC "traditionell dazu". Auch ein Sprecher von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begrüßte die Teilnahme Israels.
Wadephul rief die Länder, die wegen der Entscheidung zu Israel einen Boykott der Musikveranstaltung angekündigt haben, auf, dies zu überdenken.
Kultur sollte immer etwas Verbindendes haben, und deswegen sollte auch dieses Forum genutzt werden und nicht Austragungsort politischer Differenzen sein.
Johann Wadephul, Bundesaußenminister
Vize-Regierungssprecher Sebastian Hille sagte, die Bundesregierung bedauere, "dass es nun Entscheidungen gibt, dass andere Länder sich zurückziehen".
ESC-Gastgeber Österreich kritisiert Boykott
Gastgeber Österreich freut sich auf die Teilnahme Israels und zeigt wenig Verständnis für Boykott-Ankündigungen aus mehreren europäischen Ländern. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig sagte, er sei generell "skeptisch, was den Boykott von Künstlerinnen und Künstlern angeht - insbesondere, wenn es ihre Herkunft betrifft".
Kritisch äußerte sich auch Österreichs öffentlich-rechtlicher Sender ORF, der den ESC am 16. Mai in Wien organisiert. Zugleich offenbart die Entscheidung für Israels Teilnahme eine tiefe Spaltung zwischen den Mitgliedssendern der Europäischen Rundfunkunion (EBU).
Der Eurovision Song Contest will möglichst unpolitisch sein – doch für den nächsten ESC in Wien fordern manche Länder ein Teilnahmeverbot Israels. Bereits 2022 wurde Russland ausgeschlossen.
04.12.2025 | 1:53 minIsrael darf in Wien antreten - Länder sagen Teilnahme ab
Wegen Israels Vorgehen im Gaza-Krieg hatten einige Sender den Ausschluss des Landes vom ESC gefordert. Unter anderem Deutschland stellte sich dagegen. Am Donnerstag stimmten die Mitgliedssender der EBU in Genf zwar nicht direkt über die Teilnahme Israels ab, sondern über eine Änderung der Abstimmungs- und Werberegeln für den Song Contest.
Die mehrheitlich angenommene Änderung bedeutet nach Angaben der EBU aber, dass alle Länder an dem Musikwettbewerb teilnehmen könnten, die das wünschten. Damit steht einer Teilnahme Israels am nächsten ESC nichts mehr im Weg.
Die Sender aus Spanien, Irland, Slowenien und den Niederlanden kündigten daraufhin den Boykott der Veranstaltung an. Auch Belgien, Island, Schweden und Finnland erwägen einen solchen Schritt.
Rückblick: Opernsänger JJ gewinnt den Eurovision Song Contest für Österreich. Deutschland landet auf Platz 15.
18.05.2025 | 0:32 minEBU: Boykott hat keine Folgen für Finanzierung
Seit Beginn des Gaza-Kriegs 2023 überschattet der Nahost-Konflikt den ESC. Sowohl beim Wettbewerb in Malmö 2024 als auch in Basel 2025 gab es israelkritische Demonstrationen auf den Straßen und vereinzelt auch Pfiffe und Buhrufe im Saal gegen die israelischen Auftritte.
Die Spanier gehören wie Deutschland, Großbritannien, Italien und Frankreich zu den fünf wichtigsten Geldgebern der Veranstaltung. Der Boykott wirkt sich laut der Europäischen Rundfunkunion (EBU) allerdings nicht auf die Finanzierung des Musikwettbewerbs aus. "Die endgültige Anzahl der teilnehmenden Sender hat keinen Einfluss auf das geplante Produktionsbudget und den finanziellen Beitrag der EBU an den ORF", teilte die Europäische Rundfunkunion der dpa mit.
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