ZDF-Doku über das Außenministerium:Und Wadephul lästert im Fahrstuhl
Ein Jahr lang hat das ZDF hinter den Kulissen des Auswärtigen Amts gedreht. Der Vierteiler "Die Diplomaten" zeigt Macht und Ohnmacht der deutschen Außenpolitik.
Ob USA, Ukraine oder Asien: Die ZDF-Doku "Die Diplomaten" zeigt deutsche Außenpolitik im Spannungsfeld globaler Machtpolitik - sehen Sie hier den Trailer.
18.03.2026 | 1:00 minMan soll ja sparsam umgehen mit dem Wort Held. Aber wenn man entscheiden müsste, welcher Mensch sich ganz besonders um die deutsche Nahost-Politik verdient gemacht hat, käme man an Amer Nahas nicht vorbei.
Syrien: Ein Fahrer bewacht Deutschlands Botschaft
Amer Nahas ist Fahrer an der Deutschen Botschaft in Damaskus. Als der Krieg in Syrien im Januar 2012 die Hauptstadt erreichte, half er, die Diplomaten zu evakuieren. Die Deutschen verließen Damaskus über den Landweg in den benachbarten Libanon. Nahas blieb und passte auf das Botschaftsgebäude auf - während all der Jahre, in denen in Damaskus Raketen einschlugen.
Wissen Sie, wir hatten jedes Mal Angst. Es war Krieg.
Amer Nahas, Fahrer an der Deutschen Botschaft in Damaskus
In der ZDF-Dokumentation "Die Diplomaten - Inside Auswärtiges Amt" erinnert sich der deutsche Botschafter Stefan Schneck, wie er Amer Nahas 15 Jahre später angerufen habe. "Ich habe gesagt, wir würden gern kommen. Ob er denn den Schlüssel habe", berichtet Schneck. "Und dann hat Amer gesagt: Wunderbar. Schön, dass Sie wiederkommen. Die Botschaft ist bereit. Kommen Sie bitte."
Ein Jahr nach dem Sturz des Assad‑Regimes: Viele Häuser sind noch immer zerstört, die Menschen suchen nach Normalität. Gibt es Hoffnung? Aus Damaskus berichtet Peter Theisen.
05.02.2026 | 10:24 minAuswärtiges Amt erlaubt seltenen Einblick
Normalerweise tauchen Menschen wie Nahas nicht im Fernsehen auf. Vor Kameras und Mikrofonen wird das Auswärtige Amt für gewöhnlich durch einen relativ kleinen Kreis vertreten: den Minister, die Pressesprecher, die Staatssekretäre und manchmal durch einen Botschafter.
Für die vierteilige Dokumentation hat das Ministerium eine Ausnahme gemacht. Das ganze Jahr 2025 durften die Autoren Marisa Uphoff und Fabian Herriger hinter die Kulissen der Diplomatie-Maschine blicken. Sie begleiteten den Fahrer Amer Nahas in Syrien, eine Beamtin des Protokolls auf der Münchner Sicherheitskonferenz, eine Sachbearbeiterin in Ruanda.
Außenminister Wadephul lästert über US-Präsident Trump
In New York ist die Kamera dabei, als sich Außenminister Johann Wadephul (CDU) und Deutschlands US-Botschafter Jens Hanefeld über US-Präsident Donald Trump lustig machen. Der Außenminister steht in einem Fahrstuhl und freut sich, dass der "immerhin" funktioniere - anders als Trumps Rolltreppe bei den Vereinten Nationen.
Außenminister Johann Wadephul (l., ohne Brille, nach dem Sport) und Deutschlands US-Botschafter Jens Hanefeld fahren in einem New Yorker Aufzug.
Quelle: ZDFHanefeld weiß, was gemeint ist: Der US-Präsident hat gerade von Sabotage gesprochen, weil er auf einer Rolltreppe im UN-Hauptquartier steckengeblieben war und verlangt nun, die Verantwortlichen zu verhaften. "Man kümmert sich ja jetzt darum", witzelt Hanefeld. Wadephul schüttelt den Kopf: "Ja, aber die Debatte darüber, die dauert an."
Das muss man sich mal vorstellen. Als hätten wir keine anderen Probleme.
Johann Wadephul (CDU), Außenminister
Wie ohnmächtig die deutsche Außenpolitik mitunter ist, zeigt eine Begebenheit in Ost-Jerusalem. Gerade als das Kamerateam mit Deutschlands Israel-Botschafter Steffen Seibert dreht, tauchen jüdische Siedler auf und beginnen, in ein Haus einzuziehen, aus dem die palästinensischen Bewohner vertrieben wurden.
"Die Diplomaten - Inside Auswärtiges Amt" ist ab dem 24. März 2026 um 10:00 Uhr abrufbar im ZDF-Streamingportal.
Siedler-Vorgehen in Ost-Jerusalem: Deutschlands Protest bewirkt "nicht viel"
Seibert steht nur ein paar Meter entfernt und beobachtet, wie die Siedler ihre Möbel in die geräumte Wohnung tragen. Im Namen der Bundesregierung hat der Botschafter Israels Siedlungsbau immer wieder scharf verurteilt. Jetzt und hier, direkt vor Seiberts Augen, zeigt sich, wie begrenzt Deutschlands Einfluss ist.
Gemeinsam mit 13 anderen Staaten hat Deutschland Israels Pläne für den Bau von 19 neuen Siedlungen im Westjordanland verurteilt. In der Erklärung heißt es, der Siedlungsbau sei völkerrechtswidrig.
25.12.2025 | 0:21 min"Wir werden es unserem Minister und unseren israelischen Partnern vorlegen", sagt Seibert. "Was das bewirkt? Ich kann es nicht sagen. Aber, um ganz ehrlich zu sein: Bislang hat es nicht viel bewirkt."
Das gibt einem manchmal das Gefühl, völlig nutzlos zu sein.
Steffen Seibert, Deutscher Botschafter in Israel
Amer Nahas, der Fahrer der deutschen Botschaft in Damaskus, stand in den Jahren, in denen er die Vertretung bewachte, unter dem Druck der syrischen Sicherheitskräfte. "Man kann nur ahnen, was er alles für uns gemacht hat", sagt Botschafter Schneck.
Die Szenen, in denen Nahas das Kamerateam durch die leerstehende Botschaft führt, wirken wie eine Zeitreise. Die Kalender zeigen immer noch den Januar 2012, die damals modernen Computer sind von einer Staubschicht bedeckt, auf den Schreibtischen stehen längst ungültige Stempel. In einer Dienstwohnung zeigt Nahas auf einen künstlichen Weihnachtsbaum. Die Deutschen sind seit 15 Jahren weg. Aber die Kugeln sind noch dran.
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