Polizeiliche Kriminalstatistik:Gewalt gegen Lehrkräfte in Deutschland nimmt deutlich zu
Lehrerinnen und Lehrer werden in Deutschland immer häufiger Opfer von Gewalt. Das zeigt eine Auswertung einer Polizei-Statistik. 2024 wurden demnach 1.283 Gewaltfälle aktenkundig.
Die Gewalt gegen Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland nimmt weiter zu. 2024 wurden über 1.200 Fälle einfacher Körperverletzung und mehr als 500 schwere Übergriffe erfasst.
10.04.2026 | 0:28 minLehrerinnen und Lehrer werden in Deutschland immer häufiger Opfer von Körperverletzung und anderen Formen von Gewalt. Das zeigt eine Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), die einen Zeitraum von zehn Jahren umfasst.
Einfache Körperverletzung steigt 2024 auf 1.283 Fälle
Danach stieg die Zahl der Fälle, in denen Lehrkräfte als Opfer vorsätzlicher einfacher Körperverletzung aktenkundig wurden, 2024 auf 1.283 Fälle. Zum Vergleich: In den Jahren 2015 bis 2023 meldeten die Polizeibehörden der Länder zwischen 717 und 1.017 Fälle an das Bundeskriminalamt (BKA).
Dass es 2021 mit 564 Fällen deutlich weniger solcher Übergriffe gab, dürfte mit den vorübergehenden Schulschließungen während der Corona-Pandemie zu tun haben.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2025 ist noch nicht veröffentlicht. Die Auswertung der bundesweiten Polizeidaten zu Gewalttaten gegen Lehrkräfte liegt ZDFheute vor. Sie ist Teil einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen zur Sicherheit der Beschäftigten im öffentlichen Dienst.
Als Gewalttaten gegen Lehrkräfte zählt die Polizei nur Straftaten, bei denen die Tatmotivation in Beziehung zur beruflichen Tätigkeit stehen.
Gewaltkriminalität: 557 schwere Fälle
Ein Anstieg ist demnach auch bei den gegen Lehrerinnen und Lehrer gerichteten Straftaten zu beobachten, die in der PKS in der Kategorie Gewaltkriminalität aufgeführt werden. Dazu zählen Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexueller Übergriff im besonders schweren Fall, Raubdelikte, Körperverletzung mit Todesfolge, erpresserischer Menschenraub und Geiselnahme sowie schwere und gefährliche Körperverletzung.
Mehrere Lehrkräfte berichten von Gewalt und Mobbing durch Schüler an einer Berliner Grundschule. Nach seinem Outing sieht sich ein homosexueller Lehrer Angriffen ausgesetzt.
02.07.2025 | 7:25 minSeit 2015 hat die Zahl solcher Taten gegen Lehrkräfte kontinuierlich zugenommen - mit Ausnahme der Corona-Jahre 2020 und 2021, in denen ein leichter Rückgang zu verzeichnen war. 2015 zählte die Polizei bundesweit 268 Fälle, in denen eine Lehrkraft Opfer von Gewaltkriminalität im Sinne der Statistik wurde. 2023 wurden 477 Fälle registriert, ein Jahr später wurden 557 Fälle aktenkundig.
Höhere Strafen für Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte
Zwischen 2018 und 2024 nahm laut Polizeistatistik auch die Zahl der Gewaltdelikte gegen Mitarbeiter von Feuerwehren, Rettungsdiensten und Polizei zu. Im Mai 2017 waren im Zuge einer Gesetzesänderung zur Stärkung des Schutzes von Vollstreckungsbeamten Straftatbestände geändert und neue Straftatbestände geschaffen worden. Daher sind die Opferzahlen der Jahre 2018 bis 2024 nicht mit den Daten der Vorjahre vergleichbar.
"Die Polizei, dein Freund und Helfer." Das sehen nicht alle Menschen so. Viele Einsatzkräfte, auch im Rettungsdienst und bei der Feuerwehr, erleben im Dienst Gewalt. Wie werden sie wo geschützt?
08.01.2026 | 3:45 minKurz vor Silvester hatte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) einen Gesetzentwurf zum besseren Schutz von Polizisten, Feuerwehrleuten und Rettungskräften vorgelegt. Er sieht härtere Mindeststrafen für Angriffe auf diese Gruppen vor. Demnach ist geplant:
- Freiheitsstrafen von mindestens sechs Monaten (bisher mindestens drei Monate)
- In besonders schweren Fällen soll eine Mindeststrafe von einem Jahr drohen (statt wie bisher sechs Monate).
- Wer Rettungs- und Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit behindert, soll grundsätzlich nicht mehr mit einer Geldstrafe davonkommen können, sondern in Haft.
Einen Kabinettsbeschluss zu dem Vorhaben gibt es noch nicht.
Grünen-Sprecher: Steigende Zahl der Gewaltvorfälle besorgniserregend
Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Marcel Emmerich, findet es alarmierend, dass die Gewalt gegen Menschen zunimmt, die in ihrem beruflichen Alltag Verantwortung für die öffentliche Infrastruktur, die Sicherheit und die Bildung künftiger Generationen tragen.
Die Bundestagsdebatte zu einem Antrag der AfD-Fraktion mit dem Titel "Gewalt und andere Formen schwerwiegender Übergriffe an Schulen systematisch erfassen, untersuchen und durch geeignete Maßnahmen verhindern".
26.03.2026 | 79:53 minBesonders besorgniserregend sei, dass sich die Zahl der Gewaltvorfälle gegen Lehrkräfte in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt habe.
Es ist höchste Zeit für wirksame Schutzkonzepte.
Marcel Emmerich, innenpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion
Diese müssten auf die jeweilige Berufsgruppe zugeschnitten sein, so Emmerich. Ebenso wichtig seien einheitliche Verfahrensstandards für den Umgang mit Übergriffen sowie der Einsatz verlässlicher technischer Unterstützung, etwa durch moderne Alarmsysteme.
Neues Meldeverfahren für Berliner Schulen
Im Schuljahr 2024/2025 hatten sich nach Angaben der Berliner Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) 82 Prozent aller Berliner Schulen an einem neuen Meldeverfahren beteiligt.
Von diesen 599 Schulen meldeten demnach 53,6 Prozent Vorfälle mit körperlicher Gewalt, 9,2 Prozent angedrohte Gewalt, 7,5 Prozent selbstverletzendes Verhalten von Schülern und 4,3 Prozent Übergriffe auf Schulpersonal.
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