Subventionen: Staatliche Rekordhilfen - Bericht übt Kritik

Freiburger Subventionsbericht:Immer mehr staatliche Zuschüsse - Kritik an Rekordhilfen

von Helge Hoffmeister

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Zu hoch, zu wenig transparent: Ein Subventionsbericht kritisiert die steigenden staatlichen Subventionen. 2026 erreichen sie ein Rekordniveau von rund 320 Milliarden Euro.

 Rainer Kirchdoerfer und Lars Feld halten die Vorstellung des Freiburger Subventionsbericht zu Finanzhilfen des Bundes in den Händen.

Etwa 320 Milliarden veranschlagt der Bund in diesem Jahr für Subventionen. Nicht immer werden die sinnvoll verteilt, urteilt ein aktueller Subventionsbericht.

14.04.2026 | 0:47 min

Um die gestiegenen Kraftstoffpreise abzufedern, hat die Bundesregierung Finanzhilfen beschlossen, die ohne Gegenleistung bei Unternehmen und Haushalten ankommen. Doch die Beschlüsse sind umstritten: Sie seien zu sehr nach dem Gießkannenprinzip und entlasteten am Ende nicht zielgenau genug.

Bericht: Subventionsvolumen ökonomisch fragwürdig

Da passte der heutige Termin auf der Bundespressekonferenz ins Thema. Das Walter Eucken Institut der Universität Freiburg stellte in Kooperation mit der Stiftung Familienunternehmen einen neuen Subventionsbericht vor. Die Kernbotschaft: Das staatliche Subventionsvolumen steige in diesem Jahr auf 321,3 Milliarden Euro und sei ökonomisch fragwürdig.

Der Freiburger Subventionsbericht analysiert die Entwicklung der gesamtstaatlichen Subventionen. Er fokussiert sich dabei auf die Unterstützung des Bundes. Dieser allein habe für 2026 voraussichtlich Subventionen in Höhe von rund 235 Milliarden Euro geplant. Die restlichen Milliarden verteilen sich auf die Länder sowie Städte und Kommunen.

ZDF-Wirtschaftskorrespondent Frank Bethmann erklärt, warum die hohen staatlichen Subventionsausgaben kritisch gesehen werden.

Die staatlichen Subventionen könnten in diesem Jahr auf 321 Milliarden Euro ansteigen. ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann berichtet.

14.04.2026 | 1:13 min

Subventionen steigen von Jahr zu Jahr

Die Subventionen des Bundes seien in den vergangenen zehn Jahren um das dreieinhalbfache gestiegen. Sie setzen sich zusammen aus direkten Zahlungen in Form von Finanzhilfen sowie indirekten Hilfen durch Steuervergünstigungen. 2026 steigen die Finanzhilfen des Bundes voraussichtlich auf rund 150 Milliarden, die Steuervergünstigungen auf 85,3 Milliarden.

Entwicklung der Bundesfinanzhilfen seit 2022

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Ökonom Lars Feld, Leiter des Walter Eucken Instituts, kritisierte diese Erhöhung:

Problematisch sind nicht nur die Summen, sondern auch, wo diese Mittel konzentriert sind. Da handelt es sich häufig um ökonomisch fragwürdige Programme.

Lars Feld, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg

So würden vor allem große Konzerne von den Hilfen des Staates profitieren. Hinzu komme, dass die Vergabe der Subventionen häufig intransparent verlaufe. Es werde immer schwieriger zu sehen, ob das Geld für die Subventionierung aus dem Kernhaushalt oder aus Sondervermögen komme, kritisierte Feld.

Verschiedene Elektroautomodelle stehen am 25.08.2024 vor einem Autohaus von Moller Bil für den deutschen Automobilhersteller Volkswagen außerhalb der norwegischen Hauptstadt Oslo.

