Linken-Chefin Ines Schwerdtner:Linke zu Zivildienst: Junge Leute als billige Arbeitskräfte
Die Bundesregierung bereitet einen neuen Zivildienst vor. Linken-Co-Chefin Ines Schwerdtner übt daran scharfe Kritik - und fordert ein Ende der "Geheimpläne" der Regierung.
Ines Schwerdtner kritisiert die Pläne der Bundesregierung zum Zivildienst. Die Bundesregierung wisse bereits "insgeheim", dass Freiwilligkeit allein nicht ausreiche.
04.08.2026 | 4:52 minSollte die schwarz-rote Koalition wieder eine Wehrpflicht einführen, soll es auch wieder einen Zivildienst geben. Dafür werden in Berlin bereits erste Vorbereitungen getroffen - obgleich völlig offen ist, ob oder wann der verpflichtende Dienst bei der Bundeswehr wieder eingeführt wird.
Die Co-Chefin der Linken Ines Schwerdtner sieht in den parallelen Vorbereitungen des Zivildienstes ein eindeutiges Indiz dafür, dass die Bundesregierung eine neue Wehrpflicht plant. "Und das beunruhigt uns sehr", so die Co-Chefin der Linken im heute journal update.
Das wäre ein Schritt in die Vergangenheit, die wir zum Glück schon längst abgeschlossen haben.
Ines Schwerdtner, Co-Vorsitzende Die Linke
Sehen Sie das Interview mit Ines Schwerdtner oben in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen.
Linke will Freiwilligendienst statt Zivildienst
Natürlich wolle die Linke, dass junge Menschen sich sozial engagieren, "dass sie sich orientieren in sozialen Einrichtungen, auch in die Pflege reinschnuppern können, dass sie einen Beitrag leisten für die Gesellschaft", so Schwerdtner - aber dafür sollten sie sich freiwillig entscheiden können. Die Linke setze sich daher dafür ein, den Bundesfreiwilligendienst weiterhin zu fördern.
Dieser trage genauso zur Förderung von Demokratie und gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein bei wie ein Zivildienst und könne junge Menschen ebenfalls animieren, etwa eine Ausbildung in der Pflege zu beginnen.
... bietet Menschen jeden Alters die Möglichkeit, sich für einen begrenzten Zeitraum im sozialen, ökologischen oder kulturellen Bereich zu engagieren - etwa in Kitas, Pflegeheimen, Sportvereinen oder Kultureinrichtungen. Dafür erhalten Freiwillige ein Taschengeld sowie unter Umständen Zuschläge für Unterkunft, Essen etc. Der Bundesfreiwilligendienst wurde 2011 eingeführt, nachdem der Wehrdienst und damit auch der Zivildienst ausgesetzt wurden.
Quelle: www.bundesfreiwilligendienst.de
Schwerdtner: Junge Menschen sollen Lücken füllen
Schwerdtner hält den Zivildienst auch für keine geeignete Antwort auf den Pflegenotstand: "Der Sozialstaat wird kaputtgespart", sagt sie etwa mit Blick auf die Gesundheitsreform.
Und jetzt sollen junge Menschen diese Lücken füllen als billige Arbeitskräfte.
Ines Schwerdtner, Co-Vorsitzende Die Linke
Rund fünf Monate nach Beginn der Wehrerfassung aller 18-Jährigen zieht das Verteidigungsministerium Bilanz: Knapp 300.000 Briefe wurden verschickt, 530 der Angeschriebenen wurden rekrutiert.
24.06.2026 | 0:35 minDie Co-Chefin der Linken übt zudem scharfe Kritik an der Kommunikation der Bundesregierung rund um den Wehrdienst. Insgeheim wisse diese, dass es nicht genügend Freiwillige für den Wehrdienst gebe: "Ich glaube, die Bundesregierung sollte jetzt mal offen und ehrlich mit den Menschen, insbesondere mit den jungen Menschen in Deutschland umgehen", so Schwerdtner.
Diese Geheimpläne, die sie da machen, die helfen niemandem.
Ines Schwerdtner, Co-Vorsitzende Die Linke
Gleichzeitig werde die Linke auch weiter junge Menschen unterstützen, die nicht zur Bundeswehr gehen wollen.
Das Interview führte Nazan Gökdemir, zusammengefasst hat es Marie Ahlers.
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