Differenzen zur Bundesspitze:Thüringen: BSW-Abgeordneter Herzog verlässt die Partei
Der Thüringer Landtagsabgeordnete Matthias Herzog verlässt das BSW. Die Partei regiert dort in der "Brombeer-Koalition". Den Austritt begründet er mit Differenzen zur Bundesspitze.
Matthias Herzog hat seinen Austritt aus dem BSW verkündet. (Archivbild)
Quelle: ImagoDer Thüringer Landtagsabgeordnete Matthias Herzog verlässt das BSW. Wie der stellvertretende Fraktionsvorsitzende gegenüber ZDFheute sagte, sei seine Entscheidung lange überlegt gewesen. Er habe sie am Montagmorgen verkündet.
Eine "innere Zerrissenheit und Distanz" zur Partei seien Gründe für seinen Austritt, sagte Herzog ZDFheute. Bereits seit über einem Jahr beobachte er eine problematische kommunikative Kultur in seiner Partei. In Thüringen regiert die sogenannte "Brombeer-Koalition" aus CDU, BSW und SPD.
Das BSW Thüringen steht zur Koalition mit CDU und SPD. Damit stellt es sich gegen die Bundesspitze der Partei. Die hatte verlangt, die Zusammenarbeit mit CDU-Ministerpräsident Voigt zu beenden.
17.08.2026 | 1:26 minHerzog gegen Regierungsbeteiligung der AfD
Auch politische Ausrichtungen, etwa die Diskussion um eine mögliche Regierungsbeteiligung der AfD in Sachsen-Anhalt, könne er nicht mittragen.
Ich verlasse die Partei, aber nicht meine politischen Überzeugungen.
Matthias Herzog, Landtagsabgeordneter in Thüringen
Das BSW fordert für Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern einen überparteilichen Ministerpräsidenten, der mit wechselnden Mehrheiten regieren soll - auch unter Einbindung der AfD.
Die Parteigründerin Sahra Wagenknecht hält überdies eine themenbezogene Zusammenarbeit mit der AfD in Sachsen-Anhalt für möglich.
Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt kämpft das BSW um den Einzug in den Landtag. Parteigründerin Sahra Wagenknecht kündigt an, einzelne Vorhaben der AfD im Land unterstützen zu wollen.
21.08.2026 | 1:55 minHerzog will Abgeordneter bleiben
Herzog kündigte an, er wolle sein Abgeordneten-Mandat im Thüringer Landtag behalten. Die BSW-Fraktion muss nun entscheiden, ob er künftig parteiloses Fraktionsmitglied bleiben darf.
Er stehe vollständig hinter dem Koalitionsvertrag, sagte Herzog. Die Regierungsbeteiligung des BSW in Thüringen sehe er als "Riesenerfolg" an.
In Erfurt regieren CDU, BSW und SPD in einer Brombeer-Koalition, die im Parlament bisher auf 44 der 88 Stimmen kommt. Damit ist sie bereits jetzt für eine Mehrheit auf die Unterstützung der Linkspartei angewiesen. Ohne Herzog wäre die Regierung mit nur noch 43 Stimmen in der Minderheit.
Nach Entzug seines Doktortitels steht Thüringens Ministerpräsident unter Druck. Die BSW-Bundesspitze fordert Voigts Rücktritt – der innerparteiliche Konflikt verschärft sich.
14.08.2026 | 2:30 minThüringer BSW-Fraktion stellte sich gegen Bundesspitze
Indem sie sich für den Verbleib in der Koalition aussprach, hatte sich die Thüringer BSW-Landtagsfraktion offen gegen die Forderungen der Bundesspitze gestellt, Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) nicht länger zu unterstützen. Am Sonntag soll nun auch ein Landesparteitag darüber entscheiden.
Hintergrund ist die Aberkennung von Voigts Doktortitel durch die TU Chemnitz. Ein Misstrauensvotum der AfD gegen Voigt scheiterte im Landtag.
Voigt wird vorgeworfen, in seiner Dissertation aus dem Jahr 2008 unsauber gearbeitet zu haben. Die ersten Plagiatsvorwürfe waren kurz vor der Landtagswahl 2024 aufgekommen. Die Technische Universität Chemnitz hatte an ihrer Entscheidung festgehalten, Voigt den Doktortitel zu entziehen. Ein dagegen eingelegter Widerspruch sei per Beschluss zurückgewiesen worden, teilte die Hochschule mit. Voigt hatte alle Vorwürfe bereits bei Bekanntwerden des Titelentzugs im Januar als "nicht nachvollziehbar" bezeichnet.
Quelle: dpa
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