Ein neues Förderprogramm der Bundesregierung für E-Autos sieht offenbar Zuschüsse von 1.500 bis 6.000 Euro vor. Das sagte Umweltminister Schneider im Januar der "Bild"-Zeitung.

16.01.2026 | 0:22 min

Finanzielle Unterstützung für Energiesektor nimmt zu

Philippa Sigl-Glöckner, Direktorin und Geschäftsführerin des Dezernats Zukunft, sieht in den vergangenen Jahren vor allem einen Trend zu mehr Energiesubventionen, um die schwierige Lage der Industrie zu adressieren. Ob das funktioniere, sei zweifelhaft.

Die deutsche Industrie erlebt gerade einen großen China-Schock, dessen Gründe weit über Strompreise hinausgehen.

Philippa Sigl-Glöckner, Dezernat Zukunft

Eine weitere große Subvention sei die Förderung für energetische Gebäudesanierung mit rund zwölf Milliarden Euro. Diese würde auch an zahlreiche Haushalte gehen, die sie nicht brauchen. "Das könnte man besser machen", sagte Sigl-Glöckner.

Subventionen sollten zielgerichteter eingesetzt werden

Laut Freiburger Subventionsbericht geht der Großteil der Finanzhilfen in die Bereiche Umwelt und Verkehr sowie in industriepolitische Hilfen, etwa für die Mikrochip-Förderung. Bei den Steuervergünstigungen des Bundes haben vor allem ermäßigte Umsatzsteuern in verschiedenen Branchen zugenommen. Diese seien teuer, aber wenig zielführend, sagte Ökonom Lars Feld.

Auf der rechten Seite des Bildes zu sehen ist Host Mirko Drotschmann. Im Hintergrund zu sehen ist dürrer, ausgedrockneter Boden, mittig zu erkennen ist ein Wald in Form der BRD. Inmitten der BRD ist ein Fußabdruck sichtbar.

Vor wenigen Jahren war das Thema Klima noch allgegenwärtig. Vernachlässigt Schwarz-Rot das Thema? Mirko Drotschmann blickt auf die Klimapolitik der Bundesregierung.

12.03.2026 | 8:33 min

Er plädierte dafür, Lücken in zukünftigen Bundeshaushalten nicht nur über Einnahmen zu schließen, sondern auf der Ausgabenseite gezielt die Subventionen in den Blick zu nehmen.

Das mag nicht günstig politisch sein oder günstig in den Beträgen, aber es ist ökonomisch günstig, um hier Marktverzerrungen abzubauen.

Lars Feld, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg

Da Kürzungen in nur einigen Branchen oder für einzelne Unternehmen üblicherweise zu größeren Protesten führen, sei eine gleichmäßige prozentuale Kürzung "mit dem Rasenmäher" sinnvoll. Wie hoch ein solcher Prozentsatz aussehen könnte, ließ Feld offen.

Schon 2003 hatten die beiden damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) und Peer Steinbrück (SPD) ein Papier mit dem "größten Programm zum Subventionsabbau in der Geschichte" vorgestellt.

Darin wollten sie alle staatlichen Hilfen pauschal um mehrere Prozent kürzen. Das sollte Einsparungen in zweistelliger Milliardenhöhe bringen. Doch ihre Berechnungen fußten auf veralteten und fehlerhaften Daten. Der Rasenmäher sprang nicht an.


Philippa Sigl-Glöckner sieht dies kritisch. "Der Einsatz von Rasenmähern sollte auf Grünflächen beschränkt bleiben. Die eigentliche Frage ist, wie man die analytische Grundlage von Subventionsentscheidungen stärkt und mit der schwierigen politischen Ökonomie umgeht", sagte sie. Dabei müsse der Staat die Balance finden, die Wirtschaft nicht versteinern zu lassen und das Vertrauen der Menschen nicht zu verlieren.

Helge Hoffmeister ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 14.04.2026 um 18:50 Uhr in dem Beitrag "Kommen Finanzhilfen an richtiger Stelle an?".

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