Nach AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt:Thüringens Verfassungsschutzchef wirbt für "Risikomanagement"
Nach dem AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt bringt der Verfassungsschutzchef Thüringens vorbeugende Einschränkungen ins Spiel. Es gehe um Risikomanagement zum Schutz von Menschenleben.
Thüringens Verfassungsschutzchef Stephan Kramer
Quelle: dpa | Martin SchuttOhne die AfD konkret zu nennen, hat Thüringens Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer nach deren Wahlsieg in Sachsen-Anhalt einem Bericht zufolge "klassisches Risikomanagement" nahegelegt. "Für den Fall, dass konkrete Zweifel am Geheimschutz einer politischen Leitung entstehen, sollte der Verfassungsschutzverbund vorbereitet sein", sagte Kramer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Die Meinungen in Sachsen-Anhalt sind gespalten - Hoffnung auf der einen, Angst auf der anderen Seite. AfD-Wählende zeigen sich frustriert von der Politik der etablierten Parteien.
08.09.2026 | 2:54 minKramer brachte dafür "abgestufte Informationsrechte, konsequentes Need-to-know Prinzip, gegebenenfalls eingeschränkte Übermittlung besonders sensibler Informationen und die Möglichkeit, einzelne Quellen rechtzeitig durch eine andere Behörde weiterführen zu lassen" ins Spiel.
Das wäre letztlich keine politische Sanktion, sondern klassisches Risikomanagement zum Schutz von Menschenleben, nachrichtendienstlichen Zugängen und klassischem Geheimschutz.
Stephan Kramer, Thüringens Verfassungsschutzpräsident
AfD hat Stimmanteile mehr als verdoppelt
Nach vorläufigem Ergebnis hat die AfD die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent der Stimmen klar gewonnen und damit ihren Anteil gegenüber der Wahl von 2021 mehr als verdoppelt. Sie hat aber selbst keine absolute Mehrheit.







Die bislang regierende CDU erlitt heftige Stimmeneinbußen und kam nur noch auf 17,2 Prozent. Im Landtag sind zudem SPD, Grüne und Linke sowie erstmals das BSW vertreten.
Machtübernahme der AfD: "Reale Gefahr für die nationale Sicherheit"
Eine mögliche AfD-geführte Landesregierung in Sachsen-Anhalt löst große Sorgen in Deutschlands Innenbehörden aus. Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) hatte zuvor erklärt: "Die absehbare Machtübernahme der AfD in Sachsen-Anhalt stellt eine reale Gefahr für die nationale Sicherheit dar."
Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt will die AfD regieren, ihr fehlt aber die absolute Mehrheit. Werden einzelne CDU-Abgeordnete oder das BSW zum Mehrheitsbeschaffer?
07.09.2026 | 2:40 minDer Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD), forderte nach dem Wahlsieg der AfD, die Sicherheitsbehörden gegen extremistische Einflussnahme zu schützen. Bei der inneren Sicherheit tragen die Bundesländer die Hauptverantwortung.
Verfassungsschutz: Innenminister hat großen Handlungsspielraum
Ein AfD-Innenminister hätte als oberster Verfassungsschützer des Landes großen Handlungsspielraum. Er könnte etwa Personal beim Verfassungsschutz auswechseln und Prioritäten innerhalb der Sicherheitsbehörden neu festlegen. Für Besorgnis sorgt auch der Umgang der als russlandnahen geltenden AfD mit sensiblen Informationen.
Wie das RND überdies unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, kommen die Verfassungsschutzpräsidenten der 16 Bundesländer und der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Sinan Selen, von Mittwoch bis Freitag zu dreitägigen Beratungen zusammen. Dabei werde auch "das eine oder andere Wort über die AfD gewechselt", erfuhr das RND. Allerdings sei diese Tagung seit längerem geplant und keine Reaktion auf die Landtagswahl, hieß es weiter.
Schaltkonferenz der Innenminister womöglich binnen zwei Wochen
Aus Unionskreisen verlautete demnach, bisher seien aus Rücksicht auf Bitten der noch amtierenden Landesregierung in Magdeburg keine nationalen Vorkehrungen für eine AfD-Regierungsübernahme zum Schutz der Sicherheitsbehörden getroffen worden.
Der AfD-Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt löst im Ausland unterschiedliche Reaktionen aus. Es gibt zum einen Glückwünsche, aber auch Sorgen und Warnungen.
07.09.2026 | 1:51 min
Dies könne aber schnell nachgeholt werden. So sei mit einer Schaltkonferenz der Innenminister in den nächsten zwei Wochen zu rechnen. "Wegen der generellen Sicherheitslage werden sich die Innenministerinnen und Innenminister in den kommenden Wochen weiterhin besonders eng abstimmen", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dem RND.
Die Situation in Sachsen-Anhalt werde "dabei sicherlich auch Thema sein". "Solange die Regierungsbildung noch nicht abgeschlossen ist, halte ich öffentliche Spekulationen über einzelne Aspekte für nicht sinnvoll."
